
Ein elegant gekleideter Herr überquert den Michaeler-Platz auf seinem Brompton, einem Falt-Rad britischer Provenienz. "Ich bin sicher kein Grün-Wähler", gesteht Christian A., Hausverwalter in der Innenstadt: "Aber ich bin ein großer Verfechter des Radls. Es hält die Menschen fit und macht Spaß. Wenn es nach mir ginge, könnte der erste Bezirk autofrei werden."
Dass es an diesem Freitag schon empfindlich abgekühlt hat, stört Herrn A. kein bisschen. Er sitzt auf einer Bank am Heldenplatz und sieht seiner Irish Setter-Dame Ornella Muti – Rufname: Pupperl – beim Spiel mit anderen Hunden zu. Allein wenn es schüttet, vergehe ihm der Spaß. "Aber seit ich das Falt-Rad habe, ist auch das kein Problem mehr", sagt er: "Sehen Sie her: Mit vier Handgriffen ist das Rad zusammengepackt, und ich kann in die Straßenbahn einsteigen."
Wie Christian A. verbannen viele Wiener ihr Fahrrad in der kalten Jahreszeit nicht mehr in den Keller. Allerdings empfiehlt sich eine Vorbereitung auf den Winter. Jeder routinierte Radfahrer hat seine eigenen Tricks, mit Straßenglätte und widriger Witterung zurechtzukommen.

Angepasstes Tempo, Beleuchtung und ein technisch einwandfreies Fahrzeug – das sind für Bernhard Dorfmann, Fahrradbote und Betreiber der City Cyling School, die Schlüsselfaktoren. Dorfmann unterrichtet sicheres Radfahren für Anfänger und Menschen, die – wie er das nennt – ihre Verkehrskompetenz verbessern wollen. Auf dem Rad, meint er, muss man sich auch im Winter wohl fühlen. Denn: "Wem zu kalt oder zu warm ist, wem die Brille beschlägt, der verbraucht zusätzliche Energie und verliert leicht die Konzentration."

Handschuhe, warme Socken, solides Schuhwerk, ein Helm: Das sind die Ausrüstungsgegenstände, die Dorfmann empfiehlt. Eine Ausstattung wie ein Fahrrad-Profi sei hingegen nicht erforderlich: "Jemand, der nur ins Büro pendelt, sollte tragen, was komfortabel ist und gut aussieht."
Was die Ausrüstung betrifft, sind dem Investitionswillen natürlich keine Grenzen gesetzt. Die Radindustrie bietet Produkte in jeder Preisklasse: Von Winterreifen mit Spikes oder Lamellen, über kälteresistente Schmiermittel, Regen-Gamaschen bis hin zum Softshell-Helm. Andreas Denner vom Radgeschäft Ciclopia in Mariahilf rät vor allem zu guter Beleuchtung: "Wir haben Lampen, die erreichen die selbe Lichtstärke wie ein Autoscheinwerfer". Gerade bei Dunkelheit oder Nebel erhöhten gute Beleuchtung sowie Reflektoren die Sicherheit beträchtlich.

Jeder Radfahrer hat natürlich seine eigenen Methoden, die kalte Jahreszeit zu überstehen. Georg Mautner zum Beispiel, Projektmanager an der WU, schwört auf gelbe Sonnenbrillen, die nicht nur seine Augen gegen den Fahrtwind schützen, sondern auch das Bild aufhellen, wenn das Winter-Grau die Kontraste verwischt. Und Fotografin Aslan Kudrnofsky, die vom vierten Bezirk in die Donaustadt pendelt, verwendet eine atmungsaktive Laufjacke, die sie nächstens wenden kann und die dann silbrig reflektiert.
Insgesamt - sind sich alle Befragten einig – ist Radfahren so praktisch, dass sie auch im Winter darauf nicht verzichten wollen. Nur bei Glatteis sollte das Rad zu Hause bleiben. Schnee hingegen sei sogar ein Grund auszufahren: "Es ist weniger Verkehr, der Lärm ist gedämpft, alles geht langsamer", schwärmt Instruktor Dorfmann: "Außerdem: Wer immer fährt, verpasst keinen einzigen schönen Winter-Tag."

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