• vom 13.06.2012, 08:05 Uhr

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Good Magazine: Warum immer mehr US-Amerikaner aufs Auto verzichten




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Von Matthias Bernold


    Wer sich angesichts des peinlichen Abwehrkampfes gegen die Parkraumbewirtschaftung, den ÖVP und FPÖ mit Hilfe der Autofahrerclubs in Wien dieser Tage inszenieren, vor Schmerz über so viel Ignoranz an den Kopf greift, dem sollen diese Zeilen als Linderung dienen: Im globalen Kontext nämlich stecken die reaktionären Betonköpfe in der Sackgasse. Nach Jahrzehnten der Automobilkultur, nach der krebsgeschwürhaften Ausbreitung von Straßeninfrastruktur, der Verspeckgürtelung, der Verschmutzung mit Abgasen und Lärm, Verparkung und der Zersiedelung zeigt sich derzeit ein erfreulicher Trend weg vom Automobil. Städteplaner sind sich einig: Wer Lebensqualität in den Städten schaffen will, muss den Autofahrern Raum nehmen und sie zum Umstieg auf alternative Transportformen ermuntern. Wie sich autofreies Lebensgefühl selbst in den USA immer weiter verbreitet, beschreibt dieser feine Artikel im amerikanischen Good Magazine:

    "Recent studies (zitiert wird eine Studie der Universität von Michigan. Anm.) show that American teenagers are far less likely to have their drivers’ licenses than their counterparts thirty years ago, and the trendcontinues to a lessening degree through the 20-something cohort. Today only 22 percent of drivers are under 30, down from a third in 1983."
    Weil es in vielen Landstrichen der USA aufgrund der jahrzehntelangen Automobil-Orientierung unmöglich ist, ohne Kfz von A nach B zu kommen, zögen junge Amerikaner nun vor allem in jene Städte, wo es ein System öffentlicher Verkehrsmittel gibt, wo man Rad fahren und/oder zu Fuß gehen kann. Immobilienmakler verzeichnen ein gesteigertes Interesse an Wohnvierteln, die das zu-Fuß-Gehen ermöglichen.

    Alles nur eine Folge der Rezession?

    Good wirft die Frage auf, ob sich die Einstellung der Leute geändert hat, oder ob dies alles nur eine Folge der Rezession ist.
    "Business Insider posits a strong link between this data and the recession: As unemployment goesup, Americans drive less—because many of them suddenly don’t have work to drive to, or because they simply can’t afford to maintain a car."

    Aber: Ganz so einfach sei es nicht. Der Zusammenhang zwischen mehr Geld und mehr zurückgelegten Autokilometern lasse sich nämlich inzwischen nicht mehr nachweisen. Kurz gesagt, zeige sich folgendes Muster: Wenn sie weniger Geld verdienen, steigen die Menschen auf Rad und Bus um. Allerdings: Selbst wenn sie später wieder mehr verdienen, klemmen sie sich nicht wieder hinter das Lenkrad...

    "An April study by the U.S. Public Interest Research Group found that between 2001 and 2009 the average annual vehicle miles traveled by Americans ages 16 to 34 fell by close to a quarter, from 10,300 to 7,900 per capita (four times greater than the drop among all adults), and from 12,800 to 10,700 among those with jobs. At the same time, the amount of bicycling, walking, and public transit ridership increased. And these trends aren’t just among broke millennials. There was an 100 percent increase in public transit usage among young people with incomes over $70,000."

    Die zitierten Forscher glauben, einen Bewusstseinswandel "value shift"  zu erkennen, der - ausgehend von den heute 20- bis 30-Jährigen langsam auf die gesamte Gesellschaft übergreift.


    "Perhaps Millennials have soured not only on the price of cars, gasoline, and upkeep—but also on the hassles of parking, the drudgery of traffic, and the negative effect cars have on urban life, air quality, and personal wellbeing. Or as Michael Hagerty, an auto journalist, wrote  for AlterNet last month, many Millennials (Bezeichnung für jene Generation, die im Jahr 2010 zwischen 20 und 30 Jahre alt war. Anm.) are "just plain sick of driving after spending 16 to 20 years with Suburbans strapped to their asses several hours a day."




    Schlagwörter

    Good Magazine, ÖAMTC, Auto, FPÖ, ÖVP, Fahrrad, Wien

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    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
    Dokument erstellt am 2012-06-12 10:05:43
    Letzte Änderung am 2012-06-12 11:12:19


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    Victor Noir war ein französischer Journalist und Gegner Napoleon Bonapartes. Er wurde <span class="st">1870 </span>von Prinz Pierre Napoleon Bonaparte, einem Großneffen Napoleon Bonapartes, erschossen. Die FPÖ-Abgeordneten zeigten sich bei der Plenartagung 20.-23. Oktober im EU-Parlament mit nichts einverstanden. Sie stimmten etwa gegen die neue EU-Kommission (wie auch die Grünen), gegen Nachbesserungen für den Haushalt von 2014 oder auch gegen den Budgetentwurf für 2015. Zudem sprachen sich die FPÖ-Vertreter im Gegensatz zu den Parlamentariern von ÖVP, SPÖ, Grüne und Neos auch dagegen aus, dass der zollfreie Zugang für Waren aus der Ukraine in den EU-Markt verlängert wird - womit die Bruchstellen in der heimischen Politik in der Ukraine-Krise sichtbar wurden.

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