Freitritt

23.11.2012, 21:06 Uhr
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Mit dem Rad durch Kuba


  • Begegnung in Kuba. Foto: Günter Grüner Biertransport in Havanna. Foto: Günter Grüner Eine Reise nach Kuba ist immer auch eine Zeitreise, sagt Fotograf Günter Grüner. Foto: Günter Grüner Langsamer, intensiver, direkter: Radreisen in Kuba. Foto: Günter Grüner Menschliche und tierische Passagiere. Foto: Günter Grüner


Der Wiener Fotograf Günter Grüner radelte vor ein paar Jahren durch Kuba. Heute Abend (Freitag, 23.November) präsentiert er seine Dia-Show im Audi Max der Universität Wien (Beginn: 20 Uhr). Hier vorab ein kurzes Interview.

Freitritt: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit dem Rad durch Kuba zu fahren?

Günter Grüner: Ich habe drei Jahre vor der Radreise bereits einmal eine Reise nach Kuba unternommen. Damals war ich mit dem Mietwagen unterwegs. Mir ist dabei aufgefallen, dass es auf Kuba wahnsinnig wenig Auto-Verkehr gibt. Die Straßen sind fast leer, weil sich die Kubaner kein Benzin leisten können. Nicht nur die einzelnen Menschen, sondern Kuba als Nation, wegen des Devisenmangels. Es gibt Autobahnen, da kommt minutenlang kein einziges Fahrzeug daher.

Das klingt total idyllisch! Waren Sie mit dem Fahrrad auch auf der Autobahn unterwegs?

Ja. Das ist auch völlig ungefährlich und wurde von niemandem beanstandet.

Haben Sie die eigenen Räder mitgenommen oder dort welche ausgeborgt?

Wir haben unsere Räder im Flugzeug mitgenommen. Das hat gut geklappt. Allerdings haben wir für den Transport fast 200 Euro bezahlt. Pro Rad. Ein Rad auf Kuba auszuborgen ist zwar möglich. Im Vorfeld wussten wir aber nicht, wie zuverlässig und komfortabel die Räder dort sind.

Beschreiben Sie mir bitte Ihre Route!

Wir sind von Osten nach Westen gefahren. Beginnend in Baracoa, einer Stadt ganz im Osten an der Atlantikküste. Von dort sind wir Santiago de Kuba, Zentralkuba, Trinidad, bis in den gebirgigen Westen.

Was hat Ihnen an Kuba am meisten gefallen?

Eine Reise nach Kuba ist eine Reise in die Vergangenheit. Die kubanischen Städte sind einzigartig in ihrer unveränderten spanischen Kolonialarchitektur. Das ist unglaublich, und - vor allem als Fotograf faszinierend. Die Menschen leben wie in 1950er-Jahren. Außerdem, ohne jetzt Klischees bedienen zu wollen, hat mich die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit beeindruckt. Auch dass die Menschen lachen und singen, wenn es ihnen einmal nicht so gut geht.

Aus Sicht des Fotografen: Macht es einen Unterschied, ob man mit dem Rad oder mit einem anderen Verkehrsmittel unterwegs ist?

Total. Ich hatte zuvor noch nie eine Radreise unternommen, war aber viel zu Fuß unterwegs. Was mir im Vergleich zum Autofahren aufgefallen ist: Um wie viel intensiver eine Reise durch das Radfahren wird. Obwohl wir großteils an den selben Orten wie beim ersten Mal waren, hat sich unsere Perspektive total verändert. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Was war daran so besonders?

Die Langsamkeit und die Direktheit. Du bekommst auf dem Fahrrad viel mehr mit: Den Wind, die Geräusche. Im Auto bleibt man doch in einer eigenen Welt: Entweder läuft das Radio oder das Auto selber ist so laut. Aber in Kuba gibt es so viel zu sehen und zu hören. Als Fotograf ist es auch so, dass im Auto die Hemmschwelle, stehen zu bleiben relativ hoch ist. Du bist mit 60,70 km/h schnell einmal an einem Motiv vorbei und willst dann nicht jedes Mal umdrehen.

Wie oft sind Sie denn mit dem Fahrrad stehen geblieben?

Schon extrem oft. Für meine damalige Begleiterin jedenfalls viel zu oft. (lacht)

Was für eine Fotoausrüstung hatten Sie auf dem Rad dabei?

Die selbe wie immer: Eine Canon 5D Spiegelreflexkamera, sechs Festbrennweiten, ein Stativ. Insgesamt so an die zehn Kilo Ausrüstung.

Wohin wird Sie die nächste Foto-Radreise führen?

Derzeit fehlt es mir an einer Reisepartnerin. Aber Südindien würde mich reizen.


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