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Alpbach Diary

Update: 29.08.2017, 09:48 Uhr

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Von Eva Stanzl


    Eva Stanzl

    Eva Stanzl© Luiza Puiu Eva Stanzl© Luiza Puiu

    Wer in die Vergangenheit blickt, könnte durchaus sentimental werden. Manche Wünsche sind zerplatzt, manche Momente vorbei, und es bleibt die vergebliche Sehnsucht nach dem Schönen, das niemand zurückholen kann. Wer hingegen in die Zukunft blickt, könnte Angst bekommen. Angst vor Maschinen, die Kommandos geben, wenig verstehen, aber beinhart ausführen, sodass uns nur bleibt, uns nach ihnen zu richten.

    Dass eine Furcht vor einem von Algorithmen gesteuerten Leben gewisse Gründe hat, zeigt der Alltag mit Endgeräten. Tablets und Smartphones tragen zu einer Beschleunigung bei, die immer weniger Raum für Reflexion und kritisches Denken lässt. Die Geräte machen Druck, besonders aktiv zu sein. Man ist immer erreichbar, stets ansprechbar und muss zu jeder Zeit antwortfähig sein. Wer sich diesem Diktat entzieht, erntet Verwunderung oder sogar Verärgerung. Die Digitalisierung verdichtet das Leben und macht es mit unaufhörlichen Angeboten bis zur Unerträglichkeit intensiv. In der Praxis schafft diese Mentalität volle Terminkalender.

    Schon die Kleinsten haben keine Zeit mehr für Langeweile, denn sie müssen zum Sport, zum Tanz, zum Singen, in die Reitschule, ins Aquaparadies, zur Kinderparty mit Clown oder in den Englischunterricht. Und weil ihre Eltern sie dorthin mit dem Auto chauffieren, sind sie nie allein. Nur vor dem iPad lässt man sie in Ruhe, denn im Internet gefangen, sind sie nicht ansprechbar.

    Doch der Tag hat nur 24 Stunden. Wer sie nicht bewusst erfährt, versäumt sein Leben. Es lohnt sich daher, den Moment hier und jetzt zu genießen, denn er bedeutet vielleicht sogar alles. Pläne und Ziele geben ihm Sinn. Sie sind mit Konzentration zu fassen und aufmerksam zu verfolgen. Doch auch die Aufmerksamkeit benötigt die Gunst der Stunde und damit des Moments. Es ist wichtig, ihn nicht zu verpassen. Selbst wenn das bedeutet, den Kaffee langsamer zu trinken, um den Moment in die Länge zu ziehen. Denn nur wer im Moment lebt, kann die Chancen ergreifen, die er bietet.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-08-29 09:46:37
    Letzte nderung am 2017-08-29 09:48:03



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