• vom 27.07.2012, 17:00 Uhr

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Update: 27.07.2012, 17:41 Uhr

nummerntafeln

Häupl irritierte SPÖ-Radfreunde




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Von Matthias Bernold

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  • SPÖ-Bezirksrat Hanschitz: Kennzeichenpflicht Nein danke, aber: "Registrierung und Haftpflichtversicherung sinnvoll"

Wiens Bürgermeister Michael Häupl irritiert mit seinem "Nachdenken" über Nummerntafeln für Radfahrer nicht nur den grünen Koalitionspartner. Auch innerhalb der eigenen Partei stößt Häupl bei manchen auf Unverständnis. Armin Hanschitz, SPÖ-Bezirksrat in der Brigittenau und Initiator der SPÖ-Fahrradlobby Radfreunde erklärt, warum er mit Nummerntafeln für Radler gar nichts anfangen kann.

Was haben Sie sich gedacht, als Sie von Häupls Gedanken an eine Kennzeichenpflicht gelesen haben?

Wenn Kennzeichenpflicht heißt, dass Fahrräder Nummerntafeln tragen sollen, bin ich dagegen. Das gibt es nirgends in der Welt, es würde einen unsachgemäßen Verwaltungsaufwand und unnötige Kosten bedeuten. Außerdem erhöht es die Sicherheit nicht. Wenn es allerdings darum geht, Fahrräder zu registrieren – wie das bereits jetzt bei ARBÖ, ÖAMTC und bei der Polizei freiwillig möglich ist - und dies mit einer Haftpflichtversicherung für Radfahrer zu kombinieren, halte ich das sehr wohl für sinnvoll.

Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun...

Unser Ziel muss sein, dass die Sicherheit steigt, aber nicht der administrative Aufwand. Und diesen Zweck erfüllen Registrierung und Haftpflichtversicherung. Außerdem muss garantiert sein, dass die Einstiegshürde für das Radfahren so niedrig wie möglich bleibt.

Es scheint, als wären die Themen Mobilität und die Verteilung des Raums zwischen Fußgängern, Rad- und Autofahrern, der große Zankapfel in der rot-grünen Koalition. Wie wild wird darüber eigentlich innerhalb der SPÖ gestritten?

Prinzipiell sind sich alle einig, dass es Parkraumbewirtschaftung braucht. Es ist außerdem bemerkbar, in der Gesellschaft ebenso wie in den Parteien, dass Verkehr und Mobilität Zukunftsthemen sind. Immer mehr Menschen ziehen nach Wien, die Stadt wird in den nächsten Jahren beträchtlich wachsen. Wir stehen vor der Wahl: Entweder noch mehr Auto-Verkehr, noch mehr Stau, noch mehr Lärm, noch mehr Abgase. Oder aber wir überlegen uns Alternativen wie eben das Fahrrad. Da ist derzeit einiges in Bewegung.

Die Grünen gelten als die Radfahrer-Partei. Sind Sie so etwas wie das personifizierte Angebot der SPÖ an die Radfahrer?

Ich glaube, dass das Fahrrad an der Schnittstelle zwischen Rot und Grün angesiedelt ist. In vieler Hinsicht entspricht es sozialen und sozialdemokratischen Werten: Es ist kostengünstig, es ermöglicht auch denen Mobilität, die wenig Geld haben. Obendrein hat es alle Vorteile eines CO2-, eines Abgas und lärmfreien Fahrzeugs. Das verbessert die Wohnqualität in der Stadt.

Der Kurier schreibt in einem Artikel, Häupls Aussage käme als eine "Beruhigungspille" an die aufgebrachten Autofahrer. Ist da etwas dran?

Es ist leider so, dass die Stimmung angeheizt wird. Die Radfahrer sind in eine leidige Sicherheitsdebatte geschlittert. Und offensichtlich ist es so, dass sich manche Leute von Radfahrern gefährdet fühlen. Das ist eine subjektive Wahrnehmung, die man nicht wegdiskutieren kann.

Das subjektive Sicherheitsgefühl war auch die Begründung für den sinnfreien Assistenzeinsatz des Bundesheeres an der österreichischen Grenze...

97 Prozent der Radfahrer verhalten sich korrekt und gut. Und dann gibt es ein paar Prozent, die rabiat fahren, Wahrscheinlich sind es dieselben, die auch im Auto zu Rowdies werden. Ich glaube, wir müssen ein Bewusstsein auch unter den Radfahrern schaffen, dass man etwa nicht auf Gehsteigen fährt, nicht bei Rot über die Kreuzung und dass man auf Fußgänger Rücksicht nimmt. Da kann man schon einmal einen anderen Radfahrer ermahnen. Es ist einfach so: Als Radfahrer stehst du in der Auslage. Was du tust oder nicht tust, färbt auf das Image der Radfahrer ab.

Sie wissen sicher auch aus eigener Erfahrung, dass mangelhafte Radinfrastruktur, diskriminierende Ampelphasen oder benachteiligende Regeln Radfahrer zu Übertretungen ermuntern...

Ich sage auch nicht, dass wir nicht weiten Raum für Verbesserungsmöglichkeiten hätten. Auch in rechtlicher Hinsicht. Ich trete zum Beispiel dafür ein, dass Radfahrer – ähnlich wie in den USA alle Fahrzeuglenker- bei Rot rechts abbiegen können – wenn sie niemanden gefährden.

Werden Sie versuchen, auf die Politik Michael Häupls in der Frage Kennzeichenpflicht Einfluss zu nehmen?

Zum Thema Radverkehr habe ich eine qualifizierte Meinung und vertrete diese sowohl innerhalb der Partei als auch bei den Bürgerinnen und Bürgern oder sonst wo.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-07-27 17:01:23
Letzte Änderung am 2012-07-27 17:41:01


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