• vom 04.07.2017, 07:00 Uhr

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Update: 04.07.2017, 10:11 Uhr

Radverkehrsstrategie

Ehrgeizig: Die neue Salzburger Fahrrad-Strategie




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Von Matthias G. Bernold

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"Der Radverkehr hat eine große Zukunft vor sich", sagt Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden

"Der Radverkehr hat eine große Zukunft vor sich", sagt Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden© apa/Gindl "Der Radverkehr hat eine große Zukunft vor sich", sagt Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden© apa/Gindl

Die Stadt Salzburg beschließt diese Woche eine neue Radverkehrsstrategie. Geplant sind Investitionen in die Infrastruktur, eine Verdoppelung des Radverkehrsbudgets und mehr Fahrrad-Parkplätze. Ziel bis zum Jahr 2025: ein Radverkehrsanteil von 28 Prozent.

Ein Jahr lang hat man daran herumgetüftelt, diese Woche wird sie im Gemeinderat beschlossen: die neue Radverkehrsstrategie der Stadt Salzburg. Das 28-seitige Papier, das in einer Projektgruppe mit Vertretern der Stadt und aller im Gemeinderat vertretenen Parteien, mit Wissenschaftlern und Radlobby-Aktivisten ausgearbeitet wurde, enthält ein Sechs-Punkte-Programm zur Förderung des Radverkehrs. Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SP) ist schon einmal euphorisch: "Der Radverkehr hat eine große Zukunft vor sich", ließ er in einer Presseaussendung wissen.

Information

In ihrer "Radverkehrsstrategie 2025+" verpflichtet sich die Stadt Salzburg u.a. zum Ausbau eines "intuitiven, sicheren und komfortablen Hauptradwege-Netzes" und zur Einführung des Leihradsystem "S-Bike"

Maßnahmen in den Bereichen Infrastruktur, Marketing, multimodaler Verkehrsplanung, Fahrradparken sowie Rad-Events sollen den Anteil des Radverkehrs bis zum Jahr 2025 von derzeit 20 Prozent auf 28 Prozent erhöhen. Geplant ist auch der Aufbau eines Leihrad-Systems mit zumindest 50 Stationen und 500 Fahrrädern. Begleitet werden alle Maßnahmen von Wissenschaftlern der Universität Salzburg.

Sechs-Punkte-Programm

Das Radverkehrsbudget wurde von einer Million auf zwei Millionen Euro verdoppelt. Statt wie bisher 7 Euro kommen damit 15 Euro pro Kopf und Jahr dem Radverkehr zugute. Das sei im internationalen Vergleich zwar immer noch nicht berauschend, räumt der Salzburger Radverkehrs-Koordinator Peter Weiss ein: "Allerdings gibt es für größere Projekte auch weiterhin Sonderfinanzierungen, etwa für den Vollausbau der Hauptverkehrsstrecken oder wenn bei einer Brücken-Renovierung auch eine Radweg neu errichtet wird."

Die zwei Millionen aus der Salzburger Radverkehrsstrategie sollen vornehmlich in ein "intuitives, sicheres und komfortables Hauptradwegenetz für alle Nutzergruppen" fließen, heißt es im Strategie-Papier. Die Stadt will dazu ein Hauptradwegenetz festlegen, das "auch für Kinder, Ältere und weniger geübte Radfahrer hohe Sicherheit und Komfort" bietet. Welche Projekte konkret umgesetzt werden, soll in den kommenden Wochen festgelegt werden.

Förderung des Radverkehrs: politisch unumstritten

Wer in der Wiener Verkehrspolitik sozialisiert wurde, den wundert das Zustandekommen des Papiers, an dem alle im Salzburger Gemeinderat vertretenen Parteien beteiligt waren. Ursprünglich von Verkehrsstadtrat Johann Padutsch  (Grüne Bürgerliste) und Baustadträtin Barbara Unterkofler
(Neos) initiiert, trugen in der Folge auch VP und FP, die sich in der Bundeshauptstadt gerne als Scharfmacher gegen eine radfreundliche Verkehrspolitik hervortun, die Radverkehrsstrategie 2025 mit. Allerdings: den in der Strategie ebenfalls vorgesehenen Maßnahmen zur Reduktion des Kfz-Verkehrs verweigerten FP und VP in der Sitzung des Stadtsenats gestern, Montag, ihre Zustimmung. Am Beschluss der Strategie im Salzburger Gemeinderat morgen, Mittwoch, dürfte dies jedoch nichts ändern.

"Die Förderung des Radverkehrs ist heute in Salzburg politisch unumstritten", erklärt Radverkehrs-Koordinator Weiss: "Salzburg ist Stau-geplagt. Jeder weiß, mit dem Fahrrad kannst du einen Termin planen und rechtzeitig dort sein. Mit dem Auto geht das nicht und mit dem Bus schon gar nicht."

Status Quo in Salzburg

Derzeit werden in der Stadt Salzburg rund 100.000 Wege pro Tag mit dem Fahrrad zurückgelegt. Das entspricht einem Anteil von 20 Prozent am Gesamtverkehr. Für 45 Prozent der Strecken wird das Auto benutzt. 15 Prozent werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt und 20 Prozent zu Fuß. Aufgrund optimaler Voraussetzungen für den Radverkehr –kurze Distanzen, kaum Steigungen, Entfernung vom Zentrum an die Stadtgrenze nur fünf Kilometer – wäre in Salzburg ohne weiteres ein Anteil von 30 bis 40 Prozent möglich, sind Verkehrsplaner überzeugt.

Zum Vergleich: In Wien entfallen derzeit 39 Prozent der Wege auf öffentliche Verkehrsmittel, 27 auf das Automobil, 27 auf Zufußgehen und 7 Prozent auf den Radverkehr. (Quelle: Wiener Linien)

Ambivalentes Bild

Für Radlobby Salzburg-Sprecher Fidelius Krammel, der ebenfalls an den Verhandlungen zur Radstrategie teilnahm, ist das Ergebnis "zwar nicht sensationell", dennoch stehe Salzburg damit besser da als alle anderen Landeshauptstädte. "Natürlich geben Top-Fahrradstädte 30 Euro oder mehr pro Bürger und Jahr für die Radinfrastruktur aus", meint Krammel: "Aber man kann nicht dagegen sein, wenn das Rad-Budget verdoppelt wird. Und mit dem klaren Bekenntnis zum Radverkehr wird etwas umgesetzt, das wir seit Jahren gefordert haben."

Krammel und Radverkehrskoordinator Weiss sind sich darin einig, dass die konkreten Planungen der nächsten Wochen darüber entscheiden werden, wie wertvoll das Strategiepapier letztlich ist. Krammel: "Es geht nicht nur ums Geld, sondern um dessen intelligente Verwendung. Und um den Platz, der den Radfahrern künftig in der Stadt zur Verfügung steht."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-03 15:29:29
Letzte ─nderung am 2017-07-04 10:11:14



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