• vom 21.05.2012, 17:39 Uhr

Jüdisch leben

Update: 21.05.2012, 18:58 Uhr
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Jüdisch leben

Menschenschlangen



Menschenschlange in der Seitenstettengasse

Menschenschlange in der SeitenstettengasseWeiss Menschenschlange in der SeitenstettengasseWeiss

Männer und Frauen in der Synagoge, wo sonst nur Männer sitzen

Männer und Frauen in der Synagoge, wo sonst nur Männer sitzenWeiss Männer und Frauen in der Synagoge, wo sonst nur Männer sitzenWeiss

Zu den bisherigen vier Gebetbüchern, jenem für die Wochentage und Schabbat (auch Siddur genannt) sowie den drei Feiertagsbänden (Machsorim) – eines für Rosch HaSchana, eines für Jom Kippur und eines für die drei Feste Pessach, Schawuot und Sukkot, das Laubhüttenfest – gesellte sich ein fünftes dazu: "Gedenkgebete".

In diesem Band zeigt sich auch, was Oberrabbiner Eisenberg meint, wenn er von Benutzerfreundlichkeit spricht, die ihm bei diesem Projekt ein großes Anliegen ist. Das Jiskor-Gebet beispielsweise, das in Erinnerung an den verstorbenen Vater oder die verstorbene Mutter gesprochen wird, findet sich in dem neuen Machsor zunächst in der hebräischen Fassung, dann in der lautschriftlichen Transkription und schließlich in der deutschen Übersetzung – und zwar untereinander, übersichtlich auf einer Seite angeordnet. Nur die wichtigsten Gebete wurden allerdings in allen drei Varianten abgedruckt. Ansonsten findet man hier jeweils rechts die hebräische Fassung und links die deutsche Übersetzung. Geblättert wird in den Siddurim und Machsorim, wie in allen auf Hebräisch gedruckten Büchern, von hinten nach vorne, gelesen wird Iwrit, wie sich diese Sprache selbst nennt, von rechts nach links.

Jiskor-Gebet im neuen Gebetbuch "Gedenkgebete"

Jiskor-Gebet im neuen Gebetbuch "Gedenkgebete"Weiss Jiskor-Gebet im neuen Gebetbuch "Gedenkgebete"Weiss

Die Benutzerfreundlichkeit zeigt sich aber auch in einem anderen Punkt: früher, als der Druck noch teurer war, hat man vor allem im Wochengebetsbuch, wenn eine Passage wiederholt wurde, diese nur einmal gedruckt und dann darauf hingewiesen, wo diese zu finden war. Das sorgte für entsprechendes Hin- und Herblättern. Solche Verweise sind nun entfallen und die entsprechenden Textelemente wurden eben mehrmals gedruckt.

Warum sind die Gebetbücher aber nicht ausschließlich auf Hebräisch abgefasst? Nicht alle Juden sprechen fließend Hebräisch und um auch ihnen den Inhalt des Gebets zugänglich zu machen, wird eben eine deutschsprachige Übersetzung mitgeliefert. Die lautschriftliche Transkription hilft beim Beten. Da nicht so religiöse Juden aber üblicherweise nur an gewissen Gebeten Interesse haben, wie etwa dem Jiskorgebet oder dem Kaddisch, dem Gebet der Trauernden, hat man sich darauf beschränkt, nur ausgewählte Gebete auch lautschriftlich darzustellen.

Gebetbücher sind traditionell ein Geschenk zur Bar Mitzwa, jener Feier, mit der ein jüdischer Bub seinen 13. Geburtstag begeht. Aber auch zu Geburtstagen werden Gebetbücher gerne geschenkt. Um in der Synagoge zu beten, ist ein eigenes Gebetbuch allerdings nicht von Nöten. Denn dort liegen natürlich Gebetbücher auf, schon deshalb, weil es am Schabbat ja auf Grund der Schabbatruhe verboten wäre, Bücher von zu Hause in die Synagoge und danach wieder zurück zu tragen.

Präsentiert werden die neuen Gebetbücher diesen Mittwoch (23. Mai) um 19.00 Uhr im Stadttempel. Damit ist dies für alle, die den Tag der offenen Tür am Sonntag verpasst haben, eine weitere Gelegenheit, die Synagoge in der Seitenstettengasse außerhalb der Gebetszeiten zu besuchen. Edouard Selig wird im Rahmen der Präsentation übrigens geehrt: er erhält den Titel "Chawer", der, so Oberrabbiner Eisenberg, an religiöse Menschen für ihr besonderes Engagement vergeben wird und ein Mittelding zwischen Laie und Rabbiner darstellt. Selig gebe mit seinem Verlag Morascha seit Jahrzehnten ins Deutsche übersetzte Siddurim, Machsorim und andere jüdische Literatur heraus, und ermögliche es so vielen deutschsprachigen Juden, die Tora und die Gebete besser zu verstehen.

Im Vorwort zum Band "Gedenkgebete" schreibt der Oberrabbiner zudem: "Dieses neue Gebetbuch begleitet uns durch die tragischen Begegnungen mit dem Tod – in der Synagoge, am Friedhof und im Hause der Trauernden. Deshalb ist es mir ein Bedürfnis zu betonen, dass die meisten jüdischen Tage des Jahres freudige Tage sind. Das Judentum kennt nicht nur Weinen und Klagen, sondern in erster Linie Freude an der Möglichkeit Gutes zu tun." Oberrabbiner Eisenberg arbeitet daher schon an einem weiteren Band: darin soll es um die freudigen Anlässe gehen, also Hochzeiten, Geburten, die Brit Mila (Beschneidung von Buben, also die Entfernung der Vorhaut, am achten Tag nach der Geburt).

Nun wird aber erst einmal Schawuot gefeiert – übrigens ein Fest, bei dem es üblich ist, milchige Speisen zu verzehren, also etwas Palatschinken und Topfengolatschen. In der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, ist dies allerdings nicht als Vorschrift festgeschrieben. Für Gemeinderabbiner Hofmeister ist eine Erklärung für diesen Brauch, dass mit der Gabe der Tora erst bekannt wurde, wie man koscher schlachtet.




Schlagwörter

Judentum

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-21 17:39:32
Letzte Änderung am 2012-05-21 18:58:45


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