• vom 05.10.2012, 15:41 Uhr

Jüdisch leben

Update: 05.10.2012, 15:44 Uhr
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Jüdisch leben

Hüttenfeeling


Von Alexia Weiss

Die Laubhütte wird nur abgedeckt, wenn niemand drinnen ist.

Die Laubhütte wird nur abgedeckt, wenn niemand drinnen ist.WZ Online / Alexia Weiss Die Laubhütte wird nur abgedeckt, wenn niemand drinnen ist.WZ Online / Alexia Weiss

Im jüdischen Jahreskreis geben einander die Feiertage im Spätsommer und Frühherbst die Klinke in die Hand: auf Rosch HaSchana, das jüdische Neujahr, folgt Jom Kippur, der Versöhnungstag, und diese Woche gibt es schon das nächste Fest: Sukkot.

Eine Sukka ist eine Laubhütte. Observante Juden verbringen während des einwöchigen Fests möglichst viel Zeit in ihrer Sukka und erinnern sich dabei an den Auszug aus Ägypten, als die Israeliten kein festes Dach über dem Kopf hatten. Das besondere an einer Laubhütte ist denn auch, dass sie kein Dach hat, sondern mit Ästen und Stroh gedeckt ist. Aufgestellt wird sie in Höfen, auf Balkonen und Terrassen und auch Dächern, denn sie muss eben unter freiem Himmel stehen.

In vielen jüdischen Gemeinden gibt es eine Gemeinschaftssukka, so auch in Wien, wo man diese Woche jeden Tag in der Laubhütte im Stadttempel essen, feiern, Leute treffen kann. Aber in den Hinterhöfen im zweiten und zwanzigsten Bezirk findet sich auch so manche private Sukka.

Wenn ich aus meinem Fenster in den Hof sehe, schaue ich derzeit auf eine blaue Plastikplane. Sie bedeckt die Hütte lieber Nachbarn, schützt vor Regen, wenn gerade niemand drinnen sitzt. Wird sie aber benutzt, wird das Plastik abgerollt und frei wird der Blick auf den Himmel.

In unseren Breiten beschränkt sich die Aktivität in der Hütte meist auf das Einnehmen von Mahlzeiten. Besonders religiöse Juden übernachten auch in der Hütte. Doch hierorts wird es ja mitunter schon recht kühl in der Nacht. In Israel dagegen herrschen noch angenehme Temperaturen.

Das Kind hat auch dieses Jahr wieder gezeichnet und gezeichnet – denn Aufgabe der Kinder ist es, die Hütte zu schmücken. Ein anderer Brauch, eigentlich eine Mitzwa – also ein Gebot, ist es, drei bestimmte Zweige und eine Frucht – "die vier Arten" - zu schütteln und zeigt damit auch den Aspekt eines Erntedankfests auf. Die vier Gewächse haben zudem eine ganz bestimmte Symbolik.
Ein Etrog ähnelt einer Zitrone. Sie steht für Juden, die regelmäßig die Tora studieren und auch die Mitzwot, also die Gebote, erfüllen. Der Palmzweig (Lulaw) steht für jene, die sich zwar in der Tora auskennen, sich aber nicht durch gute Taten auszeichnen. Die Myrte (Hadassim) symbolisiert Juden, die viel Gutes tun, aber die Tora nicht studieren. Bachweiden (Arawot) schließlich repräsentieren jene, die sich weder für die Tora noch für die Gebote interessieren. Bachweiden haben auch weder Geruch noch Geschmack, während beispielsweise die Myrte gut riecht, aber nach nichts schmeckt und der Palmenzweig wiederum süße Früchte, die Datteln, trägt, aber nach nichts riecht. Der Etrog aber riecht und schmeckt gut.

Und die Quintessenz dieses Brauchs? Hier wird die Einheit des jüdischen Volkes aufgezeigt. Und so freuen wir uns auch alle Jahre wieder, wenn wir als säkular lebende Juden von observanteren in ihre Hütten eingeladen werden. Ja, das verbindet.

Kaum geht Sukkot am Sonntag zu Ende, folgt zu Wochenbeginn das nächste Fest: Simchat Tora, das Torafreudenfest. Abgeschlossen wird dabei der jährliche Zyklus des Toralesens – und sofort wieder mit dem Lesen des ersten Abschnitts begonnen. In der Synagoge werden dabei alle Torarollen aus dem Schrein geholt und in fröhlichen Umzügen durch den Raum getragen.




Schlagwörter

Alexia Weiss, Sukkot

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-05 15:42:38
Letzte Änderung am 2012-10-05 15:44:25


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