• vom 20.11.2015, 14:10 Uhr

Der Kritische Punkt

Update: 26.01.2017, 12:06 Uhr

Wintersport

Sechs Springer, fünf Länder




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Von Matthias Winterer

  • Die Zeit der Serien-Gesamtweltcupsieger im Skisprung scheint endgültig vorbei zu sein.

Ein Bild, drei Gesamtweltcupsieger: Kamil Stoch, Gregor Schlierenzauer und Anders Bardal im Jänner 2013.

Ein Bild, drei Gesamtweltcupsieger: Kamil Stoch, Gregor Schlierenzauer und Anders Bardal im Jänner 2013.© APA / Gindl Barbara Ein Bild, drei Gesamtweltcupsieger: Kamil Stoch, Gregor Schlierenzauer und Anders Bardal im Jänner 2013.© APA / Gindl Barbara

Die Gewinner der vergangenen sechs Skisprung-Weltcups heißen der Reihe nach Simon Ammann, Thomas Morgenstern, Anders Bardal, Gregor Schlierenzauer, Kamil Stoch und Severin Freund. Sechs verschiedene Springer aus fünf verschiedenen Nationen also. Wäre da kein kaputter Reißverschluss am Sprunganzug Schlierenzauers beim Skifliegen am Kulm in der Saison 2011/2012 gewesen, würde die Liste zwar ein bisschen weniger, aber immer noch sehr vielfältig aussehen.

Die Zeit der Serien-Gesamtweltcupsieger ist vorbei. Sprang sich der schnauzbärtige Adam Malysz in der ersten Hälfte der 2000er Jahren noch mit drei  Gesamtweltcupsiegen in Folge zum polnischen Nationalhelden, ist eine derartige Konstanz gegenwärtig kaum noch möglich. Klingt seltsam, wenn man bedenkt, welche Namen sich unter diesen sechs Springern befinden. Der Routine Simon Ammann ist mit vier Goldmedaillen immerhin der erfolgreichste Skispringer bei olympischen Spielen überhaupt. Gregor Schlierenzauer gewann mit 25 Jahren mehr Weltcupbewerbe als irgendjemand seiner Zunft. Mit 53 Siegen hat er schon jetzt Skisprunggott Matti Nykänen um sieben abgehängt. Gemeinsam mit dem umtriebigen Finnen wird er vom internationalen Expertentum auch einhellig als bester Springer in der Geschichte des Sports genannt.


Neue, alte Namen

Trotzdem würde wohl niemand ein Vermögen auf Schlierenzauer wetten. Seit der Einführung der neuen Bindungen - die es einem größeren Springerfeld ermöglicht, schneller, flacher und reibungsloser abzuspringen – und der hautengen Anzüge, ist Skispringen sensibler geworden, das Feld der möglichen Weltcupsieger breiter. Wer in der kommenden Weltcupsaison vorne mitredet, wird man spätestens zum Auftakt der Vierschanzentournee Ende Dezember sagen können.

Mit den ersten beiden Springern des Sommer-Grand-Prix 2015 wird aber auf alle Fälle zu rechnen sein. Der 25-jährige Japaner Kento Sakuyama und der 26-jährige Norweger Kenneth Gangnes sind keine ganz neuen Gesichter, keine milchbubigen Senkrechtstarter. Beide hatten schon kurze Auftritte im Weltcup, konnten allerdings nicht vollends überzeugen. Vergangen Sommer dürfte ihnen jedoch der sprichwörtliche Knopf aufgegangen sein. Aber auch der Gewinner des Vorjahrs, der Deutsche Severin Freund, konnte im Sommer zweimal siegen. Seit wenigen Jahren scheint es ihm sogar zu gelingen, schön aufzuspringen. Eines der stärksten Teams hat wahrscheinlich Slowenien. Jurij Tepes, Robert Kranjec und natürlich Peter Prevc haben alle das Zeug den Weltcup zu gewinnen, sind aber vor allem heiße Anwärter auf den Weltmeistertitel im Skifliegen, um den im Jänner am Kulm im österreichischen Bad Mitterndorf gerittert wird. Immerhin sind schon alle drei weit über die 240-Meter-Marke gesprungen.

Am Ende ist immer alles anders

Unter den Österreichern scheint die Dichte an Siegspringern in den letzten Jahren etwas abzunehmen. Nach einer eher enttäuschenden Saison, meldete sich Schlierenzauer bei seinem einzigen Antreten im heurigen Sommer Grand Prix im oberösterreichischen Hinzenbach lauthals zu zurück. Mit 96 Metern übersprang er den alten Schanzenrekord und siegte souverän. Auch Stefan Kraft gewann im vergangenen Sommer einmal in Almaty (Kasachstan).

Wer nun tatsächlich gewinnen wird, ist nicht vorhersehbar. Es gibt keinen Favoriten und am Ende ist sowieso wieder alles anders. Aber genau das macht diesen Sport - neben einer Vielzahl anderer Faktoren - auch so spannend. Die 31 Einzelwettbewerbe des anstehenden Winters werden zeigen ob sich wieder ein neuer Name in die Liste der Gewinner des Weltcups schreiben wird.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-11-20 14:21:39
Letzte nderung am 2017-01-26 12:06:49













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