• vom 13.12.2012, 10:21 Uhr

Jüdisch leben

Update: 13.12.2012, 10:24 Uhr

Weihnachten

Das sechste Licht




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexia Weiss

  • Jüdisch leben

Ob ich die Krippen-Geschichte kenne, fragte mich meine sechsjährige Tochter diese Woche. Ich antwortete mit Ja und wollte wissen, warum sie das interessiere. "Ich glaube, die ist inzwischen wirklich bekannt", meinte sie. Weil: "Da gibt es sogar von Playmobil etwas dazu." Über die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes wird weltweit alljährlich im Advent gejammert – doch schöner könnte man es nicht auf den Punkt bringen. Andererseits zeigt es, dass man als Mini-Minderheit eben nicht an den Bräuchen und Traditionen der Mehrheitsgesellschaft vorbeikommt. Gestern wartete das Kind mit einer wahrlich kreativen Idee auf: wir könnten doch auch einen Baum aufstellen daheim – und ihn mit Channukiot-Anhängern schmücken. "Und oben drauf geben wir zwei Sterne: den Davidstern und den Weihnachtsstern."

Der Baum wird nicht Einzug halten, dafür zünden wir heute Abend die sechste Kerze an. Wie schon Adam Sandler sang: auch hierorts gibt es kleine Geschenke an allen acht Tagen. Acht Tage lang Geschenke! Das kompensiert das Glitzer-Glitter-Fest, das dem Kind entgeht, am Ende doch. Und die Brachot, die Segenssprüche, die man beim Zünden der Kerzen spricht, das Kind kennt sie inzwischen auswändig. Die tägliche Wiederholung ist hier durchaus hilfreich.

Werbung

Stichwort Wiederholung: Kerzen wurden diese Woche nicht nur bei der End-of-the-Year-Party, zu der die israelische Botschaft Mittwoch Abend in einen Club in der Innenstadt lud, in beschwingter Atmosphäre gezündet, auch im Rathaus gingen die Chanukka-Lichter an. Der Wiener Jüdische Chor (www.wjchor.at), Kantor Shmuel Barzilai, Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg: sie alle singen sich von Kerzenzünden zu Kerzenzünden, ob im Stadttempel in der Seitenstettengasse, bei Wohltätigkeitsveranstaltungen oder im Jüdischen Museum Wien (www.jmw.at). Ein besonderes Ambiente verspricht das Kerzenzünden, zu dem die Misrachi (www.misrachi.at) kommenden Samstag, an dem für dieses Jahr zum letzten Mal die Lichter entflammt werden, lädt: in die Überreste der mittelalterlichen Synagoge am Judenplatz, Teil des Standorts Judenplatz des Jüdischen Museums.

Dann ist auch Schluss mit Krapfen und Latkes. Manch einer hat schon früher das Handtuch geworfen. Facebook lässt einen nicht nur täglich am Kerzenzünden in den privaten Wohnzimmern teilhaben, sondern auch an den physischen Befindlichkeiten. Nicht jeder verträgt so viel Fett auf einmal und mancher schwört, im nächsten Jahr dann aber wirklich zu den fettärmeren Varianten zu greifen. Man lernt ja schließlich aus seinen Fehlern. Oder nimmt es sich zumindest vor.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2012-12-13 10:22:07
Letzte nderung am 2012-12-13 10:24:29



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die grüne DNA
  2. Wir sind wieder wir
  3. Das dritte Österreich
  4. Dann kommt garantiert die Rasierpflicht für Männer
  5. Schluss mit der Inszenierung
Meistkommentiert
  1. Der Umbruch
  2. Das dritte Österreich
  3. Der grüne Pilz
  4. Stimmen, Clicks und Likes
  5. Der Sino-Sputnik-Schock

Werbung




Werbung


Werbung