
Die Matzot stehen in der Küche bereit, die Fertigmischung für die Mazzeknödel ebenso, daneben die Schachtel mit den Schokoladematzot als Dessert. Das fertige Charosset ist im Kühlschrank untergebracht, die gekochten Eier ebenso. Der silberne Sederteller ist geputzt, der Kindersederteller gewaschen, die Haggadot liegen bereit. Denn heute Abend feiern wir den ersten Seder. Mit dem Seder beginnt das einwöchige Pessachfest.
Meine Familie feiert Pessach in einer Art Minimalvariante: es geht mehr um die Symbolik, um das Vermitteln der Pessachgeschichte, darum, sich zu erinnern. Wären wir religiös, hätten wir in den vergangenen Tagen geputzt und geputzt und geputzt. Zu Pessach erinnert man sich an das schwere Leben der Juden in Ägypten, die Plagen, die Gott über das Land kommen ließ, die Auseinandersetzungen mit dem Pharao. Und schließlich an den Auszug aus dem Land der Pyramiden. Auf Grund des raschen Aufbruchs konnte damals der Erzählung nach nur ungesäuertes Brot gebacken werden.
Deshalb isst man zu Pessach nichts Gesäuertes, auf Hebräisch Chametz genannt. Gesäuertes, das ist Weizen, Gerste, Roggen, Hafer oder Dinkel, der oder die mindestens 18 Minuten mit Wasser in Berührung gekommen ist. Statt Brot werden also Mazze, das sind dünnes knäckebrotartige Scheiben, gegessen, und Nahrungsmittel wie herkömmliche Kuchen oder Nudeln stehen nicht auf dem Speiseplan.
In observanten Haushalten werden diese Dinge zu Pessach allerdings nicht nur nicht verzehrt – sie müssen auch vor Beginn des ersten Seders konsumiert oder aus der Wohnung entfernt werden. In der Küche befinden sich nur mehr Produkte, die "koscher le Pessach" sind – die also den speziellen Pessach-Speisevorschriften entsprechen. Daher muss zuvor auch intensiv geputzt werden: In keiner Küchenlade, in keinem Kasten, in der ganzen Wohnung darf sich kein Chametz mehr befinden. Selbst Jackentaschen werden nach Brotkrümeln abgesucht, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dort welche zu finden – außer vielleicht bei kleinen Kindern.
Nach dem Putzen kommt das Vorbereiten: Wer über keine eigene Pessach-Küche verfügt, und das ist die überwiegende Mehrheit, auch unter religiösen Juden, legt die Küchenkästen, die Regale, den Herd mit Alufolie aus. So geht man auf Nummer sicher, dass das Pessachgeschirr – ein Service, das nur für koscher-le-Pessach-Speisen zum Einsatz kommt – nicht mit Chametz in Berührung kommt. Auch die Abwasch wird oft mit Folie ausgekleidet und dann zwei Plastikschüsseln hineingestellt, in dem man die milchigen beziehungsweise fleischigen Pessach-Teller abwäscht.
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