• vom 31.08.2012, 08:23 Uhr

Jüdisch leben

Update: 31.08.2012, 08:35 Uhr
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Jüdisch leben

Raue Wahlkampftöne


Von Alexia Weiss

Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.

Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.Paul Divjak Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.Paul Divjak

Urlaubszeit ist Lesezeit und so ist auch in diesem Sommer der Bücherstapel neben meinem Nachtkästchen wieder geschrumpft. "What we talk about when we talk about Anne Frank" von Nathan Englander ist eine Empfehlung – zumal diese Kurzgeschichtensammlung diesen Herbst auch in deutscher Übersetzung erscheint. Schräg kommen die einzelnen Episoden daher, mit unerwarteten Wendungen und oftmals einem Ende, das einen mit der Frage zurücklässt: soll ich schmunzeln oder ist das jetzt eher nicht okay? Worum es geht: die Frage der political correctness. Denn in Englanders Geschichten, die allesamt in jüdischem Milieu angesiedelt sind, kommen die Charedim, also die strikt orthodox lebenden Juden, alles andere als gut weg.

Nächste Lektüre: Mira Magéns "Die Zeit wird es zeigen". In diesem Roman schildert die israelische Autorin, wie eine säkular lebende Familie Schicksalsschläge meistert. Die älteste Tochter ist durch einen Sauerstoffmangel bei der Geburt motorisch beeinträchtigt – nun fällt auch noch der Sohn nach einem Sturz ins Koma. Eine feinfühlig erzählte Geschichte, die einem am Ende mit dem Wunsch erfüllt, sein Leben radikal zu ändern. Was aber auffällt: auch hier gibt es massive Kritik am orthodoxen Lebensstil, vor allem aber an der Siedlerbewegung.

Was Englander und Magén hier über einzelne Figuren an Kritik an der Orthodoxie formulieren: mich beschäftigt nun, ob das auch einem deutschsprachigen Autor möglich wäre. Oder wirkt auch hier die Schere im Kopf: Orthodoxe Juden sind unangreifbar, weil man sonst Antisemiten in die Hände spielt? Um es gleich klarzustellen: ich habe kein Bedürfnis, die Orthodoxie an den Pranger zu stellen. Es sind bloß sommerliche Gedankenspiele. Können jüdische Autoren außerhalb des deutschen Sprachraums freier schreiben?

Nach Wien zurückgekehrt, holt einen die Realität allerdings sowieso wieder sofort ein. Der Wahlkampf – im November wird der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien neu gewählt – produziert raue Töne. Per Postwurfsendung, Mails, Facebook-Statusmeldungen liefern sich vor allem die Fraktionen "Atid" (Hebräisch: Zukunft), der der amtierende IKG-Präsidenten Oskar Deutsch angehört (www.atid.at), sowie die neue Liste "Chaj – Jüdisches Leben" des Psychoanalytikers Martin Engelberg (www.chaj.at) Wortgefechte.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-31 08:24:07
Letzte Änderung am 2012-08-31 08:35:37


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