• vom 23.04.2012, 13:10 Uhr

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Update: 25.04.2012, 12:58 Uhr

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Sind die "Kampfradler" los? Und: Was soll das überhaupt heißen?




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Von Matthias Bernold

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  • Gesetzesverstöße sind oft ein Hinweis auf überkommene Verkehrsregeln und mangelhafte Radinfrastruktur.

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Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".

Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".© Wiener Zeitung Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".© Wiener Zeitung

In Deutschland wird derzeit über disziplinlose Radfahrerinnen diskutiert. In Österreich kommen im Zuge steigender Fahrradzahlen ähnliche Argumente auf den Tisch. Wie viel ist dran an der angeblichen Gefährdung durch Rad-Rüpel? Wo handelt es sich um bloße Stimmungsmache seitens der Auto-Lobby? Und wo braucht es wirklich mehr Disziplin unter den Radfahrern?

In Deutschland, wo sogar die Porsche- und Mercedes-Stadt Stuttgart Maßnahmen zur Einschränkung des Autoverkehrs wie eine City-Maut andenkt und die Stadtverwaltung einen Rad-Anteil von 20 Prozent anstrebt, schlüpfte jüngst der deutsche Bundesminister Peter Ramsauer (CSU) in die Rolle des Anklägers gegen "verrohte Kampf-Radler". In Interviews forderte der Minister unter Berufung auf seine eigene Wahrnehmung, dass Deutschland gegen rüpelhafte Fahrradfahrer vorgehen müsse: Er habe beobachtet, "wie Radler unter den Augen von Polizisten rote Ampeln und jede Verkehrsregel missachten". Es ist ein Phänomen: Wer sich dafür stark macht, den öffentlichen Raum neu aufzuteilen, die Dominanz der Autos auf den Straßen einzuschränken und Straßen lebensfreundlicher zu gestalten, dem hält bald irgendjemand das Argument fehlender Disziplin von Radfahrern entgegen. Das ist in Deutschland so, und es ist in Österreich nicht anders.


Als ich jüngst im Wiener Journal in einem Artikel mit dem Titel "Platz da! Jetzt kommen wir Radfahrer" mehr Raum für Radler forderte, trudelten unter zahlreichen wohlmeinenden bald auch einige negative Reaktion ein: Wiener Zeitung-Leser Peter D. etwa postulierte in seinem Schreiben: "Würden sich Autofahrer im Straßenverkehr so benehmen wie Radfahrer, gäbe es über 500 Verkehrstote - aber nicht pro Jahr, sondern pro Tag". Ich möchte den Ball, den mir Herr D. zugespielt hat, aufgreifen, und dazu folgende Anmerkungen machen:

1. Ablenkung

Selbst wenn man eingestehen muss, dass sich unter Radfahrern - wie unter allen anderen Verkehrsteilnehmern auch – Rüpel finden, halte ich die Debatte um "Kampfradler" doch für eine, die vom Wesentlichen ablenkt: Von der Frage nämlich, wie wir den öffentlichen Raum neu verteilen. Auch ich ärgere mich, wenn mir Radfahrer auf dem Trottoir begegnen. Weil es nämlich unnötig ist und nur für böses Blut sorgt. Umso mehr, wenn diese Leute rücksichtslos unterwegs sind und andere Verkehrsteilnehmer "gefährden". Gefährden setze ich in diesem Zusammenhang allerdings in Gänsefüßchen. Warum? Weil diese Gefahr nicht mit jener durch Kfz vergleichbar ist. Von einem Kfz angefahren oder überfahren werden, bedeutet nämlich: Höchste Wahrscheinlichkeit einer schweren oder tödlichen Verletzung. Gefahr für Fußgänger, für Fahrradfahrer und übrigens auch für Autofahrer, das zeigt uns die Unfallstatistik, geht vom Auto und von den Autofahrern aus. Punkt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-04-20 13:10:56
Letzte Änderung am 2012-04-25 12:58:26


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