
Begräbnisse sind grundsätzlich keine angenehme Sache und so bin ich froh, dass ich in meinem bisherigen Leben noch nicht allzu vielen beiwohnen musste. Doch diese Woche war es leider wieder einmal so weit - Gott sei Dank kein junger Mensch, aber für den Tod war es am Ende für die, die sich nun an den Verstorbenen erinnern, ihn betrauern, immer viel zu früh. Es war ein christliches Begräbnis, und hier wird er doch offenbar: der große Unterschied in den Traditionen zwischen Judentum und Christentum. Mag die eine aus der anderen Religion hervorgegangen sein – der Umgang mit den Toten ist doch ein gänzlich anderer.
Inwiefern ist aber nun das jüdische Begräbnis, das Trauern so anders? Es beginnt mit dem Zeitpunkt des Begräbnisses. Am Land findet ein katholisches Begräbnis innerhalb einiger Tage statt, in Wien kann es auch etwas länger dauern. Wenn ein Jude, eine Jüdin verstirbt, soll dagegen alles rasch gehen: Die Beerdigung findet idealerweise am selben, sonst am nächsten Tag statt, spätestens jedoch am dritten Tag – dann etwa, wenn nahe Familienangehörige erst aus dem Ausland anreisen müssen. Parten zu verschicken ist daher nicht üblich. Die Verständigung erfolgt über Telefonketten und natürlich bedient man sich heute auch der neuen Kommunikationswege SMS und Email.

Wird dies von den Verwandten gewünscht oder handelt es sich um eine gemeindeintern sehr bekannte Person, verschickt auch das Mitgliederservice der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien eine Mail-Nachricht und gibt Ort und Zeit des Begräbnisses bekannt. Und dann fährt man hinaus, zum 4. Tor des Zentralfriedhofs, wo heute fast alle jüdischen Beerdigungen in Wien vorgenommen werden.
Schwarze Kleidung muss dabei weder sein noch ist sie üblich, und auch die Blumen in der Hand, der bestellte Kranz, das Bouket, sie fehlen meist. Sich mit floralen Zierwerken zu verabschieden ist zwar nicht verboten, aber ebenfalls nicht üblich, zumindest nicht in der aschkenasischen Tradition. Vereinzelt sieht man aber auch in Wien schon mit Blumen geschmückte Gräber – in dieser Art verziert durch Zuwandererfamilien aus der ehemaligen Sowjetunion, die sich hier wiederum in der alten Heimat den einen oder anderen Brauch von der dort lebenden Mehrheitsgesellschaft abgeschaut haben.
Pomp wird man bei einem jüdischen Begräbnis insgesamt nicht antreffen: Die jüdische Tradition hält sich im Umgang mit Verstorbenen an Bescheidenheit. Bevor der Körper des Verstorbenen in den Sarg gelegt wird, wird er gewaschen (Tahara) und dann mit dem Leichengewand (diese Gewänder nennt man Tachrichim) bekleidet. Das Leichengewand ist meist aus Leinen oder Baumwolle genäht und heute immer weiß, was allerdings erst seit dem 16. Jahrhundert so ist. Zuvor waren auch andere Farben möglich. Die Tradition, alle Juden in gleichem Gewand zu beerdigen, ist freilich viel älter. Vor 1.800 Jahren wurde sie von Rabbiner Gamliel begründet. Die Botschaft: vor Gott sind Arme und Reiche gleich.
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