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Update: 17.05.2012, 14:14 Uhr

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Mikael Colville-Andersen: "Die Bewegung begann mit Mädchen, die im Rock Rad fahren"




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Von Matthias Bernold

  • Der dänische Fahrrad-Guru im Gespräch:



"Wenn mir jemand 2006 gesagt hätte, dass ich heute hier sitzen würde mit einem veröffentlichten Buch in meinen Händen, vor einem Haufen Journalisten, Fotografen und einem Fernseh-Team, dann hätte ich ihm mit ziemlicher Sicherheit geantwortet, er sei komplett durchgeknallt", sagt Mikael Colville-Andersen.

Der dänische Filmemacher und Fotograf hatte damals keine Ahnung, dass sich sein Blog CycleChic, auf den er anfangs bloß Fotos von Radfahrern in modischen Alltagskleidern stellte innerhalb von fünf Jahren zu einem der meist-beachteten Fahrradblogs entwickeln und eine weltweite Bewegung starten sollte. Heute Abend präsentiert Colville-Andersen seinen demnächst auf Deutsch erscheinenden Foto-Band im Wiener Fahrradhaus. Für Journalisten gab es heute Vormittag (16. Mai) eine Pressegespräch, in dessen Verlauf sich Colville-Andersen über das Fahrradfahren in Wien, die Sicherheit auf den Straßen, Aggression zwischen Autofahren und Radlern und die revolutionäre Kraft des Internet äußert.

"Als ich das erste Foto eines Mädchens, das im Rock Rad fuhr veröffentlicht habe, sind aus den USA die wunderlichsten Reaktionen gekommen: Ist das überhaupt möglich?, haben die mich gefragt."

Dass man modisch sein und dennoch mit dem Rad unterwegs sein kann, sei – nach Jahrzehnten, in denen das Fahrrad ausschließlich als Sportgerät beworben wurde – eine Sensation gewesen. Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt sahen sich Colville-Andersens Fotos an, der Blog breitete sich – gleich einem Franchise-Unternehmen - aus: Heute operieren 200 Blogs unter der Dachmarke Cycle Chic. In Wien unter der Adresse http://viennacyclechic.at/ "Dank der Kraft des Internet und der ungeheuren Verbreitung, die dadurch möglich wurde, ist das Fahrrad zu einem Lifestyle-Instrument geworden", sagt Colville-Andersen: "Heute verwendet jedes Modeunternehmen Fahrrädern als Image-Träger: Egal, ob Chanel oder Luis Vuitton – alle zeigen Fahrräder."

Die steigende Popularität dieser Mode-Blogs ging einher mit dem steigenden Bewusstsein in europäischen Städten, dass man mehr auf das Fahrrad setzen müsste, um die Lebensqualität im urbanen Raum zu erhöhen. Colville-Andersen wandelte sich vom Modefotografen, der sich auf ein Motiv spezialisiert hatte, immer mehr zum Botschafter einer Fahrradarchitektur nach Vorbild Kopenhagens. Auf der Webseite www.copenhagenize.com bearbeitet er Themen wie Städtebau und Radverkehrsplanung, hinterfrägt den Nutzen der Helmpflicht (nach seinem Dafürhalten – wie er anhand von Experten und Statistiken überzeugend erläutert: kontraproduktiv) oder beleuchtet die Rolle der Automobilindustrie in ihrem Bestreben, den Radverkehr klein zu halten.

Auch vor dem Hintergrund steigender Ölpreise und des Klimawandels ist Colville-Andersen inzwischen zum Berater von Stadtregierungen avanciert. Gefragt, welche Unterschiede ihm beim Radfahren in Wien aufgefallen seien, antwortet Colville-Andersen prompt: "Wenn du in Kopenhagen unterwegs bist, dann verlaufen die Radwege eindeutig. Sie ändern sich nicht. Es ist super-easy, unterwegs zu sein. Da gibt es kein kompliziertes Zickzack, kein Wechseln zwischen Radstreifen, Radwegen, auf dem Gehsteig oder auf der Fahrbahn. In Wien – allein von der Innenstadt bis hin zu meinem Hotel im achten Bezirk, musste ich zwanzig Mal den Weg wechseln. Das ist nicht sehr fahrradfahrerfreundlich, wenn man ständig seinen Weg suchen muss".

Die Infrastruktur ist für den Dänen auch der Schlüssel, mehr Leute zum Radfahren zu motivieren. "Wenn die Wege für Radfahrer gut gemacht sind, dann werden sie auch benutzt und die Radfahrer halten sich ans Gesetz", sagt er. "Wenn sie schlecht sind, wenn auf die Radfahrer nicht Rücksicht genommen wird, dann fahren Leute bei Rot über die Kreuzung." In Kopenhagen etwa sind Radwege so geplant, dass die Radler mit einer moderaten Geschwindigkeit von 20 km/h auf einer grünen Welle dahin reiten. Rasen bringt ebenso wenig, wie bei Rot fahren. Denn bei der nächsten Kreuzung steht man wieder.

Dass es mit einem Anstieg der Radler zu einem Anstieg von Konflikten zwischen Motorisierten und Radfahrern kommt, ist für Colville-Andersen selbstverständlicher Nebeneffekt des Wandels: "Die Autofahrer nehmen wahr, dass sie im Stau stehen und von immer mehr Leuten überholt werden. Es ist wie wenn man in einer Schlange steht und die Nachbarschlange bewegt sich schneller." Nachsatz: "Da würde ich mich auch ärgern und aggressiv werden". Allerdings: Es werde ja niemand dazu gezwungen, privat mit dem Auto in der Stadt unterwegs zu sein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-05-16 13:01:55
Letzte Änderung am 2012-05-17 14:14:52


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