
Wenn ich mich in meiner Wohnung so umsehe, ist eine gewisse Affinität zu Büchern nicht zu verleugnen. Besonders der Stoß neben dem Nachttischchen wächst und wächst. Bücher sind eben schneller gekauft als gelesen. Wie wünscht man sich da die Schul- und Studienzeiten zurück, in denen das Geschichten-Inhalieren noch so leicht zu bewerkstelligen war.
Meine Bücherwand ist grob thematisch geordnet. In den vergangenen zehn Jahren hat sich hier allerdings ein Themenfeld besonders breit gemacht: die jüdischen Bücher. Sie denken nun an religiöse Abhandlungen und theoretische Schriften? Aber nein! Es gibt so viele freche Auseinandersetzungen mit dem Thema Judentum. Erzählungen, Romane, Ratgeber.
Wie geht es dem russisch-jüdischen Einwanderer in die USA? Dem Aussteiger aus dem orthodoxen Judentum in New York? Oder der Israelin, die nach dem Armeedienst versucht, in Asien das Leben in vollen Zügen zu genießen? Letzteres wird in "Moomlatz oder Wie ich versuchte in Asien meine Unschuld zu verlieren" von Iris Bahr beantwortet. Sicher eher leichte Lektüre. Dahinter steht aber die Erfahrung von tausenden und abertausenden jungen Menschen, die nach den Jahren beim Heer zu sich selbst finden und schlicht einmal das Leben genießen wollen. Viele junge Israelis zieht es in dieser Lebensphase nach Indien, Nepal, Thailand.
Ja, natürlich, wenn Sie eine seriöse Einführung in das Judentum suchen, dann empfiehlt sich beispielsweise das Standardwerk "Wie Juden leben" von Israel M. Lau. Hier erfahren Sie alles über den Lebens- und Jahreskreislauf, Bräuche, Riten.
Sich einfach in verschiedene jüdische Lebenswelten und Identitäten einzulassen, vermittelt aber vielleicht stärker das, was wir Jüdischkeit nennen. Nein, der Begriff findet sich nicht im Online-Duden. Was man darunter versteht? Die vielen kleinen Dinge, die eine jüdische Identität eben ausmachen. Bei dem einen ist es das wöchentliche Familienessen am Freitag Abend, zu Schabbat-Eingang. Beim anderen die stärkende Hühnersuppe, die von der Mutter sofort gekocht wird, wenn man krank ist, oder das elterliche Pochen, dass die Kinder lernen, lernen, lernen.
Oft ist es ein Mosaik von vielen kleinen Dingen, von denen man später bei anderen jüdischen Erwachsenen merkt: ja, das macht(e) unsere Kindheit aus. Und unser Zugehörigkeitsgefühl. Hier erkennen wir uns wieder, entweder als observant, oder aber auch als säkular. Natürlich sehen diese Mosaike dann individuell immer verschieden aus.
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