• vom 20.03.2012, 13:08 Uhr

Jüdisch leben

Update: 20.03.2012, 13:28 Uhr

Jdisch leben

Kinder!




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Von Alexia Weiss

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Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin. - © Paul Divjak

Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin. © Paul Divjak

Sonntag Vormittag: Flug nach Düsseldorf. In Duisburg fand an diesem Wochenende das "6. Fest des jüdischen Buches" statt und gemeinsam mit meiner Kollegin Marta Halpert, der Chefredakteurin des jährlich erscheinenden Magazins "Jüdisches Echo", sollte ich über neue Entwicklungen am jüdischen Mediensektor diskutieren. Wie in vielen anderen deutschen Städten wurde hier eine neue kleine Synagoge gebaut und im Gebäudeverbund ein Gemeindezentrum mit großem Veranstaltungssaal. Robert Schindel las aus "Man ist viel zu früh jung", Henryk Broder stellte sein neues Buch "Vergesst Auschwitz!" vor. Im Eingangsbereich brachte eine örtliche Buchhandlung erfolgreich Lesestoff mit jüdischem Bezug an das Publikum und im informellen Gespräch tauschte man Erfahrungen aus.

Wie religiös ist die Wiener Gemeinde? Wieviele Gemeindemitglieder kommen zu Rosch Haschana, dem jüdischen Neujahrsfest, in Duisburg in die Synagoge? Ist dann genug Platz für alle? Aber auch: Wie sieht es mit Sicherheit für die jüdischen Einrichtungen in Wien aus? Mauer und Sicherheitsschleuse für die neue jüdische Campus-Schule in Wien: Ist das wirklich nötig? Besser geschützt, als es passiert etwas und hinterher weiß man es dann besser, so meine Antwort.

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Montag Früh: Rückflug nach Wien. Das erste Telefonat mit einer Freundin nach der Ankunft in Schwechat bringt grauenvolle Nachrichten. Bei einem Anschlag auf eine jüdische Schule in Toulouse, Frankreich, wurden vier Juden getötet, darunter drei Kinder. Kinder! Ein dreijähriger Bub, sein sechsjähriger Bruder, ein achtjähriges Mädchen. Gezielt erschossen. Mir schnürt es bei solchen Nachrichten die Kehle zu. Schon vormittags kann ich es kaum erwarten, meine Tochter nachmittags aus dem Kindergarten abzuholen und fest zu drücken. Ein völlig unbegründetes Angstgefühl steigt hoch.

Wie es sich in Wien als Jude lebt, wurde der Schriftsteller Schindel in Duisburg gefragt. Schön sei es in Wien, grün, und nein, mit tätlichen Übergriffen müsse man nicht rechnen, so die Kurzfassung seiner Antwort. Aber war in Toulouse davon auszugehen?

Vor 30 Jahren, im August 1981, verübten palästinensische Terroristen einen Anschlag auf die jüdischen Einrichtungen in der Seitenstettengasse sowie um die Ecke am Desider Friedman-Platz. Zwei Gemeindemitglieder wurden dabei ermordet. An diesen schwarzen Tag erinnert seit dem Vorjahr eine Gedenktafel am Desider Friedman-Platz.

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Dokument erstellt am 2012-03-20 13:09:33
Letzte nderung am 2012-03-20 13:28:00



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