• vom 30.08.2017, 08:52 Uhr

Alpbach Diary


Commons

Die Flaggen und die Daten




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Von Konstanze Walther


    Kostanze Walther

    Kostanze Walther© WZ Kostanze Walther© WZ

    In einem Sketch des britischen Comedian Eddie Izzard macht er sich über "die geschickte Nutzung von Flaggen" als Kolonialwerkzeug lustig. Denn das Vereinigte Königreich habe Kontinente erobert, in dem die auf dem Schiff Angereisten, kaum, dass sie Festland betreten haben, die britische Flagge in den Boden gerammt hatten. Bei Widerstand der lokalen Bevölkerung erklärte man ihnen kaltschnäuzig: "Ja, habt ihr denn keine Flagge? Ohne Flagge gibt es kein Land."

    Bei der Eroberung des amerikanischen Kontinents hatten Gesandten der Alten Welt sogar den Segen des Papstes mit im Gepäck: Der Papst verkündete bewohnte Teile der Neuen Welt als Terra Nullius und teilte sie dann zwischen Spanien und Portugal auf. Damit wurden bestehende Besitzverhältnisse von indigenen Völkern elegant mit einem Strich null und nichtig gemacht und die Europäer konnten anfangen, die Neue Welt nach ihren Vorstellungen zu formen. Was einst Gemeingut der lokalen Bevölkerung war, wie etwa Land, wurde von dem Kolonialreich als Eigentum beansprucht. Nach der Dekolonialisierung fielen die Ländereien zum Teil an den jungen, gerade unabhängig gewordenen Staat. Doch sie waren längst nicht mehr Gemeingüter sondern längst Eigentum – in dem Fall öffentliches, was aber der Staat jederzeit durch Veräußerung in privates Eigentum verwandeln konnte. Der Pferdefuß: Die Bevölkerung kann sich oft gar nicht mehr in die Verwendung der natürlichen Ressourcen einbringen.

    In Alpbach standen den Forums-Studenten bei den Vorträgen über Commons – unter anderem von Shalini Randeria, Rektorin des Instituts für die Wissenschaft von Menschen (IWM), – regelrecht die Münder offen. Es soll zwischen privatem und öffentlichem Eigentum noch einen dritten Weg geben? Ist das dann der Kommunismus? Nein, meint Randeria. Kommunismus ist Zwang. Commons ist geteilte Verantwortung auf freiwilliger Basis. Während Wasser ein uraltes Gemeingut ist, das zeitweise schwerst umkämpft wird, funktionieren neu entstandene Commons dafür umso besser: Stichwort Digital Commons, wie Wikipedia und Open Source Software. Die Schlacht um das Eigentum unserer Daten, "the new frontier", steht uns allerdings noch bevor.

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-08-29 11:52:53
    Letzte ─nderung am 2017-08-29 11:57:12



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