• vom 07.09.2017, 12:01 Uhr

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Update: 07.09.2017, 15:11 Uhr

Leihrad

Leihräder in Wien: Segen oder Fluch?




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Von Matthias G. Bernold

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Leihräder des chinesischen Anbieters Obike blockieren einen Radständer am Karlsplatz

Leihräder des chinesischen Anbieters Obike blockieren einen Radständer am Karlsplatz© Matthias Bernold Leihräder des chinesischen Anbieters Obike blockieren einen Radständer am Karlsplatz© Matthias Bernold

Jetzt ist also genau das eingetreten, wovor die Pessimisten gewarnt haben: Zahlreiche Radständer in der Stadt sind mit den Rädern der neuen Anbieter Ofo und Obike verstellt. Wer sein Rad abstellen möchte, findet oft keinen Platz mehr.

Sieben Gedanken dazu:

Information

Ärger mit Leihrädern?

Kontakt zur Mobilitätsagentur Wien. Diese nimmt Beschwerden entgegen und leitet sie an die Leihrad-Unternehmen weiter.

1. Richtig ärgerlich

Zunächst einmal: Ja, es ist richtig ärgerlich, wenn man keinen Platz findet, das Rad anzuhängen. Die neuen Leihräder haben die Situation in Wien verschärft. An manchen Orten stehen jetzt zwei Drittel Leihräder rum. Zum Beispiel am Karlsplatz vor der Aida (siehe Bild). Kontraproduktiv ist auch, dass die Räder mitunter Fußgänger behindern.

2. Zu wenige Stellplätze
Die Stellplatz-Situation war nicht zufriedenstellend, schon bevor die chinesischen Leihrad-Unternehmen nach Wien expandierten. Jetzt machen sie die Mängel der Infrastruktur noch deutlicher.

3. Klare vertragliche Regelung schaffen
Derzeit navigieren Leihräder und Leih-Pkw (etwa die Car-to-go-Flotte) in einem weitgehend rechtsfreien Raum. Laut Stadt Wien ist der Betrieb eines entsprechenden Gewerbes nicht genehmigungspflichtig. Verkehrsexperten wie Harald Frey von der TU fordern klare Regeln: Immerhin nutzen die Leihrad-Anbieter öffentliche Infrastruktur, um Geld zu verdienen. "Wir dürfen nicht vergessen, hier nutzt ein Privater Infrastruktur, die durch Vorleistungen der öffentlichen Hand, also Steuergelder, von uns allen errichtet wurde", wird Frey auf der ORF-Webseite zitiert: "Da wäre es natürlich sinnvoll, zu hinterfragen, ob nicht ein Rückfluss auch monetär für die Stadt passieren könnte."

4. Lasst sie Stellplätze errichten!
Wenn man die Aktivitäten der Leihrad-Anbieter als eine Art Private-Public-Partnership betrachtet – die Unternehmen schaffen einen Mehrwert für die Stadt, dafür verdienen sie im Gegenzug Geld  – wäre es naheliegend, ihnen als Gegenleistung Investitionen in die Rad-Infrastruktur abzuverlangen. Warum sie nicht an verschiedenen – strategisch günstigen – Orten in der Stadt Radanlagen errichten lassen?

5. Mehr Fahrräder sind grundsätzlich besser
Prinzipiell ist natürlich alles zu begrüßen, was die Nutzung des Fahrrades in der Stadt stärkt. Allerdings ist es kontraproduktiv, diejenigen zu verprellen, die nicht auf Leihrädern unterwegs sind.

6. Leihräder auf Kfz-Parkplätzen abstellen
Martin Blum, Wiens Fahrrad-Beauftragter, sagt gegenüber der "Wiener Zeitung", dass man sich derzeit die Lage einmal genau ansieht. Er ersucht Radfahrende, Missstände zu melden und gegebenenfalls Fotos zu schicken, damit auf die Anbieter der Leihräder eingewirkt werden kann. (In der Info-Box finden sich die entsprechenden Kontaktmöglichkeiten.) Noch ein interessanter Gedanke kommt von Blum: "Unser Ziel ist es, dass die Leihräder-Kunden die Räder auf den Kfz-Parkspuren abstellen." Was wenige Verkehrsteilnehmer wissen: Fahrräder dürfen laut StVO – ebenso wie Mofas und Motorräder – auf Parkspuren und Parkplätzen abgestellt werden.

7. Wer wirklich den Platz vergeudet
Noch ein wichtiger Gedanke: Rund 900.000 Kfz sind in Wien derzeit angemeldet. Die meisten von ihnen stehen in der Gegend herum, verstellen den öffentlichen Raum und rauben Platz, der besser verwendet werden könnte. Angesichts dieser Zahlen fallen die paar hundert Leihräder sicher nicht ins Gewicht...

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-07 12:02:20
Letzte nderung am 2017-09-07 15:11:00



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