• Artikel vom 22.02.2012, 14:56 Uhr

Jüdisch leben

Update: 22.02.2012, 17:04 Uhr
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Jüdisch leben

Laut und selbstbewusst


Von Alexia Weiss

Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.

Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.Paul Divjak Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.Paul Divjak

Während am Abend des gestrigen Faschingsdienstag im Bermudadreieck die Narren tanzten und das eine oder andere Glas zu viel tranken, herrschte daneben im Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien in der Seitenstettengasse fast schon feierliche Stimmung. In einer langen Rede verabschiedete sich Ariel Muzicant, der die Gemeinde 14 Jahre lang als Präsident anführte, von den Kultusvorstehern und den zahlreich erschienenen Gemeindemitgliedern. Er ließ noch einmal Revue passieren, was an Infrastruktur, an Einrichtungen geschaffen wurde, machte aber auch klar: möglich sei all das nur dadurch geworden, dass er nicht wie seine Vorgänger im Präsidentenamt versucht habe, sich mit der österreichischen Politik zu arrangieren. Dadurch, dass er hart blieb, laut wurde, auf den Tisch haute.

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Jahre lang habe er zuvor als Vizepräsident gesehen, wie Politiker mit den Anliegen von Juden umgehen. Habe erlebt, wie die Präsidenten Ivan Hacker (1982-1987) und Paul Grosz (1987-1998) versucht haben, mit der Öffentlichkeit umzugehen. Sogar die gut meinenden Politiker hätten gesagt, das gehe nicht in Österreich – egal, ob es um das Thema Restitution oder das Verbotsgesetz gegangen sei. Sein Fazit: wenn man in Österreich nicht auf den Tisch haue, passiere nichts. Für die Anliegen der Gemeinde lautstark zu kämpfen, sei daher der einzig richtige Weg gewesen.

Medial wurde Muzicant denn auch über die Jahre zunächst als Kämpfer um Entschädigungen (die Verhandlungen zwischen Österreich, den USA und Opferorganisationen mündeten im Jänner 2001 im Washingtoner Abkommen), dann als Speerspitze im Kampf gegen Rechtsextremismus und jene Vertreter der FPÖ, die sich nicht klar von der NS-Ideologie abgrenzen, dargestellt. Nach innen wirkte er vor allem als Macher: Es bestand der Bedarf an einem jüdischen Kindergarten, jüdischen Schulen, einem psychosozialen Zentrum? Muzicant fand einen Weg, dem Bedarf gerecht zu werden.

Und baute dafür ein Immobilienimperium auf, das kontinuierlich jene Mittel hereinbringen soll, welche die Kultusgemeinde zur Erhaltung ihrer sich stetig vermehrenden Einrichtungen benötigt. Zu Beginn seiner Präsidentschaft haben die Immobilien der IKG im Jahr 800.000 Euro abgeworfen – nun sind es 9,5 Millionen Euro, erwirtschaftet durch die Mieteinnahmen der inzwischen zu zwei Drittel sanierten IKG-Objekte.

Mittwoch Vormittag präsentierte sich Oskar Deutsch, in der abendlichen Sitzung mit 22 von 23 abgegebenen Stimmen (die Mandatare, die insgesamt acht Fraktionen angehören, demonstrierten damit eine in dieser Form nicht erwartete Geschlossenheit) zum Nachfolger Muzicants gekürt, in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit. Die erste Journalistenfrage: Wie werde sich Oskar Deutsch gegenüber den Freiheitlichen verhalten? Der neue Präsident schmunzelte. Die Frage war erwartbar gewesen. Die Antwort fiel denn auch klar aus: Die Linie des gesamten Kultusvorstands werde sich nicht ändern. Wenn es zu antisemitischen, aber auch fremdenfeindlichen Aussagen komme, werde man diese kritisieren, thematisieren. Er sehe es aber nicht als Ziel, hier federführend zu sein, "sondern Teil jener österreichischen Gesellschaft, die das nicht duldet".




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Dokument erstellt am 2012-02-22 14:57:27
Letzte Änderung am 2012-02-22 17:04:30


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