• vom 12.06.2016, 17:00 Uhr

Freitritt

Update: 12.06.2016, 17:27 Uhr

Testbericht

Testbericht Garmin Forerunner 235: Seiner Zeit (zu weit) voraus




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Von Matthias G. Bernold


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    Garmin© Beim zweiten Testgerät arbeitete der Pulsmesser einwandfrei. Dafür ließ sich die Zeit nicht korrekt einstellen. Garmin© Beim zweiten Testgerät arbeitete der Pulsmesser einwandfrei. Dafür ließ sich die Zeit nicht korrekt einstellen.

    Auf dem Papier spielt die Garmin Forerunner 235 Sportuhr alle Stückerln: Das Gerät ist mit einem Pulsmesser ausgestattet, mit einen GPS-Empfänger, um Läufe, Radfahrten oder Schwimmtrainings aufzuzeichnen. Es hat Smart-Watch-Funktionen und zeigt Anrufe, SMS und WhatsApp-Meldungen an. Es verfügt schließlich über zahlreiche weitere Features wie Schrittzähler und Schlafphasen-Überwachung.

    Vor allem zusammen mit den gerade so im Trend liegenden Sport-Apps wie Strava, das ich ebenfalls erst seit kurzem benütze, ergibt sich die Möglichkeit, den eigenen Organismus ziemlich genau zu überwachen. So sei es möglich, versprechen die Produktentwickler, das Training besser auf den eigenen Leistungsbereich abzustimmen und den Fortschritt genau zu dokumentieren.

    Ich entschied mich für den Garmin, weil das Erfassen der eigenen Leistungsdaten motivierend ist. Es macht Spaß die Routen aufzuzeichnen und sich mit anderen zu vergleichen. Für den Forerunner entschied ich mich, weil es damit auch möglich ist, Schwimmstrecken aufzuzeichnen – eine Fähigkeit, die andere Geräte nicht haben. Die Foren sind voll von Berichten über mangelnde Wasserdichte anderer Geräte.

    Tag 1: Software Update

    Den ersten Akzent setzt die Uhr kurz nach dem Auspacken: Zum verbinden mit dem iPhone muss ich die Connect-App von Garmin herunterladen. Als ich dies versuche, teilt mit mein iPhone mit, dass ich zunächst das Betriebssystem des Telefons updaten muss – etwas was ich bisher mit guten Gründen zu vermeiden suchte. Weil ich aber dann doch die Sportuhr nutzen will, tue ich es eben. Die Folge: mein iPhone 4 ist jetzt um die Hälfte langsamer und saugt innerhalb eines Tages die gesamte Leistung aus dem Akku. Aber immerhin: die App funktioniert.

    Nacht 1: Alarm

    Ein Grund, um mich für Forerunner zu entscheiden, sind dessen Activity-Tracking-Funktionen: Das Gerät misst die am Tag zurück gelegten Schritte, es kontrolliert den Puls und zeichnet in der Nacht die Schlafphasen auf. Folglich trage ich den Garmin in der ersten Nacht am Handgelenk. Zu Mitternacht – da schlafe ich bereits seit zwei Stunden gut und gerecht – reißt mich ein Vibrieren aus Morpheus’ Armen. Irgendein Schwachkopf – vermutlich ich selbst beim Einstellen des Geräts am Nachmittag – hatte für diese späte Stunde einen Wecker gestellt. Das Abschalten des Weckers erweist sich als schwierig. Schlaftrunken verfehle ich die richtige Tastenkombination. Das Einschlafen nach dem Weckruf erweist sich als schwierig. Auch meine schwangere Freundin ist erwacht – die ist jetzt sehr schlecht gelaunt und beruhigt sich erst als ich ihr verspreche, den Garmin nie wieder ins Schlafzimmer mitzunehmen.

    Tag 2

    Der nächste Tag beginnt gut: das Gerät kommuniziert rege mit mir und ersucht mich, ein zur Verfügung sehenden Software-Update zu installieren. Ich verschließe mich diesem Wunsch nicht. Nach wenigen Minuten informiert mich die Uhr, dass sie sich jetzt auf dem neuesten Stand befände. Ich freue mich sehr, muss jedoch bald feststellen, dass nun der eingebaute Pulsmesser nicht mehr funktioniert. Schade, denn dieser Pulsmessers, der mittels dreier grüner LEDs an der Unterseite der Uhr den Blutfluss am Handgelenk kontrolliert, war für mich kaufentscheidend. Hätte er doch die Verwendung eines Brustgurtes zur Herz-Kreislaufkontrolle beim Training überflüssig machen sollen. Einschalten lässt sich der Pulsmesser nicht mehr. Ich vertiefe mich zwei Stunden lang in den Online-Foren, schalte verärgert das Gerät ein und aus, finde die Pulsmesser-Funktion, die allerdings nur zwei Funktionen hat "Aus" oder "Automatisch". Und diese Automatik befindet offenbar, das Pulsmessen bei mir nicht angebracht sei. Ich schicke eine E-Mail an das Garmin Support-Team.

    Am Abend gehe ich dann in den Prater laufen: Das Aufzeichnen der Strecke funktioniert überraschend gut und ist sehr unkompliziert. Auch das Verknüpfen des Geräts mit Strava ist kein Problem. Nur wie hoch mein Puls war, weiß ich leider nicht.

    Tag 3

    Ich entschließe mich, die Uhr zurückzuschicken, weil sie mich insgesamt mehr verärgert als freut. Das Support-Team hat ebenfalls nicht geantwortet. Würde die Uhr meine Körperfunktionien ordnungsgemäß aufzeichnen, ließe sich bald nachweisen, dass sich mein Stresslevel mit Eintritt in mein Leben stetig verschlechtert hat. Die Rückgabe geht über Amazon problemlos. Ein Ersatzgerät wird – so der Online-Händler – noch am selben Tag versandfertig gemacht.

    Tag 4

    Ich verpacke das Gerät und trage es zur Post. Am Abend zeichne ich meinen Lauf mit der Strava-App an meinem Mobiltelefon auf. Der Akku hält gerade noch.

    Tag 5

    Zu Mittag kommt bereits der neue Garmin Forerunner mit der Post. Ich nehme das Gerät aus der Verpackung und schließe es einmal zum Laden an den Computer. Zu meiner Überraschung lässt sich das Gerät nicht einschalten. Zehn Minuten drücke ich an allen mögliche Knöpfen herum. Lege es schließlich frustriert zur Seite und esse Cashew-Nüsse. Nach einer Viertelstunde schaltet sich die Uhr dann doch noch ein. Auch die grünen LEDs leuchten. Hurra.

    Nach eine bisschen Rumprobieren verbindet sich auch diese Uhr wieder mit dem langsamen iPhone und überträgt eifrig alle Nachrichten und Daten. Das Telefon ist in der Zwischenzeit so gut wie unbrauchbar geworden, weil sich keine Anrufe mehr entgegen nehmen lassen. Ich wische und wische, aber nix rührt sich. ((Später finde ich dann heraus, dass ich seit dem Update bloß etwas präziser "wischen" muss als vorher. Anm.) Da ist es ganz praktisch, dass das Annehmen von Anrufen mit dem Garmin übers Handgelenk funktioniert. (Das Telefonieren ist mit der Uhr freilich nicht möglich. Dazu muss man das Telefon wie gewohnt ans Ohr halten.)

    Tag 6

    Ich erhalte jetzt ein e-Mail von der Support-Abteilung von Garmin, in dem mir empfohlen wird, das Gerät ein- und wieder auszuschalten. Egal: Mit der neuen Uhr klappt das Pulsmessen sehr gut. Apropos "Uhr": Der Garmin Forerunner ist ja auch ein Zeitmessgerät. Allerdings nur in der Theorie. Mein Ersatzgerät hat nämlich einen äußerst eigenwilligen Zugang zur Idee der Zeit: Steht die Uhr auf "Automatik" und sollte sich mit dem iPhone synchronisieren, tut sie das mit einer Zeitdifferenz von 15 Minuten: Das iPhone zeigt 14 Uhr an, die Uhr erst 13.45 Uhr. Auch manuell kann ich die Uhr nicht einstellen: Pro Stunde verliert sie bis zu zehn Minuten auf die konventionelle Zeit.

    Tag 7

    Ich bin des Gerätes jetzt überdrüssig und schicke auch das Tauschgerät zurück.

    Fazit: Der Garmin Forerunner verspricht Athleten tolle Möglichkeiten der Leistungskontrolle. Das GPS funktionierte während des Tests einwandfrei und die Bedienung ist unkompliziert. Leider traten sowohl beim ersten wie beim zweiten von mir getesteten Gerät schwere Mängel auf. Den Herstellern sei empfohlen, das Gerät erst gebührend zu testen, bevor es den Konsumenten zugemutet wird.

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    Testbericht, Garmin

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2016-06-12 17:02:06
    Letzte Änderung am 2016-06-12 17:27:02



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