
Miethaie sind in einer Stadt wie Wien, in der mehr Menschen zur Miete wohnen als im Eigenheim, ständiges Thema. Aktuell geistern die Machenschaften eines Herrn M. durch die Medien. Die Praktiken, die hier geschildert werden, sind – wenn es sich tatsächlich so verhält - menschenverachtend und inakzeptabel. Herr M. ist allerdings nicht nur in der Immobilienbranche tätig, er ist auch Jude und in der bucharischen Gemeinde der Wiener jüdischen Gemeinde als Wohltäter bekannt. Diesen Umstand arbeitete eine Wochenzeitung umfangreich in ein Porträt des Herrn M. ein. Eine Woche später monierte ein Leserbriefschreiber, hier den religiösen Background in eine Verbindung mit den kriminell anmutenden Machenschaften zu bringen, das sei antisemitisch.
Nun, ist es das? Der Ausgang der Gespräche mit jüdischen Freunden und Bekannten, die ich dazu geführt habe, brachte kein klares Bild zu Tage. Die einen meinten, man geniere sich, wenn man lese, wie dieser Herr mit seinen Mietern umgehe. Andere sagten, klar, das ist antisemitisch, welches Medium würde es interessieren, wenn der Herr ein regelmäßig an Sonntagen in die Kirche Gehender wäre? Auch das könnte man dann ja berichten, meinten wieder andere, nur: würden die Medien das auch tun?
Meine Meinung? Ich bin gespalten. Aus journalistischer Sicht ist es interessant einen Menschen darzustellen, der im beruflichen Umfeld offenbar völlig anders agiert als im privaten. Aus jüdischer Perspektive ist es mehr als unangehm, so eine Nur-auf-den-Profit-aus-sein-Geschichte aufgetischt zu bekommen, in der ein Jude eine zentrale Rolle spielt.
Unangenehm. Aber ist es auch antisemitisch? Antisemitisch wäre es dann, wenn der Autor des Textes Passagen miteingeflochten hätte, die nahelegen, dass alle jüdischen Vermieter sich so verhalten, dass ein solches Vorgehen typisch sei für das jüdische Verständnis des Geschäftemachens oder ähnliches. Aber dem war ja nicht so.
Also nein: ich denke, dass muss man als jüdische Gemeinde auch aushalten, dass einmal über ein schwarzes Schaf berichtet wird. Aber natürlich kann und muss man sich von einem solchen Vorgehen distanzieren. Miethaie, die Häuser kaufen, Mieter herausekeln, um entweder höhere Mieteinnahmen zu lukrieren oder die Wohnungen bestandsfrei teuer weiterzuverkaufen, lehne ich ab, egal welche Religions- oder ethnische Zugehörigkeit sie haben.
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