• vom 29.08.2017, 15:52 Uhr

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Ein Vertrag gegen den automatisierten Krieg




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Von Daniel Bischof


    Daniel Bischof

    Daniel Bischof Daniel Bischof

    Sie werden nie müde, gehorchen und beschweren sich nicht: Kampfdrohnen. Wird eine von ihnen abgeschossen, müssen keine Angehörigen informiert werden – im Gegensatz zu Menschenleben können die kostengünstigen Drohnen einfach ersetzt werden. Ziviler Widerstand gegen militärische Einsätze wird damit unwahrscheinlicher. Trotz heftiger Kritik setzen Militärs aus aller Welt daher vermehrt auf die unbemannten Kampfflieger. Alleine in Afghanistan wurden laut dem "Bureau of Investigative Journalism" seit Jänner 2017 mindestens 1966 US-Drohnenangriffe registriert.

    Kampfdrohnen könnten nicht die einzigen unbemannten Kriegsmittel bleiben. Man denke nur an selbstfahrende Panzer, automatisierte Maschinengewehre, bewaffnete Roboter, die ihre Ziele selbständig auswählen und angreifen. Vor solchen "tödlichen autonomen Waffen" warnten kürzlich mehr als einhundert Technologie-Unternehmer in einem offenen Brief an die Vereinten Nationen. Unter den Unterzeichnern, die im Bereich der Künstlichen Intelligenz und Robotik forschen, finden sich so prominente Namen wie Elon Musk, Chef des Elektroautoherstellers Tesla.

    Die neuen Waffen könnten "bewaffnete Konflikte in einem nie dagewesenem Ausmaß und einer Schnelligkeit, die Menschen nicht mehr begreifen können, erlauben", heißt es in dem Brief. "Wenn diese Büchse der Pandora einmal geöffnet ist, wird es sehr schwer werden, sie wieder zu schließen." Bald müssten die Vertragsparteien der UNO etwas gegen diese Gefahren unternehmen.

    Doch was soll sie tun? So oft das Völkerrecht schon gebrochen wurde, so oft es sich in Kriegszeiten als uneffektiv erwiesen hat: Ein internationaler Vertrag, der diese Waffen ächtet und verbietet, ist der einzig gangbare Weg. Als Inspiration könnte – trotz seiner Makel – der "Atomwaffensperrvertrag" dienen. Auch wenn sich die Kontrolle seiner Einhaltung als schwierig erweisen dürfte, könnte ein solcher Vertrag zumindest als Druckmittel und rechtlicher und ethischer Kompass gebraucht werden. Darauf zu hoffen, dass Militärs und Politiker von selbst auf die Verlockungen dieser neuen Waffen verzichten, ist illusorisch.

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-08-29 09:52:30
    Letzte ─nderung am 2017-08-29 10:20:40



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