• vom 14.03.2013, 11:10 Uhr

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Update: 14.03.2013, 11:57 Uhr

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Peter Pilsl: Nach langer Krankheit viel zu früh von uns geradelt




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Von Lisa Bolyos, Flo Weber, Wolfgang Höfler



Viel Fahrradfreundlichkeit hat Wien Peter Pilsl zu verdanken. Und viel Radfahrspaß. Mit einem Haufen von Freunden und Freundinnen sowie anderen Zweiradbegeisterten hat Peter Pilsl eine endlose Verkettung von Bike-Institutionen erfunden, gegründet oder nach Wien geholt.

Fahrrad-Aktivist Peter Pilsl. Foto: privat

Fahrrad-Aktivist Peter Pilsl. Foto: privat Fahrrad-Aktivist Peter Pilsl. Foto: privat

Institutionen der Art, wie das schöne Leben sie braucht: die selbstorganisierte Fahrradwerkstatt Bikekitchen, die Lastenradcompany Heavy Pedals, das Bicyclefilmfestival, die Aktion "Rasen am Ring". Schließlich die Critical Mass, wo mensch einmal pro Monat die Straße nicht nur den stinkenden, krankmachenden Autos überlässt, sondern sie dem besten aller Zwecke zuführt: dem Nebeneinanderherradeln. All diese Einrichtungen waren unter anderem auch dazu da, meinte Peter, um "Politik bitte endlich einmal so zu machen, dass sie Spaß macht": Treten statt reden.



Im Alter von 41 Jahren  ist einer der aktivsten (und er hätte wahrscheinlich schmunzelnd hinzugefügt, "schreib bitte auch: attraktivsten") Fahrradfahrer von Wien und Umgebung verstorben. "Nach langer Krankheit viel zu früh von uns geradelt", muss es eigentlich heißen. Er überholte mit lautem Klingeln: einen grandiosen Sohn, eine toughe Genossin, eine wunderbare Familie und ein unüberschaubares Konglomerat an Freunden und Freundinnen, die ihn nun maßlos vermissen müssen.

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Peter Pilsl ist nicht nur Rad gefahren. Er hat auch Computersicherheit in Praxis und Theorie produziert. Als studierter Mathematiker baute er unter dem freundlichen Label "Goldfisch" eine kleine Firma für Websupport  auf und schrieb sich damit in Wiens soziale Netzwerke ein. Mit seinem  Know-how unterstützte er unter anderem SOS Mitmensch und natürlich  diverse fahrradaffine Webauftritte.



Als Peter gestorben ist, gab es einen Aufruf zum "Nightride": Im Dunkel der Nacht trafen einander am vergangenen Montag Liebhaber und Liebhaberinnen des Radls irgendwo in der Stadt, um die Straßen einen Moment lang wieder den Fahrrädern zurückzugeben. Dabei klingelten sie ihr lautes "Wir sind da". Aber wir sind nicht mehr alle da. Peter wird uns fehlen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-03-14 11:12:50
Letzte nderung am 2013-03-14 11:57:50



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