• vom 23.10.2017, 07:33 Uhr

Jüdisch leben

Update: 23.10.2017, 07:51 Uhr

Jüdisch leben

Liebe Bücherwürmer, es gibt good news!




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Von Alexia Weiss


    Dorothy Singer vor dem künftigen neuen Standort ihres Book Shop Singer am Rabensteig (Ecke Seitenstettengasse).

    Dorothy Singer vor dem künftigen neuen Standort ihres Book Shop Singer am Rabensteig (Ecke Seitenstettengasse).© Alexia Weiss Dorothy Singer vor dem künftigen neuen Standort ihres Book Shop Singer am Rabensteig (Ecke Seitenstettengasse).© Alexia Weiss

    Als Ende Juni bekannt wurde, dass der Book Shop Singer in der Dorotheergasse per Jahresende schließen muss, weil das Jüdische Museum Wien, wo die Buchhandlung derzeit eingemietet ist, den Pachtvertrag kündigte, war nicht nur ich mehr als betrübt. Ein einzigartiges Sortiment wäre damit in Wien nicht mehr verfügbar gewesen, wenn die letzte noch bestehende jüdische Buchhandlung der Stadt tatsächlich hätte schließen müssen.

    Adrienne Vadon startete auf openpetition die Petition "Rettet die jüdische Buchhandlung Dorothy Singer", die bis Anfang September lief und von 2.423 Menschen unterzeichnet wurde. Prominente Fürsprecher setzten sich für den Verbleib des Ladens im Museum ein, wie etwa der Schriftsteller Doron Rabinovici.

    Book Shop Singer am Rabensteig

    Auch wenn schlussendlich die Kündigung durch das Jüdische Museum nicht zurückgenommen wurde, gibt es doch good news: Der Book Shop Singer bleibt bestehen – übersiedelt aber an einen anderen Ort. In einer zentral gelegenen Immobilie der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien fanden sich geeignete Räumlichkeiten. Das Buchgeschäft wird neben dem Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) am Rabensteig (Ecke Seitenstettengasse) einziehen.

    Was der amtierende IKG-Präsident Oskar Deutsch, kürzlich in einer Publikation seiner Fraktion Atid ankündigte (ja, in der IKG ist Wahlkampf – gewählt wird am 19. November), wurde nun von Dorothy Singer bestätigt. Derzeit laufen noch Verhandlungen mit der IKG über Details, aber es gebe bereits eine fixe Zusage, dass der Book Shop Singer neben dem VWI eine neue Heimat finden wird, sagt die Buchhändlerin.

    Als seitens des Jüdischen Museums der Pachtvertrag gekündigt wurde, hatte Singer eigentlich gedacht, "das war’s. Ich höre auf". Auf Grund des massiven Zuspruchs – durch die Petition, aber auch in vielen persönlichen Gesprächen – "habe ich aber beschlossen, weiter zu machen".

    Buchhandlung mit Café

    Zwei Neuerungen wird es dabei geben: Der Book Shop Singer wird einerseits ein etwas größeres Sortiment als bisher anbieten. In der Stadt hat sich die Zahl der wissenschaftlichen Buchhandlungen reduziert, hier will Singer künftig mehr im Bereich Sozialkunde, Volkskunde, Zeitgeschichte abdecken. Und: Es wird eine Buchhandlung mit Café, das Singer selbst betreiben wird. "Ich habe Gastronomieerfahrung und hätte das eigentlich immer schon gerne gemacht in dieser Kombination. Ich freue mich darauf."

    Die Kultusgemeinde will zudem in den Räumlichkeiten am Rabensteig auch einen Infopoint für Touristen einrichten. Die Synagoge in der Seitenstettengasse ist ein beliebtes Sightseeing-Ziel - Infopoint und Büchercafé sorgen damit künftig für zusätzliche Attraktivität.

    Und ich, ich freue mich einfach, dass meine Lieblingsbuchhandlung weiterbestehen wird. Und darauf, dass es bei Kaffee und Kuchen (für die meisten jedenfalls, ich nehme halt stattdessen Wasser oder Saft) gleich doppelt so viel Spaß macht, sich durch Neuerscheinungen zu schmökern – aber auch einen Ort zu haben, wo man wahrscheinlich immer jemanden trifft, den man kennt und wo man dann gemütlich plaudern kann.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-10-23 07:34:02
    Letzte nderung am 2017-10-23 07:51:42



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