
Es kommt ja nicht so oft vor, dass man etwas liest und angesichts dessen, was da geschrieben steht, anfängt, richtig laut und unbeschwert und ohne nachzudenken loszulachen. Gestern abend las ich folgende Frage: "Wie groß werden Juden?". Und dann noch diese hier: "Kann ich als Österreicher auch Jude werden?"
Ich zum Beispiel bin ja nicht sehr groß. Aber ich habe eine jüdische Freundin, die ist noch kleiner als ich. Und dann gibt es wieder Jüdinnen, die mich um Kopfeslänge überragen.
Und was die Kategorien Österreicher und Juden betrifft: ich bin beides. Viele andere auch. Wenn man über diese Frage nachdenkt, muss ich ja zugeben, dann vergeht einem das Lachen doch gleich wieder. Warum wird hier von vielen immer noch im Entweder-oder-Modus gedacht? Denn diese Frage impliziert ja auch schon wieder einen Ausschluss. Können Juden keine Österreicher sein? Oder anders: sind Juden keine richtigen Österreicher?
Fragen über Fragen. Nachlesen kann man diese und andere derzeit auf der Seite www.wasSieschonimmerueberJudenwissenwollten.at . Da kommt Ihnen Woody Allen in den Sinn? Ja, diese Assoziation ist durchaus angebracht. Denn auch die Ausstellungsmacher dachten wohl unter anderem an den Film "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten". Welche Ausstellungsmacher? Die vom Jüdischen Museum Hohenems. Seit Ende März ist dort die Schau "Was sie schon immer über Juden wissen wollten
aber nie zu fragen wagten" zu sehen. Im Begleitprogramm wird auch Allens filmischer Blick auf Keuschheitsgürtel, Spermien und monströse Killer-Busen gezeigt (8. und 26. Mai, jeweils um 20.30 Uhr, Spielboden Dornbirn).
Das von Hanno Loewy geführte Museum in Vorarlberg schafft es seit Jahren immer wieder, mit Ausstellungen weit mehr Menschen zu erreichen, als die Schau vor Ort tatsächlich ansehen. Vehikel dazu sind Projekte, welche die einzelnen Ausstellungen begleiten. Vor zwei Jahren etwa, als es in Hohenems unter dem Titel "Ganz rein!" um die Mikwe, das rituelle Tauchbad, ging, da schufen Direktor Loewy und Ausstellungskurator Hannes Sulzenbacher den Internet-Radiosender "Radio Mikwe". Dabei wurde der Kommunikationsort Mikwe in das akustische Medium transferiert und vielfach tabuisierte Themen wurden mitunter auch durchaus kontroversiell abgehandelt. Beispiele für solche Tabuthemen innerhalb des Judentums sind zum Beispiel Mischehen und der Übertritt zum Judentum.
Parallel zur aktuell laufenden Schau beantworten Loewy und sein Team nun in einem Blog Fragen zum Judentum. Gefragt werden kann alles, was einem in den Sinn kommt. Was dieses Projekt auszeichnet: jede Frage wird ernst genommen, manches aber doch mit einem Schuss Humor beantwortet, ohne den Fragesteller wirklich bloßzustellen.
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