
Die antiken Festspiele von Olympia wurden in der Neuzeit 1894 als Olympische Spiele wiederbegründet. Seit 1896 finden sie alle vier Jahre statt, seit 1924 zudem auch im Winter. Mitte der 1990er Jahre entschloss man sich, die Spiele alternierend alle zwei Jahre im Sommer beziehungsweise Winter abzuhalten. Der erste österreichische Olympiasieger war übrigens Jude: der Schwimmer Paul Neumann errang 1896 Gold im 500 Meter Freistil-Bewerb.
Bei den Spielen geht es um den sportlichen Wettkampf, das Erreichen von Siegen und Rekorden. Der olympische Gedanke impliziert aber viel mehr: es geht auch um die Völkerverständigung, um dieses große internationale Get-together von Sportlern aus aller Welt. Um diesen Aspekt scheint sich allerdings niemand zu scheren, wenn es Israelis betrifft. Diesen Eindruck hat man derzeit jedenfalls, wenn man sich in den sozialen Netzwerken umsieht. Die Empörung, auch unter österreichischen Juden, ist groß. Worüber sich die Community aufregt?
Vor 40 Jahren, 1972, schrieben sich palästinensische Terroristen in die Olympia-Geschichte ein. Die Terrororganisation "Schwarzer September" nahm während der damaligen Spiele in München elf Sportler der israelischen Mannschaft als Geiseln. Zwei wurden sofort getötet, alle anderen kamen bei dem gescheiterten Befreiungsversuch der deutschen Behörden ums Leben. Bei der Organisation im Vorfeld unterstützt worden waren die Terroristen übrigens durch deutsche Neonazis, wie "Der Spiegel" vergangenen Juni enthüllte (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/muenchen-1972-deutsche-neonazis-halfen-olympia-attentaetern-a-839309.html).
Das Attentat war Stoff für einige Filme. Mitte der 2000-er Jahre nahm sich auch Starregisseur Steven Spielberg des Themas an. Seine fiktive Erzählung, angelegt als Remake des Mitte der 1980er Jahre von Michael Anderson gedrehten Streifens "Gideons Schwert", trägt den schlichten Titel "München" (http://www.imdb.de/title/tt0408306/). Spielberg zeigt, wie hier eine Einheit des israelischen Geheimdienstes Mossad einen Verantwortlichen für das Münchner Attentat nach dem anderen aufspürt und tötet. Der Film sorgte für weltweit mediales Interesse an den historischen Begebenheiten (der Mossad hat in Wirklichkeit nicht so agiert, wie in dem Streifen dargestellt). Doch nun, 40 Jahre danach, kehrt man das Massaker lieber unter den Tisch.
Eine Schweigeminute bei den heurigen Spielen, die am 27. Juli in London beginnen, das wünscht sich Israel. Aber das Internationale Olympische Komitee (IOC) unter der Präsidentschaft von Jacques Rogge hat abgewunken. Warum? Die "Frankfurter Allgemeine" schrieb dazu am 21. Mai unter dem Titel "Im Minenfeld Olympias": "Es ist nicht das erste Mal, dass von israelischer Seite nach der Gedenkminute verlangt wird, aber bisher konnte das IOC breitere Diskussionen um seine Weigerung vermeiden. Nun, da der Einfluss des arabischen Geldes im Weltsport immer weiter wächst und einige diese Länder regelmäßig die Belastbarkeit der olympischen Ideale austesten, gewinnt das Thema allerdings an Brisanz."
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