• vom 05.09.2012, 09:59 Uhr

Blogs

Update: 06.09.2012, 20:04 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Der Globalist-Blog

Hier in Damaskus heißt der Bürgerkrieg harmlos: "Die Situation"


Von WZ-Redakteur Thomas Seifert aus Syrien

An der Oberfläche ist in Damaskus alles ruhig. Die Cafes sind voll, Menschenmassen wälzen sich durch die engen Gassen der Altstadt. Einzig schwer bewaffnete Checkpoints lassen den Ausnahmezustand erkennen.


Auch in Damaskus kann "die Situation" nicht verborgen werden.

Auch in Damaskus kann "die Situation" nicht verborgen werden.APAweb / Reuters, Sana Auch in Damaskus kann "die Situation" nicht verborgen werden.APAweb / Reuters, Sana

"Let us shape the future together – not wait for it", "Lasst uns die Zukunft gemeinsam gestalten und nicht darauf warten". Das steht auf einem Plakat zu lesen, das vor dem Bauplatz des Massar Discovery Center in Damaskus angebracht ist. Das Zitat stammt vom syrischen Präsidenten Bashar al Assad, er ist auch überlebensgroß auf dem Plakat zu sehen. 2013 sollte das Kindermuseum in Gestalt einer Rose fertig sein. Die Arbeit ruht, die abgewinkelten Stahlbetonträger recken wie die Finger einer sehnigen Hand in die Höhe. Die Zukunft: Seit März 2011 liegt die Gestaltung des Morgen und Übermorgen in Syrien nicht mehr allein in Bashar al-Assads Händen: Die Gewalt im Land eskaliert, bewaffnete Milizen und radikalislamische Terror-Gruppen mit al-Qaida-Verbindungen sind in immer blutigeren, erbitterteren Rebellion gegen das Regime.

Die Reise im Taxi von der nur 109 Kilometer entfernt liegenden Hauptstadt Damaskus erwies sich als zeitraubend, insgesamt dauerte der Trip über sechs Stunden. Lange Wartezeiten an den Grenzen, fünf Checkpoints waren am Weg zu passieren. Zweimal hieß es, Koffer und Rucksack auspacken. "What is this?" – "Externe Festplatte". "And this?" – "Tripod", das Stativ erregte besondere Aufmerksamkeit.

Wenn man in der Altstadt von Damaskus in diesen wunderschönen Sommertagen spazieren geht, merkt man davon freilich nur wenig. Die Cafés und Bars sind voll mit Backgammon-Spielern, in einem der beliebten, schicken Altstadt-Bars sitzt eine Gruppe von fünf jungen Frauen und raucht Nargile, also Wasserpfeife. Süßlicher Apfelduft erfüllt den Raum, eine der jungen, gestylten Damen sitzt gebannt über ihrem iPad. Die fünf jungen Frauen gehören eindeutig der Oberschicht an. Was wohl in den Köpfen der Jeunesse Dorée von Damaskus vorgeht?

Untertags scheint in der Altstadt von Damaskus das Leben normal zu verlaufen.

Untertags scheint in der Altstadt von Damaskus das Leben normal zu verlaufen.APAweb / EPA Untertags scheint in der Altstadt von Damaskus das Leben normal zu verlaufen.APAweb / EPA

Erst wenn man Nächtens noch einmal das Haus verlässt, wird einem der Ausnahmezustand vor Augen geführt. Abends sitzen nämlich Grüppchen von mit Pump-Gun und Kalaschnikow-Sturmgewehren bewaffneten Männern an der Straßenecke und fragen nach dem Pass: "Sorry, sorry, but you must understand. The situation…", sagt ein mit einem roten T-Shirt und Jeans bekleideter Zivilpolizist. Ich soll lieber nach Hause gehen, vor ein paar Tagen sei nicht weit von hier eine Bombe hochgegangen. Der Mann ist ausnehmend höflich, aber bestimmt. Ich möge verzeihen, verstehen, aber so sei eben die Situation. Sporadisch hört man ein dumpfes Grollen, da kein Wölkchen am Himmel ist, handelt es sich eher nicht um ein Gewitter. Granatwerfer? Artillerie? Eine Autobombe, die hochgegangen ist?




Schlagwörter

Syrien-Blog, Globalist, Syrien

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-05 10:04:48
Letzte Änderung am 2012-09-06 20:04:45


Beliebte Inhalte



Dr. Ernest G. Pichlbauer ist unabhängiger Gesundheitsökonom und Publizist.
  • Alle wissen es: Die Ausbildung für Jungärzte - Turnus genannt - ist schlecht. Turnusärzte sind Systemerhalter, mehr nicht...
  • weiter

Reinhard Göweil Demokratisch zustande gekommene Gesetze sind die Basis des funktionierenden Rechtsstaates. Der Gesetzwerdungsprozess im Parlament ähnelt manchmal dem...weiter

Dietmar Aluta-Oltyan. - apa Dietmar Aluta-Oltyan war über Jahrzehnte, um es branchenspezifisch zu beschreiben, die tragende Säule des Alpine Konzerns...weiter

Gute Noten machen Freude - heute werden sie laut Experten leichter vergeben als noch vor zehn Jahren. - apa/Jaeger Robert
  • "Notendumping" ruiniert das Niveau der schulischen Ausbildung.
  • weiter

Walter Hämmerle. Wie soll eine liberale Demokratie - angenommen, bei Österreich handelt es sich um eine solche - mit Demonstranten umgehen...weiter

Bernd Wiegand konnte es nur falsch machen. Er hatte keine andere Chance. Bernd Wiegand - das ist der Oberbürgermeister von Halle an der Saale...weiter

Walter Hämmerle. Österreich zieht seine 380 am Golan stationierten UNO-Soldaten ab. Dem internationalen Ansehen des Bundesheeres wird damit ein Bärendienst erwiesen...weiter

Walter Hämmerle. Sollte neben den Fidschi-Inseln tatsächlich auch das blockfreie Schweden, das ebenfalls gegen die Aufhebung des EU-Waffenembargos für Syrien kämpfte...weiter

Reinhard Göweil Die entspannteren Internet-Benutzer schrieben E-Mails an den US-Geheimdienst NSA, er möge ihnen doch die leider vergessenen Bankomat-Passwörter...weiter

Lukas Daniel Klausner, Mitglied im Bundesvorstand der Piratenpartei
  • Ausufernde und intransparente Überwachung bringt unsere Gesellschaft an einen Scheidepunkt.
  • weiter




Werbung




Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung