• vom 21.06.2013, 15:58 Uhr

Jüdisch leben

Update: 25.06.2013, 22:19 Uhr

Jüdisch leben

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Von Alexia Weiss

Sie gehört der Vergangenheit an und man könnte auch sagen: die Schoa hat doch eigentlich nur wenige Jahre die Weltgeschichte bestimmt. Den Lauf der Geschichte hat die enorme und beispiellose NS-Menschentötungsindustrie aber auf immer verändert. Bis heute sind Wissenschafter mit der Aufarbeitung des Un- und niemals Vorstellbaren beschäftigt. Und das wird sich in naher Zukunft auch nicht ändern.

Diese Woche tagen in Wien Archivexperten aus aller Welt. Konkret geht es auf Einladung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien (VWI) um das Thema "Heritage Recovered – The Holocaust in Jewish Archives – An International Comparison".

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Womit aktuell alle einschlägigen Archive beschäftigt sind: mit der Digitalisierung der Bestände. Dokumente, Fotos, Zeitzeugenberichte – alles gilt es, elektronisch zu archivieren und in der Folge auch online zugänglich zu machen. Einher geht damit eine Öffnung des bisher hinter Archivtüren Verschlossenen: damit stehen nicht nur Privatpersonen künftig Bestände offen, auch das Arbeiten von Wissenschaftern wird massiv erleichtert. Forschungsreisen gehören damit (fast) der Vergangenheit an.

Weniger erwartbar ist dagegen die regelmäßig nötige Neubewertung von Dokumenten, Protokollen, verschrifteten Interviews mit Überlebenden. Längst geht es nicht mehr nur darum, was hier inhaltlich zu Verfügung steht. So berichtete am Freitag Vormittag beispielsweise Rita Horváth, derzeit research fellow in Yad Vashem, über jene Gespräche, die mit nach Ungarn zurückgekehrten Holocaust-Überlebenden kurz nach Kriegsende geführt worden waren.

Das eine seien eben die Fakten, die von den Betroffenen erzählt wurden. Das andere sei aber, wie die Fragen von den Interviewern gestellt worden seien. Damals sei für diese Gespräche ein Katalog mit hunderten Fragen erarbeitet worden. Die Interviewer haben dann jeweils einen Teil der Fragen ausgewählt – meist hatte jeder Befrager sein ganz persönliches Repertoire.

Aber auch die Übersetzung ins Enlische aus der Zeit sei heute nicht mehr verwendbar. Für ihre Forschungen hat Horváth daher viele Protokolle neu übersetzt, die genau das widergeben, was die Überlebenden damals berichtet haben. Die damals tätige Dolmetscherin dagegen, sie habe ihre eigenen Emotionen einfließen lassen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-06-21 15:59:10
Letzte nderung am 2013-06-25 22:19:52



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