
Florian Lorenz, ökologischer Designer und Urbanitätsforscher, will Radfahren in China beliebter machen. Ein schwieriges Unterfangen. Denn die chinesische Gesellschaft entwickelt sich in die entgegen gesetzte Richtung. Schade: Denn nirgendwo wird das Rad kreativer genutzt als im Reich der Mitte.
Bis Ende der 1980er-Jahren war Peking so etwas wie ein Paradies für Radfahrer. In dichten Trauben durchzogen sie die Boulevards der chinesischen Metropole und prägten das Stadtbild. 1986 lag der Fahrradanteil im Straßenverkehr bei 63 Prozent. Zu einem Zeitpunkt als in Europa gerade einmal die Niederlande und Dänemark das Fahrradfahren für sich entdeckt hatten. Mit dem Wohlstand kam jedoch auch in China die Motorisierung. Der Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Strecken sank bis er heute in Peking bei geschätzten 16 bis 17 Prozent zu liegen kam. (Und damit immer noch rund drei mal so hoch wie in Wien.) Erst kürzlich sprach FAZ-Kolumnist Christian Geinitz von "Pekings letzten Radfahrern".
"In China ist das Rad inzwischen als Fahrzeug der armen Leute stigmatisiert und gegenüber dem motorisierten Verkehr zweitrangig", erklärt Florian Lorenz von der chinesischen Radler-NGO Smarter Than Car. Dabei sei die Verwendung des Fahrrades in China in vieler Hinsicht beispielhaft und könnte Europa als Inspirationsquelle dienen. "Meine These ist: Das Fahrrad ist in allen europäischen Städten noch unternutzt. Das Beispiel Peking zeigt, dass es möglich ist 63 Prozent aller Trips mit dem Rad zu erledigen, ein Radfahranteil, der weit höher liegt als in den europäischen Fahrrad-Musterstädten Kopenhagen oder Amsterdam ."
Wie vielfältig die Anwendungsmöglichkeiten sind, zeigt ein Blick auf den chinesischen Alltag: Messerschleifer, Schuster, Obsthändler, Zeitungs- oder Süßigkeiten-Verkäufer – kaum ein Gewerbe, dass sich nicht auch per Lastenrad erledigen ließe. "In China fahren ganze Familien. Es kommt vor, dass der fittere Teil der Familie tritt, während die Großeltern nur mitfahren."
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