

Zu den bisherigen vier Gebetbüchern, jenem für die Wochentage und Schabbat (auch Siddur genannt) sowie den drei Feiertagsbänden (Machsorim) – eines für Rosch HaSchana, eines für Jom Kippur und eines für die drei Feste Pessach, Schawuot und Sukkot, das Laubhüttenfest – gesellte sich ein fünftes dazu: "Gedenkgebete".
In diesem Band zeigt sich auch, was Oberrabbiner Eisenberg meint, wenn er von Benutzerfreundlichkeit spricht, die ihm bei diesem Projekt ein großes Anliegen ist. Das Jiskor-Gebet beispielsweise, das in Erinnerung an den verstorbenen Vater oder die verstorbene Mutter gesprochen wird, findet sich in dem neuen Machsor zunächst in der hebräischen Fassung, dann in der lautschriftlichen Transkription und schließlich in der deutschen Übersetzung – und zwar untereinander, übersichtlich auf einer Seite angeordnet. Nur die wichtigsten Gebete wurden allerdings in allen drei Varianten abgedruckt. Ansonsten findet man hier jeweils rechts die hebräische Fassung und links die deutsche Übersetzung. Geblättert wird in den Siddurim und Machsorim, wie in allen auf Hebräisch gedruckten Büchern, von hinten nach vorne, gelesen wird Iwrit, wie sich diese Sprache selbst nennt, von rechts nach links.

Die Benutzerfreundlichkeit zeigt sich aber auch in einem anderen Punkt: früher, als der Druck noch teurer war, hat man vor allem im Wochengebetsbuch, wenn eine Passage wiederholt wurde, diese nur einmal gedruckt und dann darauf hingewiesen, wo diese zu finden war. Das sorgte für entsprechendes Hin- und Herblättern. Solche Verweise sind nun entfallen und die entsprechenden Textelemente wurden eben mehrmals gedruckt.
Warum sind die Gebetbücher aber nicht ausschließlich auf Hebräisch abgefasst? Nicht alle Juden sprechen fließend Hebräisch und um auch ihnen den Inhalt des Gebets zugänglich zu machen, wird eben eine deutschsprachige Übersetzung mitgeliefert. Die lautschriftliche Transkription hilft beim Beten. Da nicht so religiöse Juden aber üblicherweise nur an gewissen Gebeten Interesse haben, wie etwa dem Jiskorgebet oder dem Kaddisch, dem Gebet der Trauernden, hat man sich darauf beschränkt, nur ausgewählte Gebete auch lautschriftlich darzustellen.
Gebetbücher sind traditionell ein Geschenk zur Bar Mitzwa, jener Feier, mit der ein jüdischer Bub seinen 13. Geburtstag begeht. Aber auch zu Geburtstagen werden Gebetbücher gerne geschenkt. Um in der Synagoge zu beten, ist ein eigenes Gebetbuch allerdings nicht von Nöten. Denn dort liegen natürlich Gebetbücher auf, schon deshalb, weil es am Schabbat ja auf Grund der Schabbatruhe verboten wäre, Bücher von zu Hause in die Synagoge und danach wieder zurück zu tragen.
Präsentiert werden die neuen Gebetbücher diesen Mittwoch (23. Mai) um 19.00 Uhr im Stadttempel. Damit ist dies für alle, die den Tag der offenen Tür am Sonntag verpasst haben, eine weitere Gelegenheit, die Synagoge in der Seitenstettengasse außerhalb der Gebetszeiten zu besuchen. Edouard Selig wird im Rahmen der Präsentation übrigens geehrt: er erhält den Titel "Chawer", der, so Oberrabbiner Eisenberg, an religiöse Menschen für ihr besonderes Engagement vergeben wird und ein Mittelding zwischen Laie und Rabbiner darstellt. Selig gebe mit seinem Verlag Morascha seit Jahrzehnten ins Deutsche übersetzte Siddurim, Machsorim und andere jüdische Literatur heraus, und ermögliche es so vielen deutschsprachigen Juden, die Tora und die Gebete besser zu verstehen.
Im Vorwort zum Band "Gedenkgebete" schreibt der Oberrabbiner zudem: "Dieses neue Gebetbuch begleitet uns durch die tragischen Begegnungen mit dem Tod – in der Synagoge, am Friedhof und im Hause der Trauernden. Deshalb ist es mir ein Bedürfnis zu betonen, dass die meisten jüdischen Tage des Jahres freudige Tage sind. Das Judentum kennt nicht nur Weinen und Klagen, sondern in erster Linie Freude an der Möglichkeit Gutes zu tun." Oberrabbiner Eisenberg arbeitet daher schon an einem weiteren Band: darin soll es um die freudigen Anlässe gehen, also Hochzeiten, Geburten, die Brit Mila (Beschneidung von Buben, also die Entfernung der Vorhaut, am achten Tag nach der Geburt).
Nun wird aber erst einmal Schawuot gefeiert – übrigens ein Fest, bei dem es üblich ist, milchige Speisen zu verzehren, also etwas Palatschinken und Topfengolatschen. In der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, ist dies allerdings nicht als Vorschrift festgeschrieben. Für Gemeinderabbiner Hofmeister ist eine Erklärung für diesen Brauch, dass mit der Gabe der Tora erst bekannt wurde, wie man koscher schlachtet.
Vielleicht haben Sie es auch schon einmal gelesen: Gtt. Nein, das ist kein Tippfehler. Gläubige Juden schreiben den Begriff Gott nicht aus...weiter
Wo dürfen Frauen an der Klagemauer in Jerusalem beten? Und wie dürfen sie das tun? Still oder laut? Mit Gebetsschal und Betriemen – oder sind...weiter
Was für eine Woche. Der Jüdische Weltkongress tagte in Budapest, auch um die Welt mit der Nase darauf zu stoßen, in welch antisemitischem Klima...weiter
Wie bebildert man einen Zeitungsartikel, der sich mit dem Judentum befasst, wie gestaltet man einen Radiobeitrag, in dem es um Muslime geht...weiter
Nur wer gute Fragen stellt, wird am Ende auch gute Antworten bekommen, trichtert man Jungjournalisten ein. Und nichts ist zu trivial...weiter
Wenn man heute den Begriff "arrangierte Ehen" hört, denkt man in einem ersten Impuls: wie rückständig. Wie unmodern. Wie frauenfeindlich...weiter
Wie oft hat man das schon gehört: das Seufzen, wenn wieder einmal festgestellt wird, welchen Brain Drain das NS-Terrorregime verursacht hat...weiter
Es sind bedrückende Erinnerungen. "Ich war mächtig stolz, als ich am ersten Schultag im September 1939 allein zum jüdischen Gymnasium in Budapest...weiter