• vom 12.05.2016, 11:22 Uhr

Jüdisch leben

Update: 12.05.2016, 11:36 Uhr

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Place4Peace




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Von Alexia Weiss


    Von links nach rechts: Odeon-Hausherr Erwin Piplits, Schauspielerin Maxi Blaha, Schriftstellerin Susanne Scholl, Regisseurinnen Tania Golden und Shlomit Butbul, peacecamp-Mitorganisator Ronny Böhmer sowie Schauspielerin Sarah Baum bei den Proben zu "A Place4Peace" am 5. Juni im Odeon Theater.

    Von links nach rechts: Odeon-Hausherr Erwin Piplits, Schauspielerin Maxi Blaha, Schriftstellerin Susanne Scholl, Regisseurinnen Tania Golden und Shlomit Butbul, peacecamp-Mitorganisator Ronny Böhmer sowie Schauspielerin Sarah Baum bei den Proben zu "A Place4Peace" am 5. Juni im Odeon Theater.© Alexia Weiss Von links nach rechts: Odeon-Hausherr Erwin Piplits, Schauspielerin Maxi Blaha, Schriftstellerin Susanne Scholl, Regisseurinnen Tania Golden und Shlomit Butbul, peacecamp-Mitorganisator Ronny Böhmer sowie Schauspielerin Sarah Baum bei den Proben zu "A Place4Peace" am 5. Juni im Odeon Theater.© Alexia Weiss

    Seit 2004 organisiert das Wiener Ehepaar Evelyn Böhmer-Laufer und Ronny Böhmer jeden Sommer das peacecamp. Hier lernen einander jüdische und arabische sowie österreichische Jugendliche kennen. In Workshops arbeiten sie gemeinsam zu den Themen Identität, Zeitgeschichte und Frieden. Denn Ziel des Projekts ist es, hier Jahr für Jahr Friedensbotschafter auszubilden, die dann als Multiplikatoren an ihre Schulen in Israel und Österreich zurückgehen. Seit einigen Jahren sind auch ungarische Burschen und Mädchen mit dabei.

    Heuer neu ist die Einbindung von Jugendlichen, die nach Österreich geflüchtet sind. Warum hat man sich dazu entschlossen? "Einerseits finden wir, dass man in der aktuellen Situation einen Beitrag leisten muss. Das ist unserer", so Ronny Böhmer. "Andererseits glauben wird, dass diese geflüchteten Jugendlichen mit ihrer traumatischen Vergangenheit einen wesentlichen Input für die Identitätsdiskussion liefern können."

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    Von 5. bis 13. Juli treffen 13 Jugendliche aus Österreich (darunter fünf Refugees aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Gambia und dem Kosovo) in Lackenhof am Ötscher (NÖ) auf neun Gleichaltrige aus Ungarn, acht jüdische Jugendliche aus einer Schule nahe Haifa und acht arabische SchülerInnen aus Nazareth. Am 14. Juli präsentieren die insgesamt 38 Jugendlichen dann das gemeinsam Erarbeitete um 18 Uhr bei einer show4peace im Wiener Theater Dschungel.

    Erstmals ist im Expertenteam heuer auch eine Traumatherapeutin vertreten, betont Böhmer. Vier von den fünf geflüchteten Jugendlichen sind alleine nach Österreich gekommen. Hier wolle man vorbereitet sein, um sie im Fall einer Retraumatisierung gut auffangen zu können.

    Dass das peacecamp heuer ein ganz besonderes wird, zeigt sich auch bei den Vorbereitungen der Matinee, die im Vorfeld des Camps vor allem dazu dient, Spenden für das Projekt zu sammeln. Die beiden jüdischen Künstlerinnen Tania Golden und Shlomit Butbul inszenieren am 5. Juni um 11.00 Uhr im Odeon "A Place4Peace" (Karten zu 50 Euro inklusive Buffet, Reservierung unter ronaldo@utanet.at), zu der sich viel Darsteller-Prominenz angesagt hat, um hier unentgeltlich für das peacecamp zu sammeln und die Werbetrommel zu rühren.

    Mit von der Partie sind der Musiker Andy Baum, die Schauspielerinnen Maxi Blaha und Sarah Baum, die Autorin Susanne Scholl, die Sängerinnen Timna Brauer und Jazzgitti, Dancing Stars-Gewinnerin Verena Scheitz sowie das Ehepaar Christina und Willi Gabalier. Erwin Steinhauer wird ebenso performen wie das Ensemble Fandujo, die afrikanische Formation Insingizi sowie Béla Koreny und Lilian Klebow.

    Angedacht haben Golden und Butbul, die durch die Matinee führen, aber auch selbst auftreten werden (unter anderem mit einigen Nummern ihrer gemeinsamen aktuellen Revue) das Event als große Tafel. Kulinarik verbindet – in diesem Fall sind es israelische Schmankerln des Falafel-Spezialisten Maschu Maschu.

    Die Psychotherapeutin Evelyn Böhmer-Laufer ist in Wien eine Pionierin des Ansatzes, dass sich manche Probleme durch jüdisch-muslimischen Dialog wenn auch nicht lösen, doch vielleicht zumindest entschärfen lassen. Jahr für Jahr zeigt sie, dass, wenn man Begegnungsräume schafft, es durchaus zu gegenseitigem Verständnis kommen kann. Was ursprünglich vor allem als Incentive für den Friedensprozess in Israel gedacht war, zeigt mit der Einbindung von geflüchteten Jugendlichen in diesem Jahr (vier der fünf Teilnehmer sind Muslime, ein Mädchen, das mit ihrer Familie aus Aleppo nach Österreich kam, ist Alevitin), wie wichtig solche Räume auch in Europa, auch in Österreich sind.

    Der Spirit des peacecamps ist einfach wunderbar. Ja, werden manche unken, das ist doch aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das mag sein. Aber 38 Jugendliche aus verschiedensten Ländern, die in einem Sommer nicht nur viel über die eigene Identität, sondern auch über die Begegnung mit dem vermeintlich Fremden mitnehmen, das ist nicht nichts. Ich finde es fein und erfrischend, dass Böhmer-Laufer trotz des Gefühls von Aussichtlosigkeit, das sich auf Grund der weltpolitischen Lage immer öfter breit macht, an ihrem jährlichen peacecamp festhält. Hier wird Offenheit zelebriert. Eine Offenheit, die so nötig ist, um all dem Hass, der so stark spürbar ist, etwas entgegenzusetzen.





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    Dokument erstellt am 2016-05-12 11:27:37
    Letzte nderung am 2016-05-12 11:36:28



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