• vom 10.07.2015, 11:02 Uhr

Jüdisch leben

Update: 10.07.2015, 12:24 Uhr

Jüdisch leben

Bild gewordener Antisemitismus




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Von Alexia Weiss


    Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin. - © Paul Divjak

    Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin. © Paul Divjak

    Es ist ein alljährliches Ärgernis: der inzwischen auch in Wien lautstark begangene Al-Quds-Tag. Al Quds ist die arabische Bezeichnung für Jerusalem. Der Al-Quds-Tag wurde 1979 vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ins Leben gerufen. Jeweils gegen Ende des Fastenmonats werden seitdem Muslime mobilisiert, sich mit Palästinensern zu solidarisieren. Vordergründig. Tatsächlich wird hier einer Delegitimierung Israels das Wort gesprochen. Die Österreichisch-Israelische Gesellschaft spricht von einem "politischen Kampftag für die Eroberung Jerusalems und die Zerstörung Israels".

    Was als Israel-kritische (was angesichts der Vernichtungsidee dahinter auch schon eine Verharmlosung ist) Demonstration angekündigt wird, ist aber gleichzeitig seit Jahren die größte antisemitische Kundgebung auf Wiens Straßen. So läuft zwar auch der Aufruf zur heurigen Demonstration am Samstag unter dem Titel "Al-QudsTag. Gemeinsam gegen Zionismus und Antisemitismus".


    Die Einträge auf der Facebook-Seite "Internationaler Al-Quds Tag Wien – Free Palestine" sprechen aber eine klare Sprache: Veröffentlich wurde hier diese Woche ein Cartoon des Zeichners Mohammed Ali Rajabi, auf dem ein orthodoxer Jude in einem  Erdloch steht, das sukzessive von den umstehenden Menschen, das Gros von ihnen als Muslime erkennbar, mit Wasser zugeschüttet wird.

    Müsste ich der Zeichnung einen Titel geben, würde ich sie "Juden ertränken" nennen. Der Cartoon ist Bild gewordener Antisemitismus. Mit diesem eine Demonstration zu bewerben, die sich angeblich gegen Antisemitismus wendet, ist eine unfassbare Chuzpe.

    Der Marsch anlässlich des Al-Quds-Tages beginnt morgen um 16.00 Uhr am Schwedenplatz – über die Marc-Aurel-Straße, Tuchlauben und Kohlmarkt geht es dann zum Michaeler- und schließlich zum Ballhausplatz. Vermieden wird so dieses Jahr ein Zusammentreffen mit der Gegenkundgebung am Stock-im-Eisen-Platz, die ebenfalls um 16.00 Uhr beginnt. Vergangenes Jahr waren die beiden Gruppen am Lugeck aufeinander getroffen und es war dabei zu heftigen Schreiduellen gekommen.

    Das "Bündnis gegen den Al-Quds-Tag in Wien 2015" (Hashtag: #noalquds), das am Samstag bereits ab 15.00 Uhr mit einem Infotisch auf dem Stock-im-Eisen-Platz vertreten sein wird, ist breit aufgestellt: Diesem gehören neben der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien und verschiedenen jüdischen Organisationen unter anderem auch Grünen-Vertreter, die Kurdische Gesellschaft für Bildung, Integration und Kultur, der Republikanische Club, die Plattform "Stop the Bomb", LGBT-Organisationen, der SPÖ-Gemeinderat Peter Florianschütz und die Christen an der Seite Israels an. Als Redner angekündigt wurden Grünen-Bundesrat Marco Schreuder, der Holocaust-Überlebende Rudi Gelbard und Theodor Much von der Wiener jüdischen Reformgemeinde Or Chadasch.

    Dass diese antisemitische Demonstration auch noch am Schabbat nahe des Stadttempels vorbeiziehen wird, stößt nicht nur Richard Schmitz, dem Präsidenten der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft, sondern vielen Mitgliedern der Wiener jüdischen Gemeinde sauer auf. Im Vorjahr wurden bei dieser Kundgebung laut Schmitz vom Innenministerium auch Dschihadfahnen sowie Transparente gesichtet mit Aufschriften wie "Boykottiert das 4. Reich Zionisten = Nazis", ergänzt um die Abbildung eines Davidsternes, der zum Hakenkreuz abgeändert wurde.




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2015-07-10 11:23:52
    Letzte nderung am 2015-07-10 12:24:02



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