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Update: 02.11.2016, 14:33 Uhr

Dooring

Schutz for Dooring: Türe öffnen mit der anderen Hand




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Von Matthias G. Bernold

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Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".

Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".© Wiener Zeitung Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".© Wiener Zeitung

Mit einem smarten Trick begegnen die Niederländer der Dooring-Gefahr: Fahrschüler werden dazu angehalten die Autotüre mit jener Hand zu öffnen, die von der Türe weiter entfernt ist. (Als Fahrer also mit der rechten Hand.) Durch dieses Umgreifen geht ihnen das Nach-hinten-Schauen vor dem Öffnen in Fleisch und Blut über.

Zu den größten Gefahren beim Radfahren in der Stadt gehört das sogenannte Dooring: Kfz-Lenker, die – ohne zu Schauen – die Autotüre öffnen und dadurch Radfahrern schwere oder sogar lebensgefährliche Verletzungen zufügen. Die Rechtslage ist eindeutig, sie hilft allerdings nur wenig. Zwar schreibt die StVO vor, dass jeder Autofahrer nur dann die Türe öffnen oder geöffnet lassen darf, wenn er dadurch niemanden gefährdet. Doch bekanntlich nutzt die Existenz einer Vorschrift nichts, wenn sie – wissentlich oder unwissentlich – ignoriert wird.

Wie sich dieses Problem entschärfen lässt, darüber diskutieren die Experten seit geraumer Zeit. Klar ist: gute Rad-Infrastruktur minimiert das Risiko, indem sie Radfahrer aus der gefährlichen "Dooring-Zone" holt. Schlechte Rad-Infrastruktur hingegen – zum Beispiel schmale Mehrzweckstreifen wie sie in Wien häufig zu finden sind – verstärken das Risiko, weil sie Radler zu nahe an die parkenden Autos führen und Kfz-Lenker einladen, zu knapp zu überholen.

Trotz dieses Wissens scheitert bessere Radinfrastruktur oft am politischen Widerstand der Auto-Lobby und ängstlicher Politiker, die sich davor fürchten, Parkraum einzuschränken. Ein Dilemma, das man aus vielen Städten kennt.

Sicherheit durch Verhaltenstraining

Ein ebenso simpler wie kostengünstiger Weg, die Dooring-Gefahr zu reduzieren, wird in den Niederlanden bereits seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert. Angesetzt wird dabei an der Ausbildung für die Kfz-Lenkberechtigung. Wie die Zeitung "Boston Globe" berichtete, üben Fahrschüler in Holland, statt mit ihrem türseitigen (linken) Arm, mit dem anderen (rechten) Arm, die Autotüre zu öffnen. Diese einfache Verhaltensverschiebung veranlasst die Fahrer, zurückzuschauen. Ähnlich wie der 3S-Blick wird dieses Verhalten ständig geübt und ist auch Teil der Lenker-Prüfung. Auf diese Weise soll der Sicherheitsblick vor dem Türe-Öffnen zum automatisierten Verhalten werden.

US-Initiative will "Dutch Reach" importieren

Eine US-Initiative rund um den pensionierten Arzt Michael Charney will den Ansatz unter dem Namen "Dutch Reach" jetzt auch zum regulären Teil des Fahrunterrichts in den USA machen, heißt es im "Boston Globe": "Beim Dutch Reach drehen Sie automatisch Ihren Körper. Und Sie positionieren Sie Ihren Kopf und Schultern, sodass Sie direkt zuerst in den Seitenspiegel und dann über die Schulter nach hinten sehen. So bemerken Sie sofort, ob Fahrräder oder Autos von hinten kommen", wird Charney zitiert.

Klingt nach einer klugen Idee? Ob sich so etwas auch in Österreich in die Lehrpläne der Fahrschulen implementieren ließe?

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Dooring, Dutch Reach

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-11-02 09:53:02
Letzte nderung am 2016-11-02 14:33:27



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