• vom 15.05.2017, 14:08 Uhr

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Update: 15.05.2017, 16:01 Uhr

Rob Greenfield

Mit Rob Greenfield auf dem TV-Radl




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Von Matthias G. Bernold

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Umwelt-Aktivist Rob Greenfield im Trash Suit - © Rob Greenfield

Umwelt-Aktivist Rob Greenfield im Trash Suit © Rob Greenfield

Der US-amerikanische Umwelt-Aktivist Rob Greenfield zeigt die Früchte einer erfolreichen Dumpster-Tour

Der US-amerikanische Umwelt-Aktivist Rob Greenfield zeigt die Früchte einer erfolreichen Dumpster-Tour Der US-amerikanische Umwelt-Aktivist Rob Greenfield zeigt die Früchte einer erfolreichen Dumpster-Tour

Auf Einladung der NGO Zero Waste Austria besuchte der US-amerikanische Umweltaktivist und Video-Blogger Rob Greenfield Wien. Mit dem TV-Radl holten wir ihn vom Bahnhof Meidling ab.

Auf dem Bambus-Rad quer durch Amerika, ohne Geld und ohne Duschen. Im Trash-Anzug, gefüllt mit allem, was der Durchschnittsamerikaner in einem Monat an Müll produziert, in der U-Bahn. In einer winzigen Hütte mit Garten in San Diego ein Jahr lang als Selbstversorger leben. Mit diesen und anderen Aktionen sorgt der US-amerikanische Umweltaktivist für Aufsehen. Derzeit befindet sich der 33-Jährige auf Europa-Tournee. Für die Sendung Talk and Ride von "Wiener Zeitung" und W24 habe ich mit Greenfield gesprochen. Das Interview wird am Montag, dem 15. Mai, auf W24 ausgestrahlt (18.30 Uhr) und ist online abrufbar. Hier eine überarbeitete und aus dem Englischen übersetzte Version des Gesprächs:

Information

Zero Waste Austria wurde von Helene Pattermann gegründet. Ziel der NGO ist es, einen nachhaltigen Lebensstil zu propagieren. Immer wieder lädt Pattermann internationale Aktivisten – wie zuletzt Rob Greenfield – nach Wien ein, um hier Vorträge zu halten.


Das TV-Radl von W24 und "Wiener Zeitung" am Meidlinger Markt: Interview mit Zero Waste-Ikone Rob Greenfield

Das TV-Radl von W24 und "Wiener Zeitung" am Meidlinger Markt: Interview mit Zero Waste-Ikone Rob Greenfield© Wiener Zeitung / W24 Das TV-Radl von W24 und "Wiener Zeitung" am Meidlinger Markt: Interview mit Zero Waste-Ikone Rob Greenfield© Wiener Zeitung / W24

"Wiener Zeitung": Ich war ein Fan von dir, seit du die USA mit einem Bambus-Rad durchquert hast. Ohne Geld und ohne zu duschen.

Rob Greenfield: Du warst der erste internationale Journalist, der eine Story über mich gschrieben hat. Das war im Juni 2013. Und ich war damals so begeistert: Wow, jemand außerhalb der USA interessiert sich für mich! Die Geschichte war damals auf Deutsch.

Wie bist du eigentlich zum Umwelt-Aktivisten geworden?

Ich habe ein normales, materialistisches Leben gelebt und danach gestrebt, ein funkelndes Auto zu fahren. Ich wollte eigentlich Millionär werden. Dann 2011 sind mir alle diese Probleme der Welt auf einmal bewusst geworden. Ich wollte nicht mehr ein Teil des Problems, sondern ein Teil der Lösung sein. Und habe beschlossen, mein Leben zu ändern. Ich wurde ein Lead-by-example-Aktivist, also einer, der vorzeigt, wie man anders leben kann. Seither bin ich zweimal mit dem Fahrrad durch die USA gefahren, ich hatte das Projekt mit dem Mist-Anzug. Ich habe die Mülltonnen vor Supermärkten durchwühlt, um zu zeigen, wie viele Nahrungsmittel vergeudet werden. Momentan besitze ich genau 111 Gegenstände. Ich versuche immer, verrückt klingende oder extreme Ansätze.

Rob Greenfield (rechts) mit TV-Radl-Moderator Matthias Bernold

Rob Greenfield (rechts) mit TV-Radl-Moderator Matthias Bernold© Wiener Zeitung / Bernold Rob Greenfield (rechts) mit TV-Radl-Moderator Matthias Bernold© Wiener Zeitung / Bernold

Zu extrem wahrscheinlich für die meisten Menschen, um es dir nachzumachen. Oder?

Ich mache vielleicht extreme Sachen. Das heißt aber nicht, dass es jeder genauso tun muss. Es geht darum, dass wir alle – ob wir Familie haben, oder nicht, ob wir 20 Jahre alt sind oder 60 – etwas tun können: Mehr Radfahren, Mehr Essen aus lokaler Produktion kaufen, weniger Mist produzieren. Jeder kann einen Beitrag leisten. Und sei es nur, indem er seinen Konsum  einschränkt.

Hat es für dich einen Schlüsselmoment oder ein besonderes Erlebnis gegeben, das bei dir zu einem Umdenken geführt hat?

Nicht wirklich. Ich weiß, dass viele Menschen solche Aha-Momente haben, in denen sich alles plötzlich ändert. Bei mir es eine Kombination aus Dokumentarfilme auf Netflix schauen, ein paar Bücher lesen, dann sind mir – eines nach dem anderen – Lichter aufgegangen. Irgendwann war das Licht dann so hell, dass ich es nicht mehr abdrehen konnte.

Könntest du das Leben, das du gerade lebst – kein Geld, kein Besitz, keine Versicherung auch noch leben, wenn du 60 oder 70 Jahre alt bist und vielleicht krank?

Mein Plan für das Alter ist, dass ich eines Tages ein Simple-Living-Institut eröffne. Ein Platz, wo ich das meiste Essen selbst pflanze, ohne Strom- und Internet, einfach und umweltfreundlich. Und Menschen aus den USA und von außerhalb könnten dorthin kommen, um zu lernen, wie man einfach und nachhaltig lebt. Ich bin in viele Länder gereist. Und habe gesehen, dass es tatsächlich möglich ist, alt zu sein und dennoch nachhaltig, unabhängig und in Verbundenheit mit der Erde zu leben. Man weiß natürlich nie, was die Zukunft bringt. Aber würde gern das, was ich mache, so lange wie möglich tun.

Wie steht es um das Umweltbewusstsein in den USA verglichen mit Europa?

Ich bin jetzt seit rund einem Monat in Europa auf Rundreise. Generell kann ich sagen, dass das Umweltbewusstsein in Europa wahrscheinlich stärker ausgeprägt ist. Da ist ein höheres grundsätzliches Verständnis dafür, wie unser Verhalten die Zukunft dieses Planeten bestimmt. In Deutschland zum Beispiel, wo ich gerade herkommen, wird der Großteils des Mülls recycelt, während er in den USA einfach auf Deponien landet. Dennoch bin ich einigermaßen überrascht, wie viel Müll auch in Deutschland auf der Straße herumliegt und wie die Mistkübel überquellen. Wir schauen auf Europa als Vorbild, aber es könnte sicher auch hier besser sein.

Bist du nach Europa geflogen?

Ich bin von Costa Rica nach Dublin geflogen. Seit ich in Europa bin, reise ich mit Zug oder Bus.

Würdest du sagen, dass der Flug deine bisher größte Umweltsünde war?

Absolut. Ohne Frage. Fliegen bedeutet den – mit Abstand  – größte Schaden, den ein einzelner an einem Tag der Umwelt zufügen kann. Wenn ich fliege, muss ich jedes Mal entscheiden, ob es dafür steht. Für mich war es in diesem Fall gerechtfertigt, weil ich in acht europäischen Ländern, in 21 Städten und vor vielen Menschen über Zero Waste und einen nachhaltigen Lebensstil spreche und hoffentlich einige Menschen bewegen kann. Heimfliegen, um meine Mutter zu besuchen – das könnte ich vor mir selbst nicht rechtfertigen. Ich träume von dem Tag, an dem ich nie mehr fliegen muss. Zu diesem Zeitpunkt mache ich es in Maßen.





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Dokument erstellt am 2017-05-15 14:09:00
Letzte Änderung am 2017-05-15 16:01:40




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