
Seht her, so standhaft die Jeanne d'Arc der Josefstadt! Die Heroin, die Kämpferin, die Mutige. Stellt sich breit und unerschrocken vor ihre leidgesprüften Bürger! Bewahrt sie vor der drohenden Entmannung und schützt deren heiliges Vieh vor boshaftem Rot-Grün!
Mit der (vorläufigen) Verhinderung der radfreundlichen Straße (Pfeilgasse im Achten Bezirk) ist Bezirksvorsteherin Veronika Mickel wahrlich eine Großtat gelungen. Die Wiener ÖVP bleibt damit ihrer neuen Taktik treu, sich als Schutzherrin der Autofahrer in Szene zu setzen. Ganz im Gegensatz zu Parteikollegen in anderen Bundesländern (siehe etwa in Vorarlberg, siehe etwa in Tirol), wo sich herumgesprochen hat, dass Radfahren das Leben in Städten besser macht und wo seit langem Maßnahmen gesetzt werden, den Fahrradfahrerinnenanteil weiter zu heben.
Mit derlei erz-progressivem Gedankenkram geben sich weder Mickel noch deren Wiener Gesinnungsgenossinnen lange ab (wo sind die bunten Vögel in der Wiener Partei heute?). Stattdessen bedienen sie lieber die Kastrationsängste der Autofahrer. Sei es, indem suggiert wird: VORSICHT, IHR WERDET BALD NIRGENDO MEHR LANDEN KÖNNEN (Kurzparkzone) oder VORSICHT, RADFAHRER WERDEN BALD IMMER VORRANG HABEN, UND IHR ZIEHT TROTZ PENIS-VERLÄNGERUNG DEN KURZEN (Radstraßen).
Ein Glück für die bedauernsweite Gruppe derjenigen, die Autofahren als wichtigstes Menschenrecht betrachten, dass Mickel nicht die einzige verbliebene Kämpferin für ihr Anliegen ist: Gerade eben konnte dank des engagierten juristischen Einschreitens von ASFINAG und Autofahrerclubs der Versuch abgeschmettert werden, auf Autobahntoiletten Gebühren einzuführen.
Das wäre ja auch noch schöner, wenn man beim Autofahren sogar fürs Ludeln zahlen müsste! Wo kämen wir denn da hin? - mag sich so manche Autolenkerin gedacht haben - da könnte ich statt mit dem Auto ja gleich mit der Bahn fahren. (Bahnhofklos verrechnen ebenfalls eine Gebühr von 50 Cent.)
Für den Moment also darf sich das Kfz-Lager entspannen. Das Unheil ist abgewendet. Die Blech-Hoden bleiben (vorerst) dran...
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