• vom 12.10.2012, 11:47 Uhr

Jüdisch leben

Update: 12.10.2012, 11:59 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Jüdisch leben

Was ist zumutbar?


Von Alexia Weiss

Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.

Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.Paul Divjak Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.Paul Divjak

Miethaie sind in einer Stadt wie Wien, in der mehr Menschen zur Miete wohnen als im Eigenheim, ständiges Thema. Aktuell geistern die Machenschaften eines Herrn M. durch die Medien. Die Praktiken, die hier geschildert werden, sind – wenn es sich tatsächlich so verhält - menschenverachtend und inakzeptabel. Herr M. ist allerdings nicht nur in der Immobilienbranche tätig, er ist auch Jude und in der bucharischen Gemeinde der Wiener jüdischen Gemeinde als Wohltäter bekannt. Diesen Umstand arbeitete eine Wochenzeitung umfangreich in ein Porträt des Herrn M. ein. Eine Woche später monierte ein Leserbriefschreiber, hier den religiösen Background in eine Verbindung mit den kriminell anmutenden Machenschaften zu bringen, das sei antisemitisch.

Werbung

Nun, ist es das? Der Ausgang der Gespräche mit jüdischen Freunden und Bekannten, die ich dazu geführt habe, brachte kein klares Bild zu Tage. Die einen meinten, man geniere sich, wenn man lese, wie dieser Herr mit seinen Mietern umgehe. Andere sagten, klar, das ist antisemitisch, welches Medium würde es interessieren, wenn der Herr ein regelmäßig an Sonntagen in die Kirche Gehender wäre? Auch das könnte man dann ja berichten, meinten wieder andere, nur: würden die Medien das auch tun?

Meine Meinung? Ich bin gespalten. Aus journalistischer Sicht ist es interessant einen Menschen darzustellen, der im beruflichen Umfeld offenbar völlig anders agiert als im privaten. Aus jüdischer Perspektive ist es mehr als unangehm, so eine Nur-auf-den-Profit-aus-sein-Geschichte aufgetischt zu bekommen, in der ein Jude eine zentrale Rolle spielt.

Unangenehm. Aber ist es auch antisemitisch? Antisemitisch wäre es dann, wenn der Autor des Textes Passagen miteingeflochten hätte, die nahelegen, dass alle jüdischen Vermieter sich so verhalten, dass ein solches Vorgehen typisch sei für das jüdische Verständnis des Geschäftemachens oder ähnliches. Aber dem war ja nicht so.

Also nein: ich denke, dass muss man als jüdische Gemeinde auch aushalten, dass einmal über ein schwarzes Schaf berichtet wird. Aber natürlich kann und muss man sich von einem solchen Vorgehen distanzieren. Miethaie, die Häuser kaufen, Mieter herausekeln, um entweder höhere Mieteinnahmen zu lukrieren oder die Wohnungen bestandsfrei teuer weiterzuverkaufen, lehne ich ab, egal welche Religions- oder ethnische Zugehörigkeit sie haben.




Schlagwörter

Judentum, Antisemitismus

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-12 11:48:19
Letzte Änderung am 2012-10-12 11:59:56


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Dem jungen Mann, der an der Med-Uni Graz nicht jene Lehrveranstaltungen besuchen konnte, die ihm einen rascheren Studienabschluss ermöglicht hätten...weiter

Neulich hat ein Jungjournalist mit türkischen Wurzeln einen Auftrag für eine Geschichte abgelehnt. Sein Argument: Er wolle nicht in die...weiter

Karlheinz Kopf ist Klubobmann der ÖVP.
  • Der Staat muss die richtigen Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass es jeder durch Arbeit und Leistung zu Wohlstand bringen kann.
  • weiter

Annelies Vilim ist Geschäftsführerin des Dachverbands AG Globale Verantwortung (www.globaleverantwortung.at; www.mirwurscht.org).
  • Am 22. Mai stimmt der Nationalrat über das von der Bundesregierung vorgelegte Bundesfinanzrahmengesetz 2014 bis 2017 ab.
  • weiter

Zum Gastkommentar von Cho Hyun, 17. April Kühlere Köpfe und rationalere Entscheidungen Die koreanische Halbinsel ist weiter im Bann einer äußerst...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Walter Hämmerle. Wenn vier Wahlgänge innerhalb weniger Wochen zu schlagen sind, ist es naheliegend, dass anschließend die große Suche nach Gewinnern und Verlierern...weiter

Clemens M. Hutter war Ressortchef Ausland der "Salzburger Nachrichten".
  • Karl Marx’ klassischer Befund betrifft nicht den Intelligenzquotienten, sondern die Immunisierung eines Vorurteils gegen "unpassende" Fakten.
  • weiter

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".
  • Hier handelt es sich um zwei Begriffe mit leicht divergierenden Bedeutungen, wobei Shoah immer häufiger verwendet wird.
  • weiter

Reinhard Göweil Die "Westliche Honigbiene" (im Titel ihre wissenschaftlich korrekte Bezeichnung) ist ein Symbol für Fleiß und die Bildung eines arbeitsamen...weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

20.5.2013: Ein tibetischer Mönch hält ein Schild neben einem Plakat, das Gedhun Choekyi Nyima, den elften Penchen Lama zeigt, der vom Dalai Lama anerkannt wird. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung