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Update: 10.10.2012, 09:49 Uhr

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Fahrradküche und mehr als das




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Von Matthias Bernold

Mit ihrem Modulsystem "Collage" bringen die Brüder Mina und Bischoy Yaney Gewerbebetriebe aufs Lastenrad: Ein Café wird damit ebenso mobil wie eine Bibliothek, eine Schneiderei oder ein Frisiersalon.


Collage - Eine Fahrrad-Küche in Modulbauweise. Zu sehen derzeit auf der Freyung. Foto: Bernold

Collage - Eine Fahrrad-Küche in Modulbauweise. Zu sehen derzeit auf der Freyung. Foto: Bernold

Auf der Freyung, direkt vor dem Austria-Brunnen liegt ein roter Teppich. Darauf stehen vier Lasten-Dreiräder niederländischer Provenienz. An die Ladeflächen der Räder ist professionelles Küchengerät montiert: Eine Espresso-Maschine, ein Kühlschrank, ein E-Herd, eine Abwasch – auch ein Wilder Kakao-Baum im Topf. Regalbretter verbinden die Räder miteinander und fungieren als Schau-, Stau- und Arbeitsflächen. Neben einer kleinen Schul-Tafel, auf der in Kreidestrichen die Tagesgerichte – Crepes und Koscheri (eine ägyptische Spezialität aus Reis, Nudeln und Kichererben) - vermerkt sind, steht Mina Yaney  (29) in Karo-Hemd und  Hosenträgern. Mit einer Fahrradhupe-lockt er Passanten an.

Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Bischoy (26) hat der Architekt die fahrbare Küche "Collage" entwickelt, die sich mit Hilfe verschiedener Rad-Module beliebig erweitern lässt. Dabei ist Collage genau genommen gar kein Gastronomieprojekt. Oder zumindest nicht nur.  Vielmehr ist es ein Pilotprojekt für eine komplexe Architektur-, Stadterneuerungs- und Geschäftsidee. Eines Tages wollen die Brüder Yaney nämlich nicht mit  Kaffee-Sieden Geld verdienen, sondern mit  dem Verkauf ihres patentierten Modulsystems, das die unterschiedlichsten Gewerbearten aufs Lastenrad bringt: Eine Bibliothek genauso wie einen Frisiersalon, eine Schneiderei oder ein Tanzlokal.

Mina Yaney und sein Bruder Bischoy (inks). Foto: Bernold

Mina Yaney und sein Bruder Bischoy (inks). Foto: Bernold Mina Yaney und sein Bruder Bischoy (inks). Foto: Bernold

"Jedes einzelne Rad hat seine Funktion und kann individuell verwendet werden, aber wenn sie miteinander auftreten, entsteht durch die Koppelung ein Mehrwert, den wir aus architektonischer, sozialer und kultureller Sicht kultivieren möchten", sagt Mina, der in Wien und an der Clemson Universität in South Carolina Philosophie und Architektur studierte und momentan an seiner PHD-Arbeit tüftelt: "Es sind Hybride aus innen und außen,aus privat und öffentlich, aus individuell und kollektiv".

Seinen Anfang nahm das Projekt im Frühling 2009, als Mina an seinen Camping-Gaskocher Rollen schraubte, um sich damit vor seinem Wohn-Atelier in der Strohgasse das Frühstück zu kochen: "Ich wollte mit  dem Spannungsfeld zwischen privatem und öffentlichen Raum  experimentieren . Ich hab Herd und Sofa dann einfach auf den Gehsteig gestellt, um mit Freunden dort zu essen während wir die Sonne genießen." Um noch mobiler zu sein, folgt in einem zweiten Schritt die Verbindung von Herd und Fahrrad. "Max Baur von der Wiener Bike Kitchen hat mir geholfen, das Fahrradgestell zu schweißen", erzählt Mina, "damit bin ich bei Demos und Veranstaltungen mitgefahren. Bei der Critical Mass zum Beispiel, aber auch bei Studenten-Demos. Wir haben in den Hörsälen Tee gekocht und Koscheri. Alles gegen freie Spenden".



Mina Yaney neben der Sonnenblume, die das Rad-Modul mit dem Crepe-Grill schmückt. Foto: Bernold

Mina Yaney neben der Sonnenblume, die das Rad-Modul mit dem Crepe-Grill schmückt. Foto: Bernold Mina Yaney neben der Sonnenblume, die das Rad-Modul mit dem Crepe-Grill schmückt. Foto: Bernold

Bishoy Yaney, angehender Jurist und Wirtschaftswissenschaftler, kümmert sich  bei Collage um das Finanzielle. Foto: Bernold

Bishoy Yaney, angehender Jurist und Wirtschaftswissenschaftler, kümmert sich bei Collage um das Finanzielle. Foto: Bernold Bishoy Yaney, angehender Jurist und Wirtschaftswissenschaftler, kümmert sich bei Collage um das Finanzielle. Foto: Bernold

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-10-09 15:18:15
Letzte Änderung am 2012-10-10 09:49:28


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