• vom 27.06.2014, 14:07 Uhr

Jüdisch leben

Update: 27.06.2014, 14:12 Uhr

Jüdisch leben

Von Scholem und Masl




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Von Alexia Weiss

  • Der Wiener Jüdische Chor (WJC) feierte seinen 25. Geburtstag.

Nicht nur ein Konzert, sondern "eine vielsprachige Grußbotschaft voller Vitalität und Lebensfreude" – das seien die Auftritte des Wiener Jüdischen Chores (WJC), betonte Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg Donnerstag Abend, noch bevor der Chor überhaupt die Bühne seines Hauses betreten hatte. Der Anlass: man feiert dieser Tage den 25. Geburtstag. Und es wurde eine schwungvolle Feier, wozu auch Wiens Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg beitrug.

Er beging just gestern seinen 64. Geburtstag. Und stimmte auf der Bühne eine Melodie der Beatles an: "When I get older, losing my hair …". Dann holte er interreligiöse Verstärkung vors Mikrofon, allen voran den evangelischen Bischof Michael Bünker und man sang gemeinsam "Und as der Rebbe singt …". "Und as der Rebbe singt, singen alle Chassiden. Eijeijeijei … (). As der Rebbe tanzt, tanzen allen Chassiden …()." Der Rebbe macht dann noch so allerhand, bis er schließlich schweigt. Und was machen die Chassiden? Stille auf der Bühne … "Schön war’s! Schön wär’s!", ruft der Oberrabbiner – und hat die Lacher auf seiner Seite.


Das Publikum geht bei diesen Konzerten immer mit, singt, klatscht. Dazu trägt sicher Roman Grinberg, seit 13 Jahren musikalischer Leiter der Formation, bei. Er begleitet auf dem Klavier und dirigiert gleichzeitig Chor, Band und das Publikum. Vor jedem Lied erklärt er, worum es darin gehen wird: da ist der Scholem auf der einen Seite, also der Frieden, dann gibt es das Masl, das Glück, aber auch immer eine Prise Traurigkeit, wie in "Es brennt". Hier wird an düstere Zeiten erinnert, denn in dem Stück brennt ein Schtetl.

Timothy Smolka war der langjährige Obmann des Chores. Er betonte in einer kurzen Rede die Mischung der Formation: "Seit den Anfängen singen bei uns Juden und Nichtjuden, Österreicher und Zuwanderer." Der Chor stehe also auch für Integration. Florian Pollak, der dem Chor seit drei Jahren als Obmann vorsteht, ergänzte: die heute an die 70 Sängerinnen und Sänger kämen aus über 15 Ländern und sprächen über 25 Sprachen und in diesem Sinne sei man "a ganz vermischter Chor". Gemischt übrigens auch, was das Alter betrifft, denn hier trifft sich jung und alt – die Bandbreite reicht von 13 bis 84 Jahren.

Die drei Botschaften, die der Chor auch bei seinen vielen Auftritten im Ausland wie jüngst beim Jüdischen Chorfestival in Rom, weitergebe: "Erstens: die jüdische Musik lebt. Zweitens: Juden in Wien leben und drittens: wir lieben, was wir tun", so Pollak.

Letzteres macht wohl den Charme dieser Auftritte aus. Da steht niemand steif mit den Noten in der Hand. Da wird im Rhythmus mitgeswingt und alle Melodien, alle Texte sind in den Köpfen. Da überträgt sich die Begeisterung in den Gesichtern der Sängerinnen und Sänger auf die Stimmung im Publikum.

Als die Belzer Sisters, "A jiddische fajne mischpoche" anstimmten, da kam gestern beispielweise Rührung auf. Die beiden Schwestern Emilia Blufstein und Dora Napadensky kommen ursprünglich aus Belz in Moldawien, sind Mitglieder des Chors, treten aber immer wieder auch zu zweit eben als die Belzer Sisters auf. Wenn sie von der neschume, der jüdischen Seele singen, dann ist das: einfach herzergreifend.

Die Sprachen des Chores: Hebräisch, Jiddisch, Ladino. Die Melodien: alte jiddische Lieder ebenso wie Modernes aus Israel und ganz junge Kompositionen Roman Grinbergs, wie etwa das lithurgische Stück "Hallelujah", das nur aus diesem einen Wort besteht.

Wenn ein Jude, eine Jüdin Geburtstag hat, dann wünscht man "Mazel tov – bis 120!". 120 Jahre soll man also alt werden und in diesem Sinne, lieber Wiener Jüdischer Chor: "Mazel tov – bis 120!".




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Jüdisch leben, Alexia Weiss, Blog

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Dokument erstellt am 2014-06-27 14:09:40
Letzte nderung am 2014-06-27 14:12:05



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