• vom 11.06.2017, 11:03 Uhr

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Update: 11.06.2017, 11:22 Uhr

VCÖ-Radfahrumfrage

Radfahrer vs. Autofahrer: Ein eingebildeter Zwist?




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Von Matthias G. Bernold

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Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".

Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".© Wiener Zeitung Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".© Wiener Zeitung

Radfahrer und Autofahrer: Zwei feindliche Lager, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt? Darauf deutet die aktuelle VCÖ-Radfahrumfrage hin.

Wer die hitzige Debatte rund um den Straßenverkehr in sozialen Medien, kleinformatigen Boulevard-Blättern und Leserbriefen verfolgt, möchte meinen, die Gesellschaft sei in zwei ebenso unversöhnliche wie strikt getrennte Lager gespalten: In Motorisierte auf der einen und Radfahrer auf der anderen Seite.

Wie jetzt die vom Meinungsforschungsinstitut Integral im Auftrag des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) durchgeführte Radfahrumfrage zeigt, sind diese Lager deutlich durchlässiger, als es den Anschein hat. So sind – schenkt man der Umfrage Glauben – drei Viertel aller Alltagsradfahrer auch Autofahrer, sieben von zehn Autofahrern fahren auch Rad. Jeder fünfte Autofahrer steigt mehrmals die Woche aufs Fahrrad. Ebenfalls interessant: Jeder zweite Radfahrer radelt heute Strecken, die früher mit dem Auto gefahren wurden. "Die Schnittmenge zwischen Autofahrern und Radfahrern ist sehr groß", folgert VCÖ-Experte Markus Gansterer in einer Presseaussendung.

Radfahren statt Auto wird von den Umsteigern als Gewinn erlebt: 87 Prozent der Umsteiger macht das Radfahren Spaß, für 88 Prozent war auch der Gesundheitsnutzen ein Motiv für den Umstieg und 53 Prozent sind mit dem Fahrrad schneller am Ziel als mit dem Auto.

Wenn eh alle Radfahrer sind: Woher kommt dann der Konflikt?

Das alles klingt jetzt sehr positiv. Diese Zahlen würden erwarten lassen, dass das wechselseitige Verständnis im Straßenverkehr sehr hoch ist oder zumindest wächst. Tatsächlich erlebe ich die Mehrzahl der Autofahrenden im Alltag als rücksichtsvoll und vergelte diese Rücksichtnahme meinerseits durch freundliches Verhalten. Andererseits vergeht auch kaum ein Tag, an dem ich nicht auch negative Erfahrungen machen würde. Ich frage mich häufig, ob dieses rücksichtlose und aggressive Verhalten einiger Autofahrer daher rührt, dass sich manche einfach nicht in die Rolle eines Radfahrers versetzen können. Oder ob sie bewusst keine Rücksicht nehmen wollen. Wer sich regelmäßig im Facebook-Forum "Radfahren in Wien" umsieht, liest von gefährlichen Situationen: Da werden Eltern, die mit Kindern unterwegs sind, knapp überholt und angehupt, da werden Autotüren achtlos geöffnet, da kommt es zu Pöbeleien oder sogar zu Handgreiflichkeiten. Die Aggression wird durch kleinformatige Hetzblätter weiter geschürt.

Infrastruktur kann Konflikte entschärfenWas die Konflikte entschärfen könnte, wäre mit Sicherheit eine bessere Straßen-Infrastruktur, die weniger Raum für Missverständnisse lässt. Dass sich die Radfahrer genau das wünschen, zeigt nicht nur die aktuelle VCÖ-Radfahrumfrage, sondern auch die sehr detaillierte Radlobby-Umfrage 2017: Daraus geht hervor, dass die Menschen am ehesten dann auf das Fahrrad steigen und ihre Kinder auf das Fahrrad setzen, wenn sie sich im Straßenverkehr sicher fühlen.

Und hier zeigen sich eindeutig Präferenz für Fahrradstraßen (Schulnote 1,3), baulich getrennte Radwege (Schulnote 1,56), Begegnungszonen und verkehrsberuhigte Zonen (Schulnote 2,12) sowie für das Radfahren freigegebene Busspuren (Note 2,32).

Autos von Rasern zwangsversteigern

Wer den Radverkehr nachhaltig steigern will, kommt am Ausbau qualitätsvoller Radinfrastruktur nicht vorbei. Und: Je mehr Autofahrer mit dem Rad fahren trauen, umso mehr lässt sich das wechselseitige Verständnis erhöhen. Die "feindlichen" Lager verschwimmen. Schwarze Schafe auf beiden Seiten wird es weiterhin geben. Allerdings existieren auch hierfür Lösungen – wie etwa die Schweiz vorzeigt: Wer im Straßenverkehr besonders riskant und rücksichtlos unterwegs ist, dem nimmt man einfach das Vehikel weg und lässt es zwangsversteigern...

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-11 11:04:19
Letzte ─nderung am 2017-06-11 11:22:03



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