• vom 21.03.2012, 14:01 Uhr

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Update: 21.03.2012, 14:16 Uhr

Köln

Banker mit Beckengefühl




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Von Gerald Schmickl

  • In Köln wurde über "Gemeinwohl-Ökonomie" diskutiert

Gewandt wie ein Tänzer: Christian Felber, rhetorisch wie körperlich enorm geschmeidig. - © Wiener Zeitung / Andy Urban

Gewandt wie ein Tänzer: Christian Felber, rhetorisch wie körperlich enorm geschmeidig. © Wiener Zeitung / Andy Urban

Von Österreich aus gingen ja bereits einige ökonomische Theorien – mit anhaltender Wirkung auf die Praxis – rund um die Welt, wie etwa jene von Joseph A. Schumpeter oder Friedrich August von Hayek. Ob Christian Felber jemals in dieser (Ahnen-)Reihe stehen wird? Immerhin ist der Wiener Selfmade-Ökonom, Globalisierungsgegner und Attac-Mitbegründer mit seinem Entwurf einer "Gemeinwohl-Ökonomie" auch außerhalb des Landes bekannt geworden.

Am Dienstag Abend diskutierte er bei der Lit.Cologne mit einem Banker und einem Philosophen über seine Vorstellungen eines alternativen Wirtschaftsmodells, das – wie er selbst meint – im Kern gar kein solches sei, sondern mehr der Fahrplan für einen demokratischen Weg dorthin, nämlich zur bewussten Erschaffung eines für alle profitablen Wirtschaftens.

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Seit Felber mit seinen Ideen vor rund eineinhalb Jahren an die Öffentlichkeit trat, gäbe es – so verkündete er in Köln – ein "rasantes Wachstum": Bereits rund 600 Unternehmen in 15 Staaten hätten sich den Forderungen nach (s)einer Gemeinwohl-Ökonomie angeschlossen und sie sich zu eigen gemacht; und 15 "AkteurInnenkreise" arbeiteten an der Verfeinerung und Abstimmung von Theorie und Praxis.

Eines der Unternehmen, die im letzten Jahr erstmals eine Gemeinwohl-Bilanz vorgelegt haben, ist die Münchner Sparda Bank, deren Vorstandsvorsitzender Helmut Lind am Dienstag auch mit am Podium war. Diese neben der Finanzbilanz aufgestellte "Gemeinwohl-Rechnung" berücksichtigt Faktoren wie u.a. ökologisches Wirtschaften, Arbeitsplatzqualität oder die Zufriedenheit von Mitarbeitern. (Insgesamt gibt es 17 Indikatoren für eine Gemeinwohl-Bilanz.)

Er sei, erzählte Lind,  mit massiven Vorwürfen konfrontiert worden,  wie etwa jenem paradoxen (und entlarvenden): Ob er, in diesen schwierigen Zeiten, keine anderen Sorgen habe, als sich um das Gemeinwohl zu kümmern! Aber er habe gute Erfahrungen damit gemacht: Seit über 15 Jahren sei kein Mitarbeiter mehr gegangen, etwa weil er woanders mehr verdient hätte.

Der Banker, im grauen Anzug äußerlich noch ganz im altgewohnten Habit, erwies sich als der bunteste und spannendste Protagonist des Abends. Er habe eine persönliche Wandlung hinter sich, verkündete er emphatisch, habe begonnen, sich selbst zu spüren, und zwar zuvorderst vom Becken her. Und er unterstütze diese behauptete Erweckung mit ausladenden, kreisenden Armbewegungen rund um seine Körpermitte, was zu hörbarer Heiterkeit im Saal führte. "Aber nicht, was Sie jetzt denken!", winkte der ins lachhaft Erotische abzugleiten Gefährdete sogleich ab, "nein, hier sitzt die Lebensenergie – und die strömt noch oben." Also auch eine Art von Gemeinwohl . . . Für seine Bemerkung, dass nur, wer sich selbst spüre, auch die Bedürfnisse von Anderen spüren könne, ernte Lind freilich schallende Zustimmung.

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Schlagwörter

Köln, Attac, LitBlog, Felber

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Dokument erstellt am 2012-03-21 14:02:09
Letzte nderung am 2012-03-21 14:16:58



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