
Sommerzeit ist Lesezeit. Wem dieser Tage
zu heiß zum Radfahren ist, kann seine Reise einfach im Kopf fortsetzen. Zuletzt sind nämlich einige besonders spannende Bücher erschienen, die sich der Tätigkeit widmen, die dem – wie der amerikanische Naturforscher Louis J. Halle es nannte – "Flug der Vögel am nächsten kommt".
gegen das Auto, "das uns mit seinem Gestank, mit seinem Lärm und seiner Geschwindigkeit, die es zur tödlichen Waffe macht, umbringt". Kurzweilig und ziemlich radikal.
Bert van Radau: Blech, Edition Octopus 2011, 186 S., ISBNFotos von Mario Lang und Christine Wurnig sind gut
Uwe Mauch: Ausgenommen Radfahrer: Auf zwei Rädern durchden Wiener Großstadtdschungel, Metroverlag 2011, ISBN 978-3993000448, € 14,90, 93 Seiten
Im Jänner 2012 erschien die deutsche Fassung von David
Byrnes Buch Bicycle Diaries. Der Frontman der Popgruppe Talking Heads fasst darin seine Notizen über jene Orte zusammen, an die es ihn im Lauf seiner mehr als 30-jährigen Musikerkarriere verschlug. Byrne machte es sich beizeiten zum Hobby, die Städte per Fahrrad zu erkunden. Seine Touren bilden die Klammer für die Analysen kultureller Besonderheiten. "Da gibt es keine Wildheit, kein Chaos, nichts Schräges, weder hier noch sonst wo in Europa", schreibt er etwa
über Berlin: "Der Mensch ist in Kontrolle und hat die Natur an ihren Platz
verwiesen." Manchmal wie ein Journalist, manchmal wie ein Anthropologe und bisweilen wie ein Dichter geht Byrnes den lokalen Geheimnissen auf den Grund.
Etwa, wenn er das sterbende Detroit erradelt, das Mausoleum des philippinischen Diktators Ferdinand Marcos in Batac besucht, oder Melbourne durchstreift, das - wie er darlegt - nach den Plänen des dänischen Städteplaners Jan Gehl Fahrrad- und lebensfreundlicher gemacht wurde.
Fazit: Die Bicycle Diaries sind eine Art Reiseführer samtmal mehr mal weniger origineller Gedanken. Jedenfalls ein Beweis, dass man überall in der Welt mit dem Rad unterwegs sein kann.
David Byrne: Bicycle Diaries,€ 19,95, Fischer 2012, 978-3100044167, 363 S.
ausmacht, befasst sich der Harvard-Ökonom Edward Glaeser in "Triumph of the City". Er vergleicht Großstädte wie Rio de Janeiro, Kinshasa, Vancouver, Detroit und London. Seine These dabei: Städte seien nicht nur Orte der Begegnung, sondern auch die Motoren von Innovation und Fortschritt. Damit sie als Zentren der Lebensqualität funktionieren, plädiert Glaeser dafür, das Grün in die Städte zu holen, den öffentlichen Verkehr auszubauen und auf umweltfreundliche Mobilität wie das Fahrradfahren zu setzen. Außerdem empfiehlt
Glaeser hohe Steuern auf Benzin, Parkraumbewirtschaftung und City Maut. "Menschen, die in der Vorstadt leben wollen, sollen dies tun", schreibt er: "Aber sie sollten die wahren Kosten dafür tragen".
Städteplanung interessieren. Spannender kann ein Sachbuch nicht sein.
Edward Glaeser: Triumph of the City – How Our GreatestDer Klassiker unter den Kfz-kritischen Büchern. Klaus Gietingers Buch ist gleichermaßen brillante Polemik und gut recherchierte Zusammenfassung aller Fakten, die einem die Absurdität des Autofahrens vor Augen führen. Für den deutschen Sozialwissenschaftler und Filmemacher ist das Auto nicht weniger als die "größte Massenvernichtungswaffe aller Zeiten": Eine Technologie, der seit Beginn der Motorisierung weltweit 42 Millionen Menschen zum Opfer fielen und die den öffentlichen Raum beherrscht. Das Auto – so Gietinger - sei eine "Seuche wie HIV oder die Pest", "ein Virus, das sich unaufhaltsam verbreitet und die Menschen befällt".
Fazit: Polemisch, pointiert,furchtlos. Kann Augen öffnen.
Klaus Gietinger: Totalschaden - das Autohasserbuch,Westend 2010, € 16,95, ISBN 978-3938060476
Mit Fotos schöner Menschen auf schönen Fahrrädern
startete der dänisch-kanadischen Filmemacher und Fotograf Mikael Colville-Andersen (hier ein Bericht seines Wienbesuchs im Mai) vor einigen Jahren - ohne es geplant zu haben - eine weltweite Bewegung. Sein Blog http://www.copenhagenize.com/ und das (soeben auf deutsch erschienene) Foto-Buch zeigen die sonnigen Seiten des Radfahrens und die damit verbundene Lebenslust. Inzwischen operieren Dutzende Fotografen in Städten auf der ganzen Welt und propagieren
das dänische Modell lebensfreundlicher Städte, in denen Fahrräder und Fußgänger Vorrang haben.
strampeln, der ist hier genau richtig.
Mikael Colville-Andersen: Cycle Chic, Prestel 2012, 285
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