Bunte Luftballons, koscherer Sekt, Musik von der oberösterreichischen Band "Stelzhammer", wie etwa das Stück "Der Marsch der Antifaschisten": Dienstag Nachmittag war Feiern angesagt am Heldenplatz – Feiern, dass die NS-Herrschaft am 8. Mai vor 67 Jahren ein Ende fand. Bevor deutschnationale Burschenschafter in der Dämmerung ihr seit 2002 alljährlich vor der Krypta abgehaltenes "Totengedenken" abhielten – übrigens entstanden aus Protest gegen die Wehrmachtsausstellung –, gehörte der Teil des Platzes vor der Hofburg, der nicht von der Polizei abgeriegelt worden war, dem Bündnis "Jetzt Zeichen setzen" (www.jetztzeichensetzen.at). Diesem gehören unter anderen die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien, die Grünen, die SPÖ, die Katholische Aktion, SOS Mitmensch, der Republikanische Club, die GPA-Jugend oder die Österreichisch-Israelische Gesellschaft an.

Die IKG hatte für diese Feierstunde im Vorfeld massiv mobilisiert: über die jüdischen Jugendorganisationen ebenso wie über die Jüdischen Österreichischen HochschülerInnen (JÖH) und die einzelnen politischen Gruppierungen innerhalb der Gemeinde. Und so fanden sich ab 17 Uhr Vertreter vieler verschiedener Fraktionen ein, um hier den Heldenplatz nicht den Deutschnationalen zu überlassen: Vertreter der Bucharen ebenso wie des Bundes sozialdemokratischer Juden, der derzeit größten Fraktion im Kultusvorstand, Atid, oder der neuen Gruppierung Chaj. Jugendliche schwenkten israelische Fahnen. Der Oberrabbiner mischte sich ebenso unters Gemeindevolk wie Oberkantor Shmuel Barzilai.
Wenn sich hunderte Gemeindemitglieder zu solch einem Ereignis versammeln, dann ist es der jüdischen Gemeinde auch wirklich ein Anliegen. Hier geht es darum, im allgemeinen Verständnis der österreichischen Gesellschaft zu verankern, dass Österreich nicht mit dem Abzug des letzten Besatzungssoldaten frei war – sondern mit der Kapitulation des NS-Unrechtsregimes in der Nacht auf den 8. Mai 1945.
Ehrenpräsident Ariel Muzicant, der vergangenes Jahr in der Krypta einen Kranz für die Opfer des NS-Regimes, aber auch die Helden, die sich dagegen aufgelehnt hatten – Widerstandskämpfer, Wehrmachtsdeserteure, Partisanen – niedergelegt hatte, nahm auch heuer an der Feier am Heldenplatz teil. Zum Mikrofon griff aber sein Nachfolger an der Spitze der jüdischen Gemeinde Wiens, IKG-Präsident Oskar Deutsch. Muzicant trat während seiner IKG-Präsidentschaft stets massiv gegen Rechts auf.
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