• vom 17.08.2012, 06:30 Uhr

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"Probier es in Budyne"




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  • Bernold fährt nach Berlin

Nördlich von Prag wird es für Radfahrer schwierig. - © WZ Online / Matthias Bernold

Nördlich von Prag wird es für Radfahrer schwierig. © WZ Online / Matthias Bernold

Richtig reisen heißt bekanntlich auf Planung zu verzichten. Mitunter bedeutet dies jedoch: Risken auf sich nehmen und schon einmal 70 Kilometer statt 50 Kilometer radeln. Aber von Anfang an: ich brach spät aus Prag auf. Nahm mir den Vormittag Zeit für die Stadtbesichtigung und besorgte eine Straßenkarte. (Das empfiehlt sich, zumal für Menschen mit unterentwickeltem Orientierungssinn.)

Gegen elf Uhr befand ich mich on the road. Ursprünglich wollte ich dem Verlauf der Moldau folgen - die Karte zeigt entsprechende Radwege an. Doch bald musste ich feststellen, dass dies wegen des mäandernden Laufs der Moldau und wegen der üblen Radwegführung - dauernd wird man vom Fluss weggelotst und findet sich dann ohne Hinweisschilder im Nirgendwo wieder - eine schlechte Wahl war. Stattdessen folgte ich zunächst einer Art Bundesstrasse (608) Richtung Norden, die parallel zur Autobahn verläuft. Die Route erwies sich aber wegen der Überholmanöver vor allem der Lkw als gemeingefährlich. Deshalb versuchte ich mein Glück auf kleineren Landstrassen, arbeitete mich im Zickzack Richtung Nordwesten vor. Bei Kozarovice stieß ich wieder auf eine Radroute, der ich weiter folgte. Durch eine - wie mir erst später klar wurde - ausgesprochen Infrastruktur-arme Gegend. All das – leichtfertiger Weise - ohne Bargeld in den Taschen und ohne Proviant.

Nach dem Übersetzen mit der Fähre in Luzec kaufte ich in einer Landspelunke, die der nette Fährmann mit der mehrfach gebrochenen Nase lachend als "nicht gut, aber normal" beschrieben hatte, Erdnüsse und Fanta. Anderes wollte die Küche nicht anrichten, allerdings hätte ich mir ohnehin nicht mehr leisten können. In Roudnicek begann meine Quartiersuche, wollte ich es doch heute lockerer angehen. Doch dort fand ich  nicht einmal Gasthaus. Eine junge Mutter musste lange nachdenken, als ich sie nach dem nächsten Bankomat fragte. Vielleicht in Budyne? Das wäre aber die falsche Richtung gewesen. Alternativ gab sie Kostelec an, wo es tatsächlich einen Bankomaten gab und ein Hotel. Im Schlossgarten endete gerade ein Ritterspiel. Glückstreffer, dachte ich schon. Allein: im Hotel lachte der Kellner nur. "Die Aufschrift ist falsch. Wir sind seit 1997 nur noch ein Restaurant". In Budyne, versicherte er jedoch, gäbe ein Hotel. Sogar ein sehr gutes, pflichtete ihm ein Gast mit Zipfelhaube bei - vielleicht der Hofnarr bei den Ritterspielen?

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-08-16 17:11:34
Letzte Änderung am 2012-08-16 17:19:38


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