Mit ihrem Modulsystem "Collage" bringen die Brüder Mina und Bischoy Yaney Gewerbebetriebe aufs Lastenrad: Ein Café wird damit ebenso mobil wie eine Bibliothek, eine Schneiderei oder ein Frisiersalon.
Auf der Freyung, direkt vor dem Austria-Brunnen liegt ein roter Teppich. Darauf stehen vier Lasten-Dreiräder niederländischer Provenienz. An die Ladeflächen der Räder ist professionelles Küchengerät montiert: Eine Espresso-Maschine, ein Kühlschrank, ein E-Herd, eine Abwasch – auch ein Wilder Kakao-Baum im Topf. Regalbretter verbinden die Räder miteinander und fungieren als Schau-, Stau- und Arbeitsflächen. Neben einer kleinen Schul-Tafel, auf der in Kreidestrichen die Tagesgerichte – Crepes und Koscheri (eine ägyptische Spezialität aus Reis, Nudeln und Kichererben) - vermerkt sind, steht Mina Yaney (29) in Karo-Hemd und Hosenträgern. Mit einer Fahrradhupe-lockt er Passanten an.
Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Bischoy (26) hat der Architekt die fahrbare Küche "Collage" entwickelt, die sich mit Hilfe verschiedener Rad-Module beliebig erweitern lässt. Dabei ist Collage genau genommen gar kein Gastronomieprojekt. Oder zumindest nicht nur. Vielmehr ist es ein Pilotprojekt für eine komplexe Architektur-, Stadterneuerungs- und Geschäftsidee. Eines Tages wollen die Brüder Yaney nämlich nicht mit Kaffee-Sieden Geld verdienen, sondern mit dem Verkauf ihres patentierten Modulsystems, das die unterschiedlichsten Gewerbearten aufs Lastenrad bringt: Eine Bibliothek genauso wie einen Frisiersalon, eine Schneiderei oder ein Tanzlokal.

"Jedes einzelne Rad hat seine Funktion und kann individuell verwendet werden, aber wenn sie miteinander auftreten, entsteht durch die Koppelung ein Mehrwert, den wir aus architektonischer, sozialer und kultureller Sicht kultivieren möchten", sagt Mina, der in Wien und an der Clemson Universität in South Carolina Philosophie und Architektur studierte und momentan an seiner PHD-Arbeit tüftelt: "Es sind Hybride aus innen und außen,aus privat und öffentlich, aus individuell und kollektiv".
Seinen Anfang nahm das Projekt im Frühling 2009, als Mina an seinen Camping-Gaskocher Rollen schraubte, um sich damit vor seinem Wohn-Atelier in der Strohgasse das Frühstück zu kochen: "Ich wollte mit dem Spannungsfeld zwischen privatem und öffentlichen Raum experimentieren . Ich hab Herd und Sofa dann einfach auf den Gehsteig gestellt, um mit Freunden dort zu essen während wir die Sonne genießen." Um noch mobiler zu sein, folgt in einem zweiten Schritt die Verbindung von Herd und Fahrrad. "Max Baur von der Wiener Bike Kitchen hat mir geholfen, das Fahrradgestell zu schweißen", erzählt Mina, "damit bin ich bei Demos und Veranstaltungen mitgefahren. Bei der Critical Mass zum Beispiel, aber auch bei Studenten-Demos. Wir haben in den Hörsälen Tee gekocht und Koscheri. Alles gegen freie Spenden".



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