• vom 14.08.2012, 08:27 Uhr

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Update: 14.08.2012, 11:59 Uhr

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Die Entdeckung der Langsamkeit




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Von Matthias Bernold

  • Bernold radelt nach Berlin

An der schönen blauen Moldau unterwegs nach Prag.

An der schönen blauen Moldau unterwegs nach Prag.© WZ Online / Matthias Bernold An der schönen blauen Moldau unterwegs nach Prag.© WZ Online / Matthias Bernold

Die Etappe von Zivohost bis Prag gestaltete sich besonders aufregend.
Aufgrund anhaltender Müdigkeit und wunder Heckregion beschloss ich, mir den Weg mittels kleiner Bootsfahrt ein wenig abzukürzen und dafür ein bisschen länger im Bett zu bleiben.

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Lesend, weil ich mich gerade in Sten Nadolnys Buch "Die Entdeckung der Langsamkeit" verbissen hatte. (Inzwischen ausgelesen: Wunderbares Werk.) Klar, dass ich bei so viel Muße die Zeit aus den Augen verlor. Zur Anlegestelle musste ich ziemlich Stoff geben, um die 10.45h Fähre zu erwischen. Trotz Mutters Wort "vom Hudeln kommen die Kinder" und wider die Lehren Nadolnys hastete ich. Die Strafe folgte auf den Fuß. 50 Meter vor der Anlegestelle übersah ich die Stahlverankerung eines gerade nicht dort befindlichen Pfostens und prallte ungebremst mit dem Vorderrad dagegen. Den Überschlag konnte ich aufgrund des stark beladenen Fahrrades vermeiden. Aber der Schlauch platzte und verlor innerhalb von Sekunden die Luft.

Immerhin erwischte ich das Boot nach Slapy. Es folgten fünfzehn sehr geruhsame Kilometer auf der Moldau. In Slapy ging ich von Bord, stellte dort das Rad auf den Kopf. Es war mein erster Patschen, den ich selbst behandelte. Was soll ich sagen: Innerhalb einer halben Stunde gelang es mir, den Reifen zu flicken. Wahrscheinlich der größte Triumph der bisherigen Reise.

Ein Glück, dass ich beim Radgändler Donau Fritzi, kurz nach dem Nussdorfer Wehr, Schläuche gekauft hatte. Danke lieber Fritzi, an dieser Stelle! Und auch, dass du an Sonntagen offen hast. Ich sehe dir sogar nach, dass du mit einem Segway unterwegs bist, obwohl ich diese Fahrzeuge an und für sich nicht mag.

Von Slapy jedenfalls, mit dem Triumph in Händen, gingen die letzten 40 Kilometer wie im Flug. Nach Prag hin wird es flacher und flacher. Der Weg folgt einer Bundesstraße, die meiste Zeit ist ein ausreichend breiter Pannenstreifen befahrbar. Nach kurzer Nostalgietour durch die Prager Altstadt - ich war vor Jahren mal da für ein Schachturnier - quartierte ich mich im sehr empfehlenswerten Czech Inn Youth Hostel ein. Dort blieb ich dann auch am Abend, um den Nadolny fertig zu lesen. Dann ab ins Bett. Dank Ohrstöpsel funktioniert Schlafen auch in einem Schlafsaal voller betrunkener amerikanischer Teenager...




Schlagwörter

Freitritt, Prag, Berlin, Fahrrad

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-08-14 08:31:23
Letzte Änderung am 2012-08-14 11:59:11


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