
Wenn die Architekten Karen Allmer und Florian Macke eine Ausfahrt machen, ziehen sie die erstaunten Blicke der Passanten auf sich. Sind doch die Eheleute stets mit ihrem "Metallhasen" unterwegs – einer Art zweispurigem Tretmobil mit Pedelec-Antrieb. Einkäufe sind damit ebenso möglich wie die Besichtigung der Baustellen, wo sie gerade arbeiten. Sogar Camping-Urlaub mit den Kindern sei mit dem Hasen kein Problem, meinen die beiden. Das Auto sei ihnen demgegenüber einfach zu groß, zu laut, zu teuer und zu schmutzig gewesen. "Wir wollten ein Gefährt, mit dem wir keinen tiefen Karbon-Fußabdruck hinterlassen", sagt Macke: "Und eines, das Spaß macht."
Der Elektro-Antrieb ausgestattete Metallhase mag eine etwas exzentrische Mobilitätslösung sein. Aber ähnlich wie die beiden Architekten tendieren immer mehr Menschen zum E-Bike: Im heurigen Jahr werden 45.000 Elektro-Fahrräder in Österreich verkauft werden, schätzt der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) - fünf mal mehr als noch im Jahr 2008. Dies, obwohl viele staatliche Förderungsprogramme mit Ende 2011 ausliefen.
E-Bike gilt als der große Hoffnungsträger der Branche. Die KTM Fahrrad GmbH mit Sitz in Mattighofen verzeichnet auch dank der E-Bikes regelmäßig zweistellige Umsatzzuwächse: Zuletzt gewann KTM für das Design seines urbanen eShoppers sogar den Gold-Award bei der europäischen Branchenmesse Eurobike.

Begünstigt wird der Trend zum E-Bike durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Steigende Benzinpreise, Parkplatznot, Parkraumbewirtschaftung und die stetige Verteuerung des fossilen Verkehrs machen Räder und E-Bikes attraktiv. Das zeigt sich in ganz Europa, wo 2011 insgesamt 900.000 E-Bikes den Besitzer wechselten. Davon 310.000 E-Bikes allein in Deutschland. Ein massiver Rad-Boom ereignet sich auch in Italien, wo zum ersten Mal seit den 1950er-Jahren mehr Fahrräder verkauft wurden als Autos.

Christian Gratzer vom VCÖ freut diese Entwicklung. Für ihn sind Pedelecs (Abkürzung für Pedal-Electric-Vehicle) im Stadtverkehr vor allem für drei Zielgruppen ideal: "Für Menschen, die berufliche Termine ohne Schweißperle erreichen müssen. Für ältere Leute, die dank Pedelecs längere Strecken mit dem Fahrrad fahren können. Und - drittens - für jene, die in Stadtteilen wohnen, wo es stärkere Steigungen gibt."
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