• vom 23.08.2017, 09:34 Uhr

Alpbach Diary

Update: 29.08.2017, 09:37 Uhr

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Widerspruch!




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Von Walter Hämmerle


    Walter Hämmerle

    Walter Hämmerle Walter Hämmerle

    Ein Argument wird nicht besser, je öfter es wiederholt wird. Diese Einsicht ist eigentlich eine Banalität. Ein Argument wächst natürlich mit der Gegenrede. "Ich bin der Geist, der stets verneint", lässt Goethe seinen Mephisto sagen. Das wäre allerdings eine ausgezeichnete Selbstbeschreibung für die Universitäten verstanden als freie Denkräume. Hier sollte Kritik die erste Studenten- und Professorenpflicht sein und die Lust am Widerspruch den Verstand Schritt für Schritt ein klein bisschen nähen an die Vernunft heranführen.

    Wirklich spannend ist die Lust am Widerspruch vor allem dort, wo es gegen die etablierten Denkmuster, gegen die intellektuelle Hegemonie des Zeitgeists geht. Nichts ist langweiliger als Seminare und Debatten, in denen sich alle selbst bestätigen und sich darüber einig sind, wo der gemeinsame Gegner steht. Das ist praktizierter Konformismus und geistige Orthodoxie in Reinkultur. Die Idee der Universität könnte davon nicht weiter entfernt sein.

    Die besten Hochschulen haben sich stets unbequeme Denker geholt, die wider den Zeitgeist löckten. Sogar am Höhepunkt des Kalten Krieges lehrten und forschten an den Eliteuniversitäten des kapitalistischen Westens kreative Denker, die sich auf Marx beriefen und den Sozialismus predigten. Und zwar quer durch den Fächerkanon. Weil von der Kollision unterschiedlicher Meinungen alle profitieren.

    Heute hat es den Anschein, als gehe es bei der Besetzung der Lehrstühle vor allem darum, dass der oder die Neue sich möglichst reibungslos ins bestehende Meinungsklima des Instituts einfügt.

    Dabei sollte doch das genaue Gegenteil das Ziel sein! Das mag vielleicht für alle Beteiligten bequem sein, ist aber sicher nicht der tiefere Grund, warum die Freiheit der Wissenschaft in Verfassungsrang steht und mit dem Geld der Bürger finanziert wird.

    Weil eben ein Argument, auch wenn es "en vogue" ist, nur durch Widerspruch besser wird.

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-08-29 09:35:21
    Letzte Änderung am 2017-08-29 09:37:41



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