• vom 29.08.2017, 18:15 Uhr

Alpbach Diary


Geopolitik

Neue Seidenstraße




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Von Thomas Seifert


    Thomas Seifert

    Thomas Seifert

    China wird beim europäischen Forum Alpbach ein immer wichtigeres Thema. Das ist nachvollziehbar: Immerhin ist das Reich der Mitte einer der wichtigsten Handelspartner der Europäischen Union und die Beziehungen zwischen Europa und der Volksrepublik China sind im Wandel begriffen. Nicht erst seit der vielbeachteten Verteidigungsrede der Globalisierung von Präsident Xi Jinping beim World Economic Forum in Davos ist klar, dass man sowohl in Peking als auch in Brüssel gemeinsame Ziele verfolgt. So sind Europa und China etwa beim Klimaschutz oder der Globalisierung enger aneinanderrückt, während sich das Klima zwischen den USA einerseits und China und Europa andererseits seit dem Amtsantritt von Donald Trump deutlich abgekühlt hat.

    Schon befürchten einige Experten, dass Trump versuchen könnte, die amerikanische Öffnungspolitik vis-à-vis China, die auf Richard Nixons Besuch bei Mao Zedong im Jahr 1972 zurückgeht, wieder umzukehren. Nixons Bestreben war es ja, China als Mitstreiter gegen die Sowjetunion zu rekrutieren. Nun könnte Trump versuchen, Wladimir Putin als Verbündeten gegen Xi Jinping zu gewinnen. Ein Unterfangen, das derzeit wenig Aussicht auf Erfolg haben dürfte – zu eng sind die Bande zwischen Moskau und Peking.

    Aber: Die geopolitische Plattentektonik verschiebt sich, genügend Gesprächsstoff für geostrategische Debatten in Alpbach. Besonders die Idee der Renaissance der Seidenstraße, "One Belt One Road" beflügelt derzeit den Diskurs der China-Experten. Denn zum Aufbau eines Imperiums braucht es leistungsfähige Verkehrswege. Und so zieht der wirtschaftliche Aufstieg des Reichs der Mitte auch einen weiteren Bedeutungsgewinn nach sich: Denn China muss auch in der Lage sein, diese Verkehrswege militärisch zu schützen. Letztlich wird China in Zentralasien mit Russland um Einfluss ringen und seinen Einfluss in Südostasien und Südasien weiter ausbauen und in Südasien Indien immer mehr ins Gehege kommen. Nach Chinas Wille heißt es dann eines Tages: "Alle Wege führen nach Peking". All diese Veränderungen rufen nach einer neuen Sicherheitsarchitektur in Asien. Europa hätte hier einiges an Erfahrung und Expertise anzubieten.

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-08-29 10:17:58
    Letzte nderung am 2017-08-29 10:20:05



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