• vom 19.04.2012, 14:00 Uhr

Jüdisch leben

Update: 20.04.2012, 11:42 Uhr
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Jüdisch leben

Von hinten erschossen


Von Alexia Weiss

Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.

Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.Paul Divjak Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.Paul Divjak

Eines der ersten Bilder, das mir heute beim Einstieg auf Facebook ins Auge stach, war eine unscharfe Schwarz-Weiß-Aufnahme, ins Netz gestellt von "Jews News": Eine Person (wahrscheinlich ein Mann) hält ein kleines Kind schützend im Arm, hinter ihm steht ein Soldat (beziehungsweise ein Mann in Uniform) und zielt mit einem Gewehr auf seinen Kopf. Es sind Bilder wie diese, die ganz, ganz schwer auszuhalten sind. Die Szene hat sich während des NS-Terrors ereignet – und sich so oder so ähnlich sicher nicht nur einmal abgespielt.

Die "European Union of Jewish Students" hat auf ihrem Online-Auftritt aktuell das Bild eines kleinen Buben, der lachend am Boden hockt, veröffentlicht. Überschrift: "My name is Aaron & this could be my life … If they didn’t bring me to Auschwitz". Mit 18 hätte er sein Medizinstudium an einer guten Universität begonnen haben können, mit 19 heiraten, mit 23 zum ersten Mal Vater werden. Mit 70 hätte schließlich die Pension beginnen können, was Zeit für die acht Enkelkinder bedeutet hätte. "Never forget never again", so die fett gedruckte Botschaft am Ende des Sujets.

Niemals wieder: dieser Slogan gilt an jedem Tag des Jahres, doch heute noch ein klein wenig mehr. Denn heute wird in Israel der Jom HaSchoa begangen. 2005 wurde von den Vereinten Nationen der 27. Jänner offiziell zum internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt. Dabei gedenkt man weltweit der sechs Millionen Opfer des Nationalsozialismus. Wobei ich persönlich diese oft gebrauchte Floskel als fast schon zu verharmlosend finde. Sechs Millionen Menschen wurden ermordet. Aber auch jene, die verfolgt wurden und überlebt haben, waren und sind Opfer dieses Terrorregimes – viele von ihnen schwer traumatisiert, die ihre Traumata, wie Psychologen heute wissen, auch an ihre Kinder und Kindeskinder weitergegeben haben. Von den 198.000 heute noch in Israel lebenden Holocaust-Survivors lebt die Hälfte heute verarmt und vereinsamt. Die israelische Regierung hat hier nun die finanzielle Hilfe für diese Menschen auf 45 Millionen Euro im Jahr aufgestockt.

Den Jom HaSchoa, der jeweils am 27. Tag des jüdischen Monats Nisan begangen wird und heuer eben auf den heutigen 19. April fällt, feiern die Israelis seit 1951. Der Jom HaSchoa (Jom bedeutet auf Hebräisch Tag) hat also eine wesentlich längere Tradition als der von den Vereinten Nationen ausgerufene Gedenktag  – und wird auch in vielen Diaspora-Gemeinden begangen. Der große Unterschied zum internationalen Holocaust-Gedenktag liegt darin, dass man nicht nur der Opfer gedenkt, sondern auch jene feiert, die Widerstand geleistet haben, wie etwa beim Aufstand im Warschauer Ghetto 1943.




Schlagwörter

Holocaust, Judentum

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-19 14:00:53
Letzte Änderung am 2012-04-20 11:42:25


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