• vom 11.08.2017, 20:31 Uhr

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Update: 11.08.2017, 20:51 Uhr

Radwoche

Die Woche im Rückblick (aus Radfahrersicht)




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Von Matthias G. Bernold

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Demonstrantinnen mit Schutzmasken beim "Diesel Gipfel" in Berlin - © AP

Demonstrantinnen mit Schutzmasken beim "Diesel Gipfel" in Berlin © AP

An dieser Stelle gebe ich einen kleinen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse der Woche aus Radfahrersicht.

Diesel-Gipfel

In Deutschland endet der sogenannte Diesel-Gipfel mit einem peinlichen Ergebnis. Die Autoindustrie darf sich freuen: Gegen die jahrelangen Schwindeleien mit Abgaswertenwerten wird so gut wie nichts unternommen. Software-Updates sollen die tatsächlichen Abgaswerte näher in Richtung der gesetzlich vorgeschriebenen bringen. Eine Verpflichtung zu technischen Umbauten – nach Meinung von Experten die einige Möglichkeit, die gesetzlichen Emissions-Bestimmungen zu erreichen – kommt vorerst nicht.

Gedanken dazu:

Packelei und Verhaberung von Autoindustrie und deutscher Politik verhindern offensichtlich sachgerechte und zukunftsorientierte Lösungen. Das ist umso bedauerlicher, wenn man um die Schadstoffbelastung in den Städten weiß, die in erster Linie vom Autoverkehr erzeugt wird.

Die Rede ist immer von geprellten Diesel-Fahrern. Aber: Wer bezahlt eigentlich den Schaden, der der Allgemeinheit durch die Dreckschleudern entsteht?

Gebetsmühlenartig wird die Bedeutung der Kfz-Industrie für Deutschland (und Österreich) betont. In Deutschland soll jeder siebente Arbeitsplatz an der Automobilindustrie hängen. Aber wieso rechtfertigt das ein Festhalten an umweltschädlicher Technologie? Würde es den Produzenten schaden, wenn sie Geld und Energie in die Entwicklung von leistungsstärkeren Akkus und die Effizienz von E-Mobilität stecken (und nicht mehr in betrügerische Software-Lösungen? Wie ist es möglich, dass es Dieselskandal und Fahrverbote nicht in die (Wahl-)Programme österreichischer Parteien schaffen – mit Ausnahme der Grünen?

Ex-Landeshauptmann Pröll hatte Fahrradunfall

Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll verletzt sich beim Radfahren

Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll verletzt sich beim Radfahren© APA (Archiv/Pfarrhofer) Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll verletzt sich beim Radfahren© APA (Archiv/Pfarrhofer)

Wie diese Woche bekannt wurde, hat sich Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll am vergangenen Samstag bei einem Fahrrad-Unfall verletzt. Der ÖVP-Politiker war mit seinem Rennrad gestürzt, nachdem er beim Anhalten seine Füße nicht rechtzeitig aus den Clip-Pedalen lösen konnte. Übrigens ein "klassischer" Rennradunfall – ich kenne kaum jemanden, der mit Klickpedalen fährt, dem das noch nie passiert wäre. Ungewöhnlich die schwerwiegenden Folgen von Prölls Umfaller: Er erlitt einen Beckenplatten- und einen Schambeinbruch.

Gedanken dazu:
Ich wusste gar nicht, dass Pröll ein begeisterter Radfahrer ist. Die langjährige Verkehrspolitik in Niederösterreich würde dies nämlich nicht vermuten lassen. Wird doch der Autoverkehr seit Jahrzehnten zulasten umweltfreundlicher Verkehrsmittel privilegiert. So lässt die Beschilderung und Wartung von Radstrecken oft sehr zu wünschen übrig. Vor allem aber fehlt es an einem durchgängigen Radwegekonzept, das Gemeinde-übergreifend umgesetzt wird. Auch die Anbindung niederösterreichischer Radverbindungen an das Wiener Radwegenetz ist äußerst mangelhaft.

Größte Radgarade der Welt

Fahrrad-Stellplätze beim Hauptbahnhof Utrecht. Jetzt bereits viele. Und mehr kommen dazu.

Fahrrad-Stellplätze beim Hauptbahnhof Utrecht. Jetzt bereits viele. Und mehr kommen dazu.© Matthias Bernold Fahrrad-Stellplätze beim Hauptbahnhof Utrecht. Jetzt bereits viele. Und mehr kommen dazu.© Matthias Bernold

Kürzlich berichtete mein Kollege Michael Ortner für die "Wiener Zeitung" über den Mangel an Fahrradstell-Plätzen in Wien und das zögerliche Ausbauprogramm, das dem tatsächlichen Bedarf nicht gerecht wird.

Wie man es besser machen kann, zeigt die niederländische Stadt Utrecht vor, wo gerade die weltweit größte Fahrrad-Garage errichtet wird. Unter dem Hauptbahnhof sollen auf einer Fläche von 17.100 Quadratmetern bis Ende 2018 12.500 Stellplätze zur Verfügung stehen, berichtet der britische "Guardian". Zum Vergleich: Beim neuen Hauptbahnhof Wien wurden 1.100 Stellplätze errichtet (Quelle: ÖBB).

200 Jahre Fahrrad

200 Jahre ist es her, dass Karl Drais das Ur-Fahrrad, die sogenannte Draisine, konstruierte. Aus diesem Anlass finden in Österreich zahlreiche Events statt. Zum Beispiel dieses sehenswerte Ausstellung auf Schloss Hollenburg bei Krems, über die ich diese Woche im Fahrrad-Blog Freitritt berichtet habe.

Einen historischen Rückblick auf aus heutiger Sicht kuriose Fahrrad-Typen wirft meine Kollegin Barbara Ottawa für die Zeitreisen, das Geschichtsfeuilleton der "Wiener Zeitung".

Leihräder-Sturm auf Wien

Bald Konkurrenz für Wiener Citybikes

© apa Bald Konkurrenz für Wiener Citybikes© apa

Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Wiener City Bike-Systemin die Jahre gekommen ist. Die Citybikes – in dieser Form betrieben seit dem Jahr 2002 – repräsentieren den technischen Stand zur Jahrtausendwende. Später eingeführte Leihradsysteme in anderen Städten sind dem Wiener System vor allem in Bezug auf Dichte der Stationen überlegen: Während etwa in Paris innerhalb eines Radius von zwei Kilometern durchschnittlich 120 Entlehn-Stationen zu finden sind, ist es in Wien nicht einmal ein Viertel davon. Auch verglichen mit Städten wie London, Sevilla oder Brüssel rangiert Wien mit durchschnittlich 31 Stationen im 2-Kilometer-Radius weit abgeschlagen. Mehr dazu in findet sich in diesem Bericht, den ich vor einigen Jahren für die Printausgab der "Wiener Zeitung" verfasst habe. Außerdem blieb der Ausbau des Wiener City-Bike-Systems in den innerstädtischen Bezirken stecken.

Kein Wunder also, dass mit Ofo und Obike zwei neue internationale Anbieter auf den Wiener Markt drängen. Beide Unternehmen arbeiten mit sogenannten offenen Systemen, das heißt sie benötigen keine fixen Stützpunkte mehr. Die Räder stehen irgendwo im öffentlichen Raum herum und werden mittels Handy-App und GPS lokalisiert bzw. aktiviert.

Vorteil: ein breiteres Mobilitätsangebot für Wien und hoffentlich ein Ansporn für die Gewista und die Bezirke, an der weiteren Verbesserung des Wiener Leihradsystems zu arbeiten.

Nachteil: Bald könnten die öffentlichen Radständer der Stadt mit den Leihrädern kommerzieller Anbieter überparkt sein. (Gut möglich auch, dass sich ein großer Teil der Leihräder in naher Zukunft im Donaukanal wiederfindet – dieses Schicksal war ein häufiges für viele Wiener Citybikes der ersten Generation, als es noch keine verriegelnden Ladestationen und keine Registrierung mit Kreditkarte gab.) Die Radlobby merkt weiters kritisch an, dass sich die "hunderte Leihräder ohne entsprechende Verschublogistik und Controlling an neuralgischen Punkten (z.B. Ubahn-Stationen) häufen werden und an anderer Stelle fehlen"

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Schlagwörter

Radwoche, Radfahren, Fahrrad, Freitritt

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-11 14:52:41
Letzte nderung am 2017-08-11 20:51:07



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