• vom 30.10.2012, 13:01 Uhr

Jüdisch leben

Update: 30.10.2012, 13:10 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Jüdisch leben

Gartenschere einpacken


Von Alexia Weiss

Der Währinger Friedhof ist baufällig.

Der Währinger Friedhof ist baufällig.Alexia Weiss Der Währinger Friedhof ist baufällig.Alexia Weiss

Jüdische Gräber werden für die Ewigkeit angelegt – und die kleine jüdische Nachkriegsgemeinde konnte die tausenden und abertausenden Gräber, die teils sogar bis ins Mittelalter zurückdatieren, nicht pflegen. Nun ist man langsam dabei, die Friedhofsanlagen mit Unterstützung der öffentlichen Hand instandzusetzen.

Werbung

In einem besonders schlechten Zustand befindet sich der 1784 eröffnete Währinger Friedhof, der rund 100 Jahre lang mit neuen Gräbern belegt – und schließlich vom Zentralfriedhof abgelöst wurde. Das besondere an diesem Friedhof: schon hier liegen sowohl Aschkenasen als auch Sefarden bestattet. Kamen die sefardischen Zuwanderer damals vor allem aus der heutigen Türkei, stammen jene, die heute in Wien den sefardischen Ritus pflegen, aus Zentralasien und Georgien.

Dass man auch ohne Geld helfen kann, zeigen die Grünen seit 2009 vor: Immer wieder rufen sie gemeinsam mit dem Verein "JEA – Jüdisches Erbe Austria" zu Freiwilligentagen auf. Hunderte, meist nicht jüdische Menschen, versammeln sich dann auf dem ansonsten seit 1999 öffentlich nicht zugänglichen Areal, um die Natur in ihre Schranken zu weisen: Mit Gartenschere, Säge, Sichel, Rechen, Besen geht es an diesen Tagen dem Wildwuchs an den Kragen. Auf Grund des baufälligen Zustands erfolgt das Betreten des Friedhofs auf eigene Gefahr.

Am 1. November soll der Währinger Friedhof von Wildwuchs befreit werden.

Am 1. November soll der Währinger Friedhof von Wildwuchs befreit werden.Alexia Weiss Am 1. November soll der Währinger Friedhof von Wildwuchs befreit werden.Alexia Weiss

Allerheiligen ist ein christliches Fest, an dem man der Toten gedenkt und ihre Gräber besucht. Für diesen Donnerstag, den 1. November, haben die Grünen allerdings aufgerufen, auch jüdische Grabstätten aufzusuchen – jene eben, um die sich viele, viele Jahrzehnte niemand gekümmert hat. Eine der bei den Wahlen der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien am 11. November antretenden neuen Fraktionen, die Initiative Respekt, trägt dieses Mal den Aufruf mit – und  will dabei vor allem auch Juden animieren, sich der Friedhofspflege zu widmen: "Lassen Sie uns alle gemeinsam, Sefardim und Aschkenasim aller Generationen, den Friedhof von Wildwuchs befreien." Subtext: hier gibt es die Möglichkeit, den Begriff der Einheitsgemeinde mit Leben zu erfüllen.

Ob jüdisch oder nicht jüdisch – jede helfende Hand ist gerne gesehen. Was benötigt wird: wetter- und reißfeste Kleidung, feste Schuhe, Arbeitshandschue, Werkzeug wie Gartenscheren, Astscheren, Sicheln, Sägen, Rechen, Besen, Heugabeln, Motorsensen und Motorsägen sowie Mistsäcke. Männer müssen, wie in jeder Synagoge und auf jedem jüdischen Friedhof, aus religiösen Gründen eine Kopfbedeckung tragen.

Für jene, die auch anpacken wollen: 1. November, 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr, Jüdischer Währinger Friedhof, Schrottenbachgasse 3.




Schlagwörter

Judentum, Allerheiligen, Friedhof

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-30 13:03:47
Letzte Änderung am 2012-10-30 13:10:30


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Im nun begonnenen Prozess zwischen Bawag und Stadt Linz um den "Franken-Swap", bei dem es um 470 Millionen Euro geht, lässt der Richter aufhorchen...weiter

Einst traf man sich beim Wein, nun vor Gericht: ehemalige Telekom- und FPÖ-Manager im Grauen Haus. Nur Haider fehlte. - apa
  • Bankomatfunktion der Telekom selten so deutlich wie im laufenden Prozess.
  • weiter

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.
  • Wenn diesen Samstag die Deutschen das Champions-League-Finale und die Wiener den Life Ball feiern, dann ist das im Prinzip das Gleiche.
  • weiter

Christian Ortner.
  • Während Millionen von Europäern um ihre Jobs zittern, wird die aufgeblähte EU-Kommission noch aufgeblähter - und bestätigt damit Vorurteile.
  • weiter

Neulich hat ein Jungjournalist mit türkischen Wurzeln einen Auftrag für eine Geschichte abgelehnt. Sein Argument: Er wolle nicht in die...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".
  • Hier handelt es sich um zwei Begriffe mit leicht divergierenden Bedeutungen, wobei Shoah immer häufiger verwendet wird.
  • weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter




Werbung




Haremsdame vor dem Rathaus

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung