• vom 28.02.2014, 13:00 Uhr

Jüdisch leben

Update: 28.02.2014, 13:04 Uhr

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Charlotte Knobloch im Gespräch mit IKG-Ehrenpräsident Ariel Muzicant.

Charlotte Knobloch im Gespräch mit IKG-Ehrenpräsident Ariel Muzicant.© Foto: Alexia Weiss Charlotte Knobloch im Gespräch mit IKG-Ehrenpräsident Ariel Muzicant.© Foto: Alexia Weiss

Ja, in Österreich leben wir derzeit ein wenig wie auf einer Insel der Seligen. Das Gedankengut der rechten Burschenschaften ist inakzeptabel und auch Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen tragen nicht gerade zum Wohlfühlfeeling bei. Aber insgesamt weiß man: öffentlich geäußerter Antisemitismus findet keine offizielle Zustimmung und gibt es einschlägige Vorfälle, kommt es zu einer sofortigen Verurteilung durch Teile der Zivilgesellschaft.   
In Ungarn sieht die Lage aber schon ganz anders aus. In Frankreich ebenso, in Schweden siedeln Juden ab – und in der Ukraine ist die Lage düster. Aus der Geschichte zu lernen bedeutet, kleinste Zeichen zu deuten. Über kleinste Zeichen sind wir in Europa teils schon weit hinaus: die Quenelle-Geste, eine Jobbik-Partei, um zwei zu nennen.

In Frankreich entschlossen sich daher 2013 rund 3.200 Juden nach Israel auszuwandern – um 60 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Es ist gut, dass es diesen Hafen gibt. Es ist gut, die Augen nicht vor schlechten Entwicklungen zu verschließen. Es ist aber auch gut, dass die Verantwortlichen der jüdischen Gemeinden weltweit heute frühzeitig darauf hinweisen, wenn in ihrer Wahrnehmung etwas schiefläuft.

Womit wir beim Thema "Iran und die Atombombe" gelandet wären. Manchem mag es penetrant vorkommen, wie auch die Wiener jüdische Gemeinde – welche die Plattform "Stop the bomb" unterstützt - immer wieder auf die Gefahr aufmerksam macht, die vom Iran besonders für Israel ausgeht. International versucht man sich mit dem Regime in Teheran zu arrangieren, schließlich geht es um einen großen Markt und wichtige wirtschaftliche Beziehungen. Gerne wird ein neuer Machthaber als demokratischer eingestuft als sein Vorgänger, die Rhetorik muss passen und so genau will man es gar nicht sehen.

Juden wissen, dass sie genau hinschauen müssen. Die anderen tun es nicht für uns. Das ist lästig? Mag sein. Das ist unangenehm? Vielleicht. Man muss auch an die Interessen der Wirtschaft denken? Ja, aber. Politik ist eben mehr als die richtigen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen. Und Politik bedeutet auch, sich nicht nur auf seine kleine Insel zu beschränken, sondern dafür zu sorgen, dass es global ein "Nie mehr wieder" gibt (gegen welche Gruppe sich die Aggressionen auch richten mögen).

Die EU sollte genau diese Rolle übernehmen – sie tut es aber immer weniger. Nach einem Rechtsruck bei der kommenden Wahl des Europäischen Parlaments, vor dem der European Jewish Congress diese Woche warnte, wird sie es wohl noch weniger tun. Genau hier ist aber eben auch der Wähler am Wort: schön wäre es, auch von den nationalen EU-Politiker im aktuellen Wahlkampf zu hören, wie sich solch ein Rechtsruck auswirken würde. Schön wäre es, wenn auch die österreichischen Wähler hier von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen würden.

P.S.: Diese Woche gibt es noch einen Hinweis in eigener Sache: kommenden Donnerstag stelle ich im psychosozialen Zentrum ESRA meinen neuen Roman "Endlosschleife" vor – alle Interessierten sind herzlich willkommen, verbunden mit der Bitte, sich im Vorfeld anzumelden. Alle Infos zu dem Termin gibt es hier: www.alexiaweiss.com/termine 

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Schlagwörter

Jüdisch leben, Blog, Alexia Weiss

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-02-28 13:02:05
Letzte nderung am 2014-02-28 13:04:13



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