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Update: 20.06.2012, 17:21 Uhr
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Bücher für den Fahrradsommer


Von Matthias Bernold

Bert van Radau: Wer steckt hinter dem Pseudonym?

Bert van Radau: Wer steckt hinter dem Pseudonym? Bert van Radau: Wer steckt hinter dem Pseudonym?

Sommerzeit ist Lesezeit. Wem dieser Tage
zu heiß zum Radfahren ist, kann seine Reise einfach im Kopf fortsetzen. Zuletzt sind nämlich einige besonders spannende Bücher erschienen, die sich der Tätigkeit widmen, die dem – wie der amerikanische Naturforscher Louis J. Halle es nannte – "Flug der Vögel am nächsten kommt".

Bert van Radau: Blech

Im Buch "Blech" erzählt Bert van Radau (der Autor schreibt und tweetet unter Pseudonym) die Geschichte einer Gruppe von Fahrradboten in Köln, die sich selbst "Beißer" – nach einer lautmalerischen Ableitung des englischen Wortes Bicyle für Fahrrad – nennen. Beißer sein bedeutet, erklärt der Protagonist Heinz, sich ganz dem Kampf gegen das "Blech", also Autos, Flugzeuge und alle Formen des umweltschädlichen Transports zu verschreiben und sich ausschließlich durch Muskelkraft fortzubewegen. Wenn die Beißer gerade einmal nicht Pakete zustellen und sich dabei gegen motorisierte Kuriere, freilaufende Hunde oder Radwegverparker durchsetzen, verteidigen sie ein Naturschutzgebiet am Rhein gegenüber motorisierten Eindringlingen. Eines Tages stellen die bösen Auto-Kuriere rund um deren BossDanny Speck den Beißern allerdings eine Falle...

Fazit: "Blech" ist gleichermaßen Krimi wie Kampfschrift

gegen das Auto, "das uns mit seinem Gestank, mit seinem Lärm und seiner Geschwindigkeit, die es zur tödlichen Waffe macht, umbringt". Kurzweilig und ziemlich radikal.

Bert van Radau: Blech, Edition Octopus 2011, 186 S., ISBN

978-3-86991-367-4, € 11,50-


Uwe Mauch: Ausgenommen Radfahrer

Weniger Kampfschrift als Ode an die Freuden des Radfahrens stellt das Buch des langjährigen Kurier-Journalisten Uwe Mauch dar. "Vor dem Aufzug des Bürogebäudes erkennt man sie sofort", schreibt Mauch: "Jene, die den Tag auf der Straße im Stau begonnen haben; jene, die soeben den Katakomben der U-Bahn entstiegen sind; und jene, deren leuchtende Backerln Berührung mit den Elementen signalisieren." Mauch liefert weiters eine Zusammenschau der Wiener Radszene und lässt Wiens prominenteste Radfahrer zu Wort kommen: Unter anderen Regisseur Kurt Palm, Radwege-Koordinator Franz Blaha oder Radsammler Michael Embacher. Dazwischen gibt’s zarte Kritik an der Verkehrsplanung, die einen mitunter zu Überschreitungen zwinge: "Ganz schlimm ist es weiterhin mit den Radwegen auf der Ringstraße bestellt. Dort lässt man seit Jahren die Radfahrer nicht einfach nur im Kreis fahren, dort hat man ihnen zig Schikanen und zusätzliche Ampeln eingebaut."
Fazit: Lesenswert. Auch die

Fotos von Mario Lang und Christine Wurnig sind gut

Uwe Mauch: Ausgenommen Radfahrer: Auf zwei Rädern durch

den Wiener Großstadtdschungel, Metroverlag 2011, ISBN 978-3993000448,  € 14,90, 93 Seiten

David Byrne: Bicycle Diaries

Im Jänner 2012 erschien die deutsche Fassung von David
Byrnes
Buch Bicycle Diaries. Der Frontman der Popgruppe Talking Heads fasst darin seine Notizen über jene Orte zusammen, an die es ihn im Lauf seiner mehr als 30-jährigen Musikerkarriere verschlug. Byrne machte es sich beizeiten zum Hobby, die Städte per Fahrrad zu erkunden. Seine Touren bilden die Klammer für die Analysen kultureller Besonderheiten. "Da gibt es keine Wildheit, kein Chaos, nichts Schräges, weder hier noch sonst wo in Europa", schreibt er etwa
über Berlin: "Der Mensch ist in Kontrolle und hat die Natur an ihren Platz
verwiesen." Manchmal wie ein Journalist, manchmal wie ein Anthropologe und bisweilen wie ein Dichter geht Byrnes den lokalen Geheimnissen auf den Grund.

Etwa, wenn er das sterbende Detroit erradelt, das Mausoleum des philippinischen Diktators Ferdinand Marcos in Batac besucht, oder Melbourne durchstreift, das - wie er darlegt - nach den Plänen des dänischen Städteplaners Jan Gehl Fahrrad- und lebensfreundlicher gemacht wurde.

Fazit: Die Bicycle Diaries sind eine Art Reiseführer samt

mal mehr mal weniger origineller Gedanken. Jedenfalls ein Beweis, dass man überall in der Welt mit dem Rad unterwegs sein kann.

David Byrne: Bicycle Diaries,

€ 19,95, Fischer 2012, 978-3100044167, 363 S.

Edward Glaeser: Triumph of the City

Mit der Frage, was den Erfolg oder Misserfolg von Städten

ausmacht, befasst sich der Harvard-Ökonom Edward Glaeser in "Triumph of the City". Er vergleicht Großstädte wie Rio de Janeiro, Kinshasa, Vancouver, Detroit und London. Seine These dabei: Städte seien nicht nur Orte der Begegnung, sondern auch die Motoren von Innovation und Fortschritt. Damit sie als Zentren der Lebensqualität funktionieren, plädiert Glaeser dafür, das Grün in die Städte zu holen, den öffentlichen Verkehr auszubauen und auf umweltfreundliche Mobilität wie das Fahrradfahren zu setzen. Außerdem empfiehlt
Glaeser hohe Steuern auf Benzin, Parkraumbewirtschaftung und City Maut. "Menschen, die in der Vorstadt leben wollen, sollen dies tun", schreibt er: "Aber sie sollten die wahren Kosten dafür tragen".

Fazit: ein absolutes Must-Read für alle, die sich für

Städteplanung interessieren. Spannender kann ein Sachbuch nicht sein.

Edward Glaeser: Triumph of the City – How Our Greatest

Invention MAkes Us Richer, Smarter, Greener, Healthier and Happier, The Penguin Press 2011, ISBN 978-1-59420-277-3, € 18,95

Klaus Gietinger: Totalschaden: Das Autohasserbuch

Der Klassiker unter den Kfz-kritischen Büchern. Klaus Gietingers Buch ist gleichermaßen brillante Polemik und gut recherchierte Zusammenfassung aller Fakten, die einem die Absurdität des Autofahrens vor Augen führen. Für den deutschen Sozialwissenschaftler und Filmemacher ist das Auto nicht weniger als die "größte Massenvernichtungswaffe aller Zeiten": Eine Technologie, der seit Beginn der Motorisierung weltweit 42 Millionen Menschen zum Opfer fielen und die den öffentlichen Raum beherrscht. Das Auto – so Gietinger - sei eine "Seuche wie HIV oder die Pest", "ein Virus, das sich unaufhaltsam verbreitet und die Menschen befällt".

Fazit: Polemisch, pointiert,

furchtlos. Kann Augen öffnen.

Klaus Gietinger: Totalschaden - das Autohasserbuch,

Westend 2010, € 16,95, ISBN 978-3938060476

Mikael Colville-Andersen: Cycle Chic

Mit Fotos schöner Menschen auf schönen Fahrrädern
startete der dänisch-kanadischen Filmemacher und Fotograf Mikael Colville-Andersen (hier ein Bericht seines Wienbesuchs im Mai) vor einigen Jahren - ohne es geplant zu haben - eine weltweite Bewegung. Sein Blog http://www.copenhagenize.com/ und das  (soeben auf deutsch erschienene) Foto-Buch zeigen die sonnigen Seiten des Radfahrens und die damit verbundene Lebenslust. Inzwischen operieren Dutzende Fotografen in Städten auf der ganzen Welt und propagieren
das dänische Modell lebensfreundlicher Städte, in denen Fahrräder und Fußgänger Vorrang haben.

Fazit: Wer Inspiration sucht, modischer durchs Leben zu

strampeln, der ist hier genau richtig.

Mikael Colville-Andersen: Cycle Chic, Prestel 2012, 285

S., € 14,95, ISBN 978-0500516102




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-20 16:22:59
Letzte Änderung am 2012-06-20 17:21:10


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